Dokblog 2026

Religionskritische Hirnverrottung

»Melk« von Filip Anthonissen

  Religionskritische Hirnverrottung | »Melk« von Filip Anthonissen  Foto: dok leipzig


In den sozialen Medien, vornehmlich auf TikTok, gab es in den vergangenen Jahren das Phänomen des Brainrot, die jüngeren werden sich erinnern. Video von computeranimierten Figuren ohne Texturen mit ungelenken Bewegungen und ohne erkennbare Handlungslogik. Mit Melk kann man Brainrot jetzt auch im Kino sehen, inklusive vertikal rotierendem Fisch. Bitte nicht falsch verstehen: Nur weil die Optik dilettantisch wirkt und Dinge einfach passieren, die wirklich gar keinen Sinn ergeben, heißt es ja nicht, dass der Film als Kunstwerk nicht funktioniert. Brainrot kann auch als konsequente Fortschreibung des Dadaismus gesehen werden.


In Melk erleben wir die spirituelle Reise des Protagonisten Charel, die geprägt ist von Eifersucht und Missgunst. Oder eine Slapstick-Einlage nach der nächsten, wer weiß das schon so genau. In jedem Fall geizt der Film nicht mit Symbolik. Der Fisch, das Zeichen der ersten Christen, gegen den Teufel, symbolisiert durch eine Ziege oder einen umgedrehten Topf mit Zweigen als Hörnern. Gesprochen wird nicht, nur geflötet. Leider geht die unkonventionelle Form nicht mit dem Inhalt einher. Religiöser Eifer ohne Verstand wird stumpf kritisiert und drückt sich in scharfen Waffen aus. So ist die knapp fünfzehnminütige Handlung vorhersehbar, obwohl man in keiner Sekunde genau sagen kann, was in der nächsten passieren wird. So bleibt der Film, trotz aller Versuche edgy zu sein, auf gewisse Weise zu zahm. Vier bis fünf Lacher und eine David Lynch Hommage im Finale bietet Melk aber auch noch, langweilig wird es also nicht. ALEXANDER BÖHLE



»Melk«
Filip Anthonissen

Internationaler Wettbewerb Animationsfilm

Belgien 2026

14 Minuten

Niederländisch

Untertitel: Englisch

Deutsche Premiere



Perfekte Trips und Twists 29.10.2026 18:00 Cinémathèque in der naTo

Perfekte Trips und Twists 31.10.2026 20:30 Passage Kinos Wintergarten

​https://www.dok-leipzig.de/film/melk/programm​


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