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Stolpersteine

Seit 2006 erinnert auch in Leipzig in dieser Form an Opfer des Nationalsozialismus

  Stolpersteine | Seit 2006 erinnert auch in Leipzig in dieser Form an Opfer des Nationalsozialismus  Foto: Nach einer Farbattake um den 9. Oktober gereinigte Stolpersteine für die Schwestern Rosa und Elise Beermann in Wahren/Britt Schlehahn

Am 6. Mai 1990 erinnert der Künstler Gunter Demnig an den 50. Jahrestag der Deportation von Sinti und Roma in Köln mit einem Schriftspurgerät, das den Weg dieser Menschen ins Messelager dokumentiert. Den ersten Stein verlegt der 1947 in Berlin geborene Demnig am 16. Dezember 1992 vorm Historischen Rathaus in Köln – zum 50. Jahrestag der Befehle Himmlers zur Deportation von Sinti und Roma. Hier waren noch keine Namen, sondern die Anfangszeile des Erlasses sichtbar.

Steine mit Namen verlegt Demnig am 4. Januar 1995 in Köln – wie auch die 51 Steine im Mai 1996 bei der Ausstellung der neuen Gesellschaft bildende Kunst »Künstler forschen nach Auschwitz« in der Berliner Oranienstraße ohne Genehmigung. Sie sind Teil seines Projektes, sechs Millionen Steine zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus zu verlegen. 

Der erste öffentlich genehmigte Stein wird nahe Salzburg am 19. Juli 1997 verlegt. Demnig möchte die Opfer aus der Anonymität holen und die Namen der Opfer zurückgeben: »Man stolpert nicht und fällt hin, man stolpert mit dem Kopf und mit dem Herzen.«

Die Steine werden per Hand hergestellt – im Gegensatz zur maschinellen Menschenvernichtung im Nationalsozialismus – und mit einer Messingplatte versehen. Als Ort wird der letzte frei gewählte Wohnort des oder der geehrten Menschen gewählt. Mit der Verlegung gelangt der Stein ins Eigentum der Kommune, weshalb eine Genehmigung vorab nötig ist. Der 100.000. Stolperstein wurde 2023 in Nürnberg verlegt, Erinnerungssteine gibt es insgesamt in 31 europäischen Ländern. Seit 2013 existiert die Website Stolperstein-Guide mit Standorten und Biografien aus insgesamt 80 Städten.

Von Beginn an gibt es Debatten um die Stolpersteine: In München beispielsweise sind nur wenige Stolpersteine im öffentlichen Raum verlegt, die Mehrzahl befindet sich auf privatem Boden – anstelle der Steine finden sich im öffentlichen Raum Stelen und Wandtafeln. In Limbach-Oberfrohna stellen sich im Jahr 2022 CDU und AfD gegen die Verlegung von Stolpersteinen für zwei ehemalige KPD-Funktionäre, weil diese nach Ansicht der Parteien eine antidemokratische Haltung gehabt hätten. Seitdem hat es dort keine Stolpersteinverlegung mehr gegeben. Der Stadtrat in Heidenau beschließt im September 2026, keine Stolpersteine im öffentlichen Raum mehr zu genehmigen.

Als erstes Museum verlegt das Deutsche Hygienemuseum in Dresden am 29. September 2026 sieben Stolpersteine für als jüdisch geltende Mitarbeiterinnen und Vorstände, die ab 1933 entlassen bzw. aus ihren Ämtern gedrängt wurden, darunter Marta Fraenkel.

Der Stadtratsbeschluss in Leipzig aus dem Jahr 2005, eingereicht von Bündnis 90/Die Grünen, erklärt: »Vor allem nach dem Ergebnis der letzten Landtagswahl und dem Einzug der NPD in den Landtag ist es ganz besonders wichtig, unsere Bürgerinnen und Bürger, vor allem aber unsere Jugend, tagtäglich mit der menschenfeindlichen Ideologie und den politischen Zielen der Nationalsozialisten zu konfrontieren und gemeinsam gegen das Vergessen zu kämpfen.« Die Finanzierung der Steine solle »ausschließlich über Patenschaften« erfolgen, aber: »Die Stadt regt zur historischen Recherche und pädagogischen Arbeit stadtteilbezogener Schülerprojekte an.« Im Jahr 2006 werden die ersten Steine in der Stadt verlegt. 

Das Projekt wird in Leipzig von einer Arbeitsgruppe realisiert. Dazu gehören: Achim Beier (Archiv Bürgerbewegung), Marion Kunz (Ev.-Luth. Kirchenbezirk), Anne Friebel (Gedenkstätte für Zwangsarbeit), Silvia Hauptmann (Ephraim-Carlebach-Stiftung), Andrea Lorz und Sven Trautmann-Meincke (Referat Internationale Zusammenarbeit der Stadt) sowie Raimund Grafe (Erich-Zeigner-Haus). 


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