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Ach, immer diese Männer

  Ach, immer diese Männer |   Foto: dok leipzig

»Guten Abend, du Schöne« erfasst als Eröffnungsfilm Perspektiven von Frauen aus der ehemaligen DDR zur sexuellen und weiblichen Selbstbestimmung und den Blick auf Männlichkeit.

»Ich halte jedes Leben für hinreichend interessant, um anderen mitgeteilt zu werden«, wird Maxie Wander zu Beginn der Dokumentationaus Archivaufnahmen zitiert. 1977 sammelte Wander in »Guten Morgen, du Schöne« unterschiedliche Lebensrealitäten von Frauen aus der DDR, im Alter zwischen 16 und 91 Jahren. Die Frauen blieben anonym. Das Buch war eines der erfolgreichsten in der DDR. Fast 50 Jahre später besucht die Regisseurin Ina Borrman Protagonistinnen und Angehörige aus dem Buch, die heute zwischen Ende 60 und 90 Jahre alt sind, greift ihre Erfahrungen der letzten Jahrzehnte auf und bespricht mit ihnen Passagen aus dem Buch und ihre Sichtweisen heute darauf. Die Aussagen der Frauen werden durch Archivmaterial ergänzt, manches dabei auch aus den Archiven der beteiligten Protagonistinnen.

Der Film zeigt durch das Selbstverständnis und die Aussagen der Frauen auch das Verständnis des Staates zu sich selbst und einigen Themen – die DDR als »Nie wieder Faschismus«-Staat, die Arbeit als wichtigstes Gut, die sexuelle Selbstbestimmung, die Selbstverständlichkeit von Scheidung und Trennung – und der Film zeigt auch, dass da manchmal eine Lücke klafft, dass die DDR sich zwar schon Selbstbestimmung der Frau auf die Fahne schreibt, dass dies aufgrund der systematischen Ungleichheit auch viel von den Männern abhängt und dass diese auch häufig zum Problem werden. Die meisten Frauen im Film sind geschieden und haben häufig schlechte Erfahrungen mit »ihren« Männern gemacht und dann doch erst viele Jahre später ihre sexuelle Selbstbestimmung gefunden.

Im Buch bekommt jede Frau jeweils ein eigenes Kapitel, um über ihre Ansichten, das Frausein in der DDR zu reden, es gibt keine Moderation oder Einordnung der Autorin, die Erfahrungen der Frauen sind als Fließtext dargestellt, als Stream of Consciousness. Im Film funktioniert dieses Verfahren nicht an allen Stellen. Es gibt keine Kapitelmarken, keine Themenblocks, manchmal ist nicht so ganz ersichtlich, wer gerade spricht, um welches Thema geht es gerade? Ohne Kenntnis des Buches könnte es manchmal schwerfallen, Aussagen den Protagonistinnen oder den Themen richtig zuzuordnen. Das Archivmaterial hilft manchmal dabei, lenkt aber auch manchmal weg von einer eindeutigen Zuordnung.

Der Film ist daher eine sehr gute Ergänzung zum Buch, um die Leben der Protagonistinnen aufzugreifen nachzuverfolgen und kann ohne diese Einordnung manchmal verwirrend sein. Für sich alleinstehend bietet »Guten Abend, du Schöne« aber auch eine wichtige, weil verzögerte weibliche Sicht auf Männlichkeitsvorstellungen und -realitäten in der DDR. JONAS FRITZSCHE


»Guten Abend, du Schöne«
Ina Borrman
Eröffnungsfilm, Fokus Ost
Dokumentarfilm
Deutschland 2026
95 Minuten
Deutsch
Untertitel: Englisch
Weltpremiere


29.10.2026, 11 Uhr, CineStar 2

1.11.2026, 21 Uhr, Cinémathèque in der naTo

https://www.dok-leipzig.de/film/guten-abend-du-schoene/programm


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