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Stadtleben

»Zuversicht ist etwas, das man tut«

Tupoka Ogette wird mit dem Louise-Otto-Peters-Preis ausgezeichnet

  »Zuversicht ist etwas, das man tut« | Tupoka Ogette wird mit dem Louise-Otto-Peters-Preis ausgezeichnet  Foto: Tatsiana Tribunalova


Zum zwölften Mal wird dieses Jahr der Louise-Otto-Peters Preis vergeben. Mit ihm zeichnet die Stadt Leipzig Menschen aus, die sich im besonderen Maß für die Gleichstellung von Männern und Frauen einsetzen. Die diesjährige Preisträgerin ist Tupoka Ogette. Sie wurde 1980 in Leipzig geboren, studierte hier später Afrikanistik und arbeitet seit 2012 als rassismuskritische Beraterin und Trainerin. Vor der Preisverleihung haben wir mit ihr über die Auszeichnung und ihr neues Buch »Trotzdem zuhause« gesprochen.

Was bedeutet es für Sie, mit dem Louise-Otto-Peters-Preis ausgezeichnet zu werden?

Mir bedeutet dieser Preis sehr viel. Ich war sehr überrascht, als ich davon erfuhr. Wer die Arbeit macht, die ich seit vielen Jahren mache, hat Preise nicht im Kopf, sie sind auch nicht das Ziel. Und gleichzeitig habe ich mich sehr gefreut. Louise Otto-Peters hat 1865 hier in Leipzig den Allgemeinen Deutschen Frauenverein mitgegründet, ihr Einsatz für die Rechte von Frauen ist der Grund, warum man diese Stadt die Wiege der Frauenbewegung nennt. Der Preis, der ihren Namen trägt, ehrt Menschen und Initiativen, die für Gleichstellung arbeiten. In dieser Tradition zu stehen, ist eine große Ehre, und dass es gerade in meiner Heimatstadt geschieht, berührt mich besonders. Ich bin zutiefst dankbar für diese Auszeichnung.


Wie haben Sie erfahren, dass Sie die diesjährige Preisträgerin sind?

Ich habe eine E-Mail von der Stadt bekommen. Ich habe sie mehrmals gelesen und konnte es zuerst gar nicht glauben. An diesem Nachmittag war ich gerade auf dem Weg zu meiner Mutter, und so haben wir uns gleich gemeinsam gefreut. Es war ein sehr schöner Moment.


In Ihrem aktuellen Buch »Trotzdem zuhause«, sprachen Sie – wie schon in unserem letzten Interview vor vier Jahren – von einem komplexen Verhältnis zu Leipzig. Wie geht es Ihnen gerade mit der Stadt?

In »Trotzdem zuhause« habe ich versucht, über dieses Verhältnis zu schreiben: »Es ist die Stadt, in der ich zweimal laufen lerne, wortwörtlich als Kleinkind und im übertragenen Sinne als Studentin. (…) Die Stadt, aus deren Enge ich über Nacht fliehen muss und in der ich Jahre später Zuflucht finde, als ich sie am dringendsten brauche. (…) Es ist die Stadt, die mir wieder und wieder meine Zugehörigkeit verweigert und in der ich in Menschen und Orten mal um mal die vertrauteste Heimat finde.« – Mein Verhältnis zu Leipzig ist wie eine komplexe, schöne, schwierige Liebesbeziehung: oft widersprüchlich, aber immer zugewandt. Die Gleichzeitigkeit der Dinge gilt es für mich zu umarmen und nicht abzulehnen.


Im selben Interview träumten Sie von einer rassismus- und diskriminierungskritischen Gesellschaft. Wie betrachten Sie die gesellschaftspolitischen Entwicklungen der letzten Jahre unter diesem Aspekt?

Leider ist diese Vision gerade in den letzten Jahren, vielleicht besonders in den letzten Monaten, in ziemlich weite Ferne gerückt. Ich betrachte die gesellschaftspolitischen Entwicklungen, wie viele andere Menschen auch, mit großer und wachsender Sorge. Gleichzeitig will ich daran glauben, dass alles, was so hart erarbeitet und erkämpft wurde über die letzten Jahrzehnte nicht weg ist. Wir müssen wissen: Wenn jemand resilient ist und erprobt im Navigieren in harten Zeiten, dann sind das queere Menschen, Schwarze Menschen und Menschen of Color. 


Sachsen-Anhalt ist nicht weit weg von Leipzig. Dort hat die AfD die Landtagswahl mit großem Vorsprung gewonnen. Sie sprechen oft davon, die Zuversicht zu bewahren. Wie gelingt das angesichts solcher Neuigkeiten für Sie?

Zuversicht ist nichts, das man hat, sondern etwas, das man tut. Und gerade in Zeiten, die schwer und dunkel sind, muss man sie – wenn man sie haben möchte – trainieren. Das kostet Kraft, und diese Kraft habe auch ich ehrlich gesagt nicht jeden Tag. An solchen Tagen hilft es mir, an die vielen Menschen zu denken – zum Glück sind es viele – die nach wie vor Tag für Tag für unsere Demokratie kämpfen. In Sachsen, in Sachsen-Anhalt und in ganz Deutschland.


Was bedeutet für Sie »zuhause«?

Zuhause ist der Ort, an dem ich mich nicht erklären muss. Das muss kein physischer Ort sein. Zuhause kann in Begegnungen entstehen, ich kann es in einem anderen Menschen finden, in einer geteilten Hoffnung, in einem solidarischen Zusammenschluss. Manchmal ist es auch ein Geschmack, ein Geruch, ein Lied. Ich habe Zuhause in meinem Leben immer wieder gefunden. Auch hier in Leipzig.


»Trotzdem zuhause« ist ein sehr persönliches Buch. War die Veröffentlichung für Sie nochmal anders als bei Ihren vorherigen Büchern?

Ja, das war ein ganz anderer Prozess. Dieses Buch ist – ein wenig pathetisch gesprochen – mein Herz in Buchform. Es so verletzlich in eine oft rohe und harte Welt zu geben, hat mich viel Kraft gekostet, und die Angst war immer wieder mit dabei. Gleichzeitig mag ich den Satz, dass es keinen Mut ohne Angst gibt. Daran habe ich mich gehalten. Umso mehr freut es mich, dass ich nach dem Frühjahr nun auch im Herbst mit dem Buch auf Lesetour in vielen Städten sein darf. Die Begegnungen mit den Lesenden bereichern mich sehr. Ich spüre, wie groß die Sehnsucht nach einem Resonanzraum ist, der Verletzlichkeit zulässt und in dem wir alles halten können, was Menschsein ausmacht – das Schwere und Traurige genauso wie das Schöne und Zuversichtliche.


> Verleihung des Preises am 27.10. in Leipzig

> Tupoka Ogette: Trotzdem zuhause. Memoir. München: Penguin 2026. 256 S., 23 €


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