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Kultur

Unterwegs

Die Kinotipps der Woche

  Unterwegs | Die Kinotipps der Woche  Foto: Filmstill »Call me Queen«/ Filmreederei

Im Oktober öffnet sich wieder ein Fenster ins lateinamerikanische Kino mit aktuellen Dokumentar-, Spiel-, Kurz- und Animationsfilmen aus den unterschiedlichen Kulturkreisen. Das Programm gibt’s kreuzer-Kalender und unter https://lateinamerikanische-tage.de

»Lateinamerikanische Tage«: 14. – 23.10., Schaubühne Lindenfels


Film der Woche:

Call Me Queen
D/F/GB/KEN 2026, R: Emily Atef, D: Eliane Umuhire, Denise Gough, Dominic West, 105 min

Kenia in den späten neunziger Jahren. Die alleinerziehende Mutter Queen Achungo lässt sich von nichts und niemandem einschüchtern. Erst recht nicht von der irischen Journalistin Anna, bei der sie sich kurzerhand selbst einstellt, um ihre Familie zu versorgen. Doch in ihrem Umfeld fordert die AIDS-Epidemie immer mehr Tote. Nicht, weil es keine Medikamente gäbe, sondern weil diese für die meisten Menschen viel zu teuer sind. Als sich auch bei Queen immer mehr Krankheitssymptome zeigen, kann sie nur dank der finanziellen Unterstützung von Anna behandelt werden, während die Patientinnen und Patienten um sie herum sterben. Wie kann das gerecht sein? Eine Bewegung muss her, die sich den Pharmakonzernen und der untätigen Politik entgegenstellt, mit Queen an der Spitze. Große Themen, die nahbar werden durch das exzellente Schauspiel von Eliane Umuhire (»Planet B«) als Queen und Denise Gough (»Star Wars – Andor«) als Anna – trotz und weniger wegen des Drehbuchs. Viel zu oft dürfen die Figuren nur darüber sprechen, was passiert oder was sie tun werden, statt dass der Film das ausführlich zeigt. So entwickelt sich auch die Freundschaft zwischen Queen und Anna bedauerlicherweise wenig nachvollziehbar. Das ist besonders schade, da in »Call me Queen« ein kompetenter Film über eine zu wenig besprochene humanitäre Krise steckt, der sein volles Potenzial aber nie ganz ausschöpfen kann. COLIN SCHRÖDER

»Call Me Queen«: ab 15.10., Cinémathèque


London 
AT 2026, R: Sebastian Brameshuber, D: Clifford Agu, Lana Prerad, Bobby Sommer, 122 min

Wer jemals länger mit einer Mitfahrgelegenheit gefahren ist, kennt das Szenario: Man sitzt zwangsweise mit einem oder mehreren Fremden gefangen, entweder herrscht Stille – oder bei Sympathie rankt eben ein zartes Gespräch, das viele bunte Blüten treiben kann. Das ist auch der Kern von »London«, in dem der österreichische Rentner Bobby regelmäßig zwischen Wien und Salzburg pendelt, um dort seinen langjährigen im Koma liegenden Freund zu besuchen. Dabei öffnen sich seine Türen – für Mitfahrer und jede Menge Themen, von Wurst bis Orson Welles. Der Wehrdienstleistende mit Schlaftrauma, der an seiner Eignung zweifelt, die aus der Ukraine stammende Frau, die vom analogen Kennenlernen schwärmt, und der albanische Student, der den Film »Avatar« als marxistisches Meisterwerk adelt. Auch Bobbys Kofferraum des Lebens gibt dabei natürlich einiges preis. Big Talk im Pkw: Dieser gefühlte Hybrid aus Spielfilm und Doku gleitet sanft wie auf einer Autobahn dahin, ohne große Spannungskurven oder dramaturgische Überholmanöver. Man lauscht allen kurzzeitig wechselnden Figuren gern bei ihrer situativen Seelenöffnung – auch wenn man beim österreichischen Slang manchmal die Ohren spitzen muss. Die formale Klarheit des Films bremst ihn aber zwangsweise auch in Sachen Bildsprache und Narration aus – als Auto wäre er quasi ein verlässlicher, aber PS-armer Mittelklassekombi mit viel Stauraum für kurze Storys. MARKUS GÄRTNER

»London«: ab 15.10., Passage-Kinos, Luru-Kino in der Spinnerei


Weitere Filmtermine der Woche

Paris Was a Woman
GB/D/USA 1995, Dok, R: Greta Schiller, 75 min

Ein Blick auf das Paris der zwanziger und dreißiger Jahre – nicht nur auf Einzelbiografien, sondern auf eine legendäre internationale Gruppe von Frauen, die sich zwischen den beiden Weltkriegen als Schriftstellerinnen, Malerinnen, Fotografinnen und Journalistinnen zusammengefunden und Paris zur kulturellen Hauptstadt der Welt gemacht haben.

Kinobar Prager Frühling, 17.10., 16.30 Uhr (OmU, LeLe*Tre)


Whistleblower
 
D 2026, Dok, R: Marc Bauder, 90 min

Der Film begleitet Menschen, die geheime Informationen öffentlich machen und dafür oft ihre Freiheit, Karriere und Sicherheit aufs Spiel setzen.

Passage-Kinos, 18.10., 13 Uhr (EinBLICK, OmU)

Lalka
PL 2026, R: Maciej Kawalski, D: Andrzej Seweryn, Marek Kondrat, Agata Kulesza, 166 min

Der reiche Kaufmann Stanisław Wokulski verliebt sich unglücklich in die eitle Izabela Łęcka. Adaption des Romans von Bolesław Prus.

Cineplex, 18.10., 11 Uhr (OmeU)

Außen abgekühlt doch voller Glut im Innern − Karl Brauner in Spanien (1934–1939)
D 2026, Dok, R: Volker Hoffmann

Karl Brauner war in Barcelona nicht nur mit deutschen Emigranten und Gesinnungsgenossen zusammen, sondern in die spanische Bewegung integriert.

Luru-Kino in der Spinnerei, 21.10., 19 Uhr (Premiere mit Filmgespräch)

Die Tribute von Panem: Catching Fire 
USA 2013, R: Francis Lawrence, D: Jennifer Lawrence, Josh Hutcherson, Liam Hemsworth, 146 min

Der beste Teil der Reihe: Katniss muss sich mit siegreichen Kämpferinnen und Kämpfern aus früheren Hungerspielen noch einmal in die Arena begeben.

Cinestar, 20.10., 19 Uhr

Unruh
CH 2022, R: Cyril Schäublin, D: Clara Gostynski, Alexei Evstratov, Monika Stalder, 93 min

Ein Dorfkosmos im letzten Drittel vor der Jahrhundertwende: Vor idyllischer Bergkulisse treffen anarchistische Ideen auf die beginnende Industrialisierung.

Raum der Zeit, 22.10., 19 Uhr (Reihe »Ins Handeln Kommen III« mit anschließendem Gespräch über anarchistische Praxen, Eintritt frei, OmdU)

Make it Look Real
PAK/B/NL 2024, Dok, R: Danial Shah, 78 min

Im Mittelpunkt steht ein Fotostudio in Pakistan. Kunden lassen sich mithilfe von Fotomontagen in Wunschwelten versetzen, etwa mit Motorrädern, Waffen oder anderen Statussymbolen, die sie tatsächlich nicht besitzen. Der Film untersucht die Grenzen zwischen Wirklichkeit, Inszenierung, Träumen und sozialem Aufstieg.

Luru-Kino in der Spinnerei, 20.10., 19 Uhr (24FPS – Fotografie im Film, OmeU)

EOFT − European Outdoor Film Festival

Größte Outdoor-Filmtour Europas mit Extremsportdokus aus aller Welt.

Werk 2, 22.10., 19.30 Uhr, 23.10., 19.30 Uhr

Herr Zwilling und Frau Zuckermann
D 1999, Dok, R: Volker Koepp, 132 min

Porträt zweier hochbetagter deutschstämmiger jüdischer Holocaustüberlebender im westukrainischen Czernowitz.

Passage-Kinos, 21.10., 18 Uhr (mit Gespräch)


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