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Dokblog 2026

Das Dok in Sprechlaune

  Das Dok in Sprechlaune |   Foto: Susann Bargas Gomes

Die 69. Ausgabe des Dok Leipzig bringt einige Neuerungen und will vor allem eins: das Gespräch suchen


Wieder mehr miteinander ins Gesprächkommen. So oder ähnlich lautete der in den letzten Jahren fast mantraartig wiederholte Wunsch als Antwort auf die oft zitierte Spaltung der Gesellschaft. Dass Kultur hier ein großer Hebel sein kann und gerade Kino ein Türöffner für Diskussionen, dem verschreibt sich das diesjährige Dok-Festival in Leipzig ganz offiziell. Die seit Januar amtierende Intendantin Ola Staszel führt dafür neue Sektionen ein.

»Positions«will mit experimentellen Diskussionsformaten und Extended Q&As das Sprechen über Filme fernab von Rastern anregen. Etwa über »Hope is a Word«, in dem Poesieworkshops in Nigeria zum Protest gegen Erdölförderung werden; »Tricontinental, Letter to Open in CaseOf«, ein Porträt der sozialistischen Aktivistin Michèle Firk ind er Zeit des Kalten Krieges; oder »Fracture«, ein Videotagebuch der Aktivistin Keren Kraizer über ihre wachsende Entfremdung gegenüber ihrer Heimat Israel.

In einer weiteren neuen Sektion, »Fokus Ost«, lassen sich ostdeutsche Perspektiven im Dokumentarfilm schauen und diskutieren. Zu ihr gehört auch der Eröffnungsfilm der in Sachsen geborenen Regisseurin Ina Borrmann. Darin interviewt sie die Protagonistinnen des titelgebenden Protokollbands aus 1977, »Guten Morgen, du Schöne« von MaxieWander, eines der erfolgreichsten Bücher in der DDR. Damals anonym, heute unter echtem Namen, erzählen die Frauen über ihr Leben im Patriarchat, vor und nach der Wende. Dafür fallen die bisherigen Sektionen »Camera Lucida« und »Panorama: Mittel- und Osteuropa« weg.

Widerständig wird es in der diesjährigen Retrospektive »Kino und Kampf.Lateinamerika zwischen Ost und West«, die lateinamerikanische Filme der 1960er und 70er gegen Rassismus, soziale Ungleichheit undstaatliche Repression zeigt. Die Hommagen ehren diesmal die tschechische Regisseurin Helena Třeštíková, die in ihren Langzeitbeobachtungen das Politische im Privaten zeigt, sowie das norwegische Animationsstudio Troll, gegründet von der Filmemacherin Anita Killi und auf Cut-out-Animationen spezialisiert. Sowohl mit Třeštíková als auch mit Killi kann man in einer Meisterklasse ins Gespräch kommen.

Auch bei der Preisvergabe sollen die Zuschauenden dieses Jahr mehrmitreden: welcher lange Dokumentarfilm den Publikumspreis gewinnt, entscheidet nun per Onlineabstimmung das Publikum statt einer Jury. Unter dem Vorzeichen des Miteinanders steht auch das Festivalmotiv: zwei miteinander laufende Hosenträger. Vielleicht auf dem Weg ins Kino. YILING PAN


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