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Kultur

Miteinander reden

Die 69. Ausgabe des Dok-Festivals bringt einige Neuerungen und will vor allem eins: das Gespräch suchen

  Miteinander reden | Die 69. Ausgabe des Dok-Festivals bringt einige Neuerungen und will vor allem eins: das Gespräch suchen  Foto: Filmstill »Hope is a Word«/ Anita Vedå

Wieder mehr miteinander ins Gespräch kommen. So oder ähnlich lautete der in den letzten Jahren fast mantraartig wiederholte Wunsch als Antwort auf die oft zitierte Spaltung der Gesellschaft. Dass Kultur hier ein großer Hebel sein kann und gerade Kino ein Türöffner für Diskussionen, dem verschreibt sich das diesjährige Dok-Festival in Leipzig ganz offiziell. Die seit Januar amtierende Intendantin Ola Staszel führt dafür neue Sektionen ein.

»Positions« will mit experimentellen Diskussionsformaten und »Extended Q&As« das Sprechen über Filme fernab von Rastern anregen. Etwa über »Hope is a Word«, in dem Poesieworkshops in Nigeria zum Protest gegen Erdölförderung werden; »Tricontinental, Letter to Open in Case Of«, ein Porträt der sozialistischen Aktivistin Michèle Firk in der Zeit des Kalten Krieges; oder »Fracture«, ein Videotagebuch der Aktivistin Keren Kraizer über die wachsende Entfremdung gegenüber ihrer Heimat Israel.

In einer weiteren neuen Sektion, »Fokus Ost«, lassen sich ostdeutsche Perspektiven im Dokumentarfilm anschauen und diskutieren. Zu ihr gehört auch der Eröffnungsfilm der in Sachsen geborenen Regisseurin Ina Borrmann: Darin interviewt sie die Protagonistinnen des titelgebenden Protokollbands von 1977, »Guten Morgen, du Schöne« von Maxie Wander, eines der erfolgreichsten Bücher in der DDR. Damals anonym, heute unter echtem Namen erzählen die Frauen über ihr Leben im Patriarchat, vor und nach der Wende. Dafür fallen die bisherigen Sektionen »Camera Lucida« und »Panorama: Mittel- und Osteuropa« weg.

Widerständig wird es in der diesjährigen Retrospektive »Kino und Kampf. Lateinamerika zwischen Ost und West«, die lateinamerikanische Filme der sechziger und siebziger Jahre gegen Rassismus, soziale Ungleichheit und staatliche Repression zeigt. Die Hommagen ehren diesmal die tschechische Regisseurin Helena Třeštíková, die in ihren Langzeitbeobachtungen das Politische im Privaten zeigt, sowie das norwegische Animationsstudio Troll, gegründet von der Filmemacherin Anita Killi und auf Cut-out-Animationen spezialisiert. Sowohl mit Třeštíková als auch mit Killi kann man in einer Meisterklasse ins Gespräch kommen.

Auch bei der Preisvergabe soll das Publikum dieses Jahr mehr mitreden: Welcher lange Dokumentarfilm im Publikumswettbewerb die Goldene Taube gewinnt, entscheidet nicht mehr eine repräsentative Jury, sondern das Publikum im Saal per QR-Code auf der Leinwand. Unter dem Vorzeichen des Miteinanders steht auch das Festivalmotiv: zwei miteinander laufende Hosen. Vielleicht auf dem Weg ins Kino. 

> 69. Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm: 26.10.–1.11., Schauspielhaus, Cinestar, Kohlrabizirkus, Hauptbahnhof, Volkshochschule u. a., Gesamtprogramm ab 8.10. unter www.dok-leipzig.de

> Der kreuzer begleitet die Festivalwoche mit Rezensionen, Interviews und Veranstaltungsberichten. Immer aktuell auf dem Dokblog.​


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