anzeige
Kultur

»Ich ziehe Inspiration aus ganz unterschiedlichen Musikrichtungen«

Jakob Obleser ist einer der Preisträger des diesjährigen Jazznachwuchspreises

  »Ich ziehe Inspiration aus ganz unterschiedlichen Musikrichtungen« | Jakob Obleser ist einer der Preisträger des diesjährigen Jazznachwuchspreises  Foto: Wolfgang Volz

Jakob Obleser ist einer der Preisträger des Jazznachwuchspreis 2026 der Marion-Ermer-Stiftung. Dieses Jahr war der Preis zum Jubiläum mit 20.000 Euro dotiert. Neben Obleser wurde Alma Gröning ausgezeichnet. Im Interview erzählt Jakob Obleser von der Entwicklung seines eigenen Sounds und den Freiheiten und Herausforderungen des Improvisierens.

Herzlichen Glückwunsch zum Jazznachwuchspreis 2026. Wie fühlt sich die Auszeichnung an?

Die fühlt sich erst mal sehr gut an. Ich hatte mich vor zwei Jahren schon einmal für den Preis beworben, ihn damals aber nicht erhalten. Jetzt hat es geklappt. Es ist eine schöne Anerkennung meiner Arbeit und gibt mir neue Motivation.


Haben Sie konkrete Pläne, was Sie mit dem Preisgeld anfangen möchten?
Erst einmal gibt mir das Preisgeld finanzielle Sicherheit. Ich befinde mich musikalisch gerade noch in einer Findungsphase und überlege, was ich als Nächstes machen möchte. Deshalb gibt es momentan kein konkretes Projekt, in das ich das Geld investieren möchte.


Inwiefern kann Sie diese finanzielle Sicherheit in Ihrer musikalischen Arbeit unterstützen?
Ich meine damit vor allem eine existenzielle Grundsicherung. In meinem Beruf kann ich nicht damit rechnen, regelmäßig gleich viel zu verdienen. Es gibt Monate, die gut laufen und mich finanziell für eine Weile entspannen, und dann wieder Monate, in denen es weniger gut läuft. Einen finanziellen Puffer zu haben, ist deshalb sehr wertvoll. Selbst wenn das Geld zunächst einfach als Reserve dient, trägt es dazu bei, dass ich entspannter bin und mich ruhiger meiner Musik und meiner Kreativität widmen kann.


Wie sind Sie zum Jazz gekommen?
Ich bin in einer recht musikfreundlichen Familie aufgewachsen, in der Instrumente gespielt wurden und ich früh darin gefördert wurde, Musik zu machen. Mit sechs Jahren habe ich angefangen, klassische Gitarre zu lernen und habe nebenbei E-Gitarre gespielt, viel Rockmusik gehört und Riffs nachgespielt. In der Schule kam dann die Big Band dazu, durch die ich zum ersten Mal aktiv mit Jazz in Berührung kam.


Wann wurde Jazz für Sie interessanter?
So richtig los ging es erst, als ich in der zehnten Klasse war. Zwei Freunde aus der Big Band haben mich in eine Jazz-Combo an der örtlichen Musikschule mitgenommen, die einen Bassisten suchte. Ich hatte zu Hause schon ein bisschen Bass gespielt und bin deshalb einfach mitgekommen. Wir waren zu viert oder fünft, und es gab einen Lehrer, der Trompete spielte. Von da an bin ich jeden Montag hingegangen und konnte mich ausprobieren. Der Lehrer hat mich in dieser Situation sehr gut gefördert, mich immer wieder mit spannenden Alben versorgt, die ich dann angehört habe, und mir Tipps und Tricks gezeigt. Dadurch hat sich mir nach und nach diese ganze Welt eröffnet.


Was hat Sie an dieser Art Musik zu machen besonders fasziniert?
Ich habe gemerkt, dass eine Combo ganz anders war als in der Big Band, in der 20 Leute ein Stück nach Noten spielen. In der Combo gab es viel mehr Offenheit und Freiraum. Die Stücke ließen Raum, sich auszuprobieren, und es gab nur wenige Vorgaben. Das fand ich total interessant. Mir fiel es leicht, mich darauf einzulassen, und es hat mir Spaß gemacht, auf diese Weise zu lernen: über ein Instrument, Musik, Musiktheorie, das Zusammenspiel und den Bandsound.


Was fühlen Sie in den Momenten, in denen Sie spielen?

Das ist sehr unterschiedlich und hängt davon ab, welche Musik ich gerade spiele, mit wem und wo. Im besten Fall habe ich einfach Spaß dabei. Es erfüllt mich, mein Instrument in der Hand zu haben und damit etwas zu machen, das mit anderen Menschen interagiert. Dabei ist emotional alles dabei: Freude, Ekstase und die Spannung, zu erleben, was um mich herum passiert. Ich höre den anderen zu und bin neugierig darauf, was sich daraus entwickelt. Um ehrlich zu sein, ist es manchmal aber auch anstrengend oder langweilig.


Inwiefern kann das Spielen anstrengend sein?

Ich kenne Momente, in denen ich auf der Bühne stehe und merke, dass ich gerade gar nicht richtig bei der Sache bin. Ich spiele zwar, bekomme aber eigentlich gar nicht bewusst mit, wie ich spiele. Das ist natürlich nicht optimal, aber es passiert.
Ich finde, es ist eine Herausforderung, in dem Moment, in dem man auf der Bühne steht, in den richtigen Zustand zu kommen: sich auf die Situation einzulassen, alles so zu akzeptieren, wie es kommt, und nicht zu viel darüber nachzudenken. Diesen Konflikt aufzulösen, ist nicht immer leicht.


Wie würden Sie Ihre Musik jemandem beschreiben, der sie noch nie gehört hat?
Es fällt mir manchmal schwer, von meiner Musik im Singular zu sprechen, weil ich in verschiedenen Bands spiele, deren Musik sich teilweise stark voneinander unterscheidet. Wenn ich an mein kommendes Konzert bei den Jazztagen denke, würde ich sagen: Das ist meine Musik. Ich spiele dort ganz allein und habe alles selbst entwickelt. Im Vordergrund steht das Instrument. Ich spiele zwar verschiedene Instrumente, aber unabhängig davon, welches ich gerade spiele, ist deutlich zu hören, was ich damit mache, weil der Klang so exponiert ist und ich allein auf der Bühne stehe. Mir ist wichtig, dass möglichst alle Nuancen meines Spiels hörbar werden. Ich arbeite mit kleinen Motiven, Elementen, Melodien oder Riffs, die ich über einen längeren Zeitraum wiederhole und weiterentwickle. Dadurch können Momente entstehen, in denen das Publikum zu sich selbst findet. Die Musik verlangt einem nicht viel ab und drängt sich nicht auf. Meine Wunschvorstellung ist, dass sich alle im entstehenden Klang auf ihre eigene Weise wiederfinden können und dadurch eine ganz individuelle Erfahrung machen. Ich möchte, dass man in meiner Musik erkennen kann, woher ich komme und was mich geprägt hat.


Wir wissen jetzt, wie Sie zum Jazz gekommen sind. Warum sind Sie dabeigeblieben?

Das frage ich mich auch manchmal. Ich würde mich nicht ausschließlich als Jazzmusiker bezeichnen, ich ziehe Inspiration aus ganz unterschiedlichen Musikrichtungen und es macht mir Spaß, verschiedene Stile zu entdecken und zu spielen. Durch mein Studium habe ich mich im Jazzkontext professionalisiert und bin dadurch in dieser Szene gelandet. In andere Szenen zu wechseln, ist dadurch nicht so einfach.


> Preisverleihung des Jazznachwuchspreises mit anschließendem Konzert von Jakob Obleser und Alma Gröning: 24.10., 15 Uhr, UT Connewitz


Kommentieren


0 Kommentar(e)