Dokblog 2026

Die Herrschaft des Feuers

»>1,5°C Pyropolitics and the New World« von Lukas Marxt

  Die Herrschaft des Feuers | »>1,5°C Pyropolitics and the New World« von Lukas Marxt  Foto: dok leipzig

Sicher erinnern wir uns alle noch an die Bilder der Waldbrände aus Los Angeles von diesem Jahr, oder vom letzten Jahr, oder aus Australien, oder aus der Eifel, oder oder oder. Was wir aus Nachrichtenschnipsels kennen wird jetzt 70 Minuten lang gezeigt, ohne Kommentar oder Einordnung. Nur zwei Texttafeln am Anfang und am Ende geben Kontext. In diesem Fall sind es die Brände in Los Angeles im Januar 2025, die wir begleiten. Wie ein Kriegsgebiet wirkt die Landschaft und dieser Vergleich, so trostlos er ist, könnte passender nicht sein. Zu Beginn fliegt ein militärischer Truppentransporthubschrauber über die brennenden Wälder, die Feuerwehrleute formieren sich an der »Frontline«, die Wohngebiete sind menschenleer und überall sind ausgebrannte Ruinen von Autos und Häusern. Als wären alle Menschen plötzlich verschwunden wirken die leeren Fitnessstudios und nicht abgehängten Weihnachtsbeleuchtungen. Dabei kommen diese Brände in dieser Intensität zwar plötzlich, aber die Entwicklung führt schon lange dazu. Die typischen Waldbrandsaisons gibt es nicht mehr, stattdessen besteht praktisch rund ums Jahr die Gefahr großer Feuer.


Mit fast schon routinierter Professionalität handeln deshalb auch die Feuerwehrleute und die geflohenen Menschen in ihren Notunterkünften. Der Film ist keine Effekthascherei. Er zeigt die globale Entwicklung an einem konkreten Beispiel. Der Schaden kann nur noch begrenzt werden, aber nicht mehr umgekehrt werden, jedenfalls nicht kurzfristig. Mit allem was sie haben, versuchen die Menschen Wasser auf die Flammen zu gießen, aber meistens ist es nicht mehr als der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein. Die Titelgebenden Pyropolitics beziehen sich auf das Buch eines Politikwissenschaftlers aus dem vergangenen Jahr. Darin stellt er die Beziehung der Menschen zum Feuer in unterschiedlichen Epochen dar. Oft war es ein Machtinstrument oder diente für Rituale. Nachdem der Mensch das Feuer gezähmt hat und die Zivilisation begann ist er der Naturgewalt jetzt wieder hilflos ausgeliefert. Der Zeitpunkt der Gartenschläuche und Eimer ist vorbei und sogar die schweren Geschütze, die Feuerwehrschläuche und Löschhubschrauber, können nur noch versuchen, schlimmeres zu verhindern. Abhilfe und Abkühlung schafft nur noch die Natur selbst. Um das zu zeigen, braucht der Film auch keinen Dialog, die Bilder sprechen für sich. Das ist eindrucksvoll und bedrückend und kommt gerade jetzt zur rechten Zeit. Vielleicht sind wir nächstes Mal nicht mehr ganz so überrascht, wenn das nächste Feuer ausbricht. ALEXANDER BÖHLE


>1,5°C Pyropolitics and the New World

Lukas Marxt

Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm

Deutschland, Österreich 2026

73 Minuten

ohne Dialog

Weltpremiere

28.10.2026 18:00 Cinémathèque in der naTo

01.11.2026 17:00 CineStar 2




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