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Georg Witkowski

Der Gründer der Gesellschaft der Bibliophilen verließ Leipzig 1939

  Georg Witkowski | Der Gründer der Gesellschaft der Bibliophilen verließ Leipzig 1939  Foto: Metropolitan Museum of Art, CC0

wird am 11. September 1863 in Berlin als erster Sohn eines jüdischen Bankiers geboren. Dieser verliert im Laufe der Zeit sein Vermögen und zieht 1877 mit seiner Familie – Georg hat noch zwei jüngere Brüder – nach Leipzig. Georg Witkowski besucht hier die Nikolaischule und beginnt nach dem Abitur 1883 an der hiesigen Universität mit dem Studium der Klassischen Philologie, Philosophie und Germanistik, das er 1886 in München mit Promotion beendet. Habilitiert wird er dann wieder an der Leipziger Universität. Kurz vor seiner Lehrtätigkeit an der Leipziger Universität tritt Witkowski 1896 zum Christentum über.

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Er lehrt an der Uni als außeretatmäßiger Ordinarius deutsche Literatur. Witkowski gründet die Gesellschaft der Bibliophilen und den Leipziger Bibliophilen-Abend mit, ist u. a. Autor der »Geschichte des literarischen Lebens in Leipzig« (Leipzig/Berlin: B. G. Teubner 1909), Goethe-Kenner mit mehreren Publikationen, initiiert das Schiller-Denkmal in Leipzig. Nach seiner Emeritierung 1931 lehrt er weiter, bis er im Frühjahr 1933 laut Ministerium in Dresden »das nationale Empfinden der Hörer erheblich verletzt« – ab September 1933 darf er nicht mehr lehren. Der Dekan gratuliert ihm in jenem Monat zum 70. Geburtstag mit den Worten: »Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Ihnen die jetzt gewonnene Befreiung von akademischen Verpflichtungen Gelegenheit geben wird zur Fortsetzung Ihrer fruchtbaren wissenschaftlichen Arbeit.«

Ab 1934 wird Witkowski das Ruhegehalt entzogen. Ein Jahr später folgt das Publikationsverbot, 1937 das Verbot zur Benutzung von öffentlichen Bibliotheken. Im Herbst 1937 besucht das Ehepaar Georg und Petronella Witkowski die Tochter Hannie, die mit ihrer Familie bereits in England wohnt. Die Tochter motiviert ihn zum Schreiben seiner Lebensgeschichte. Am 30. Oktober 1937 wird Witkowski nach einer Hausdurchsuchung verhaftet, ist zwei Wochen in der Wächterstraße eingesperrt. Er beginnt mit seiner Lebensgeschichte »Von Menschen und Büchern. Erinnerungen 1863–1933« und setzt damit auch seinem Freund Gustav Kirstein ein Denkmal – der Verleger (E. A. Seemann) und Kunstsammler hatte sich aller Wahrscheinlichkeit nach 1934 umgebracht, nachdem er zuvor aus dem Verlag wie auch aus allen Ehrenämtern entlassen wurde. An ihn und seine Frau Cläre erinnern zwei Stolpersteine in der Trufanowstraße (s. S. 72).

Am 9. Mai 1939 emigriert Witkowski mit seiner Ehefrau nach Amsterdam, er kann seine Bibliothek mitnehmen. Ihr Haus in der Ehrensteinstraße 20 wird verkauft, das Geld gelangt nicht zu ihnen. Im Leipziger Adressbuch ist ab 1940 als Eigentümerin eine Frau M. Schwarz aus Koburg notiert. Nach zwei Jahren mit der Notiz »unbewohnt« findet sich ab 1942 als Bewohner Wolf von Wedelstaedt, Wehrwirtschaftsführer. Georg Witkowski stirbt am 21. September 1939 in Amsterdam.

Im Jahr 1992 wird in Mockau-Nord die Kurt-Kühne-Straße – bis dahin nach dem Widerstandskämpfer (1898–1963) aus der KPD benannt, der nach 1933 in Kontakt mit der Widerstandsgruppe von Georg Schumann stand und nach 1945 im DDR-Gewerkschaftsbund tätig war – in Witkowskistraße umbenannt. An Witkowskis Haus in der Ehrensteinstraße gibt es keine Erinnerungsspur.


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