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Zu ihren Diensten

»Second Course« von Julie Talon

  Zu ihren Diensten | »Second Course« von Julie Talon  Foto: dok leipzig

»Wenn doch nur diese Gäste nicht wären, der Beruf könnte so schön sein«, beschwert sich einer der Jugendlichen nach seiner Schicht in der Hotelfachschule. Nicht alle seien schlimm, aber manche behandelten das Personal wie ihre Hunde. Daran wird der Konflikt deutlich, der in dieser Branche, aber darüber hinaus auch in fast allen Berufen dafür sorgt, dass viele Menschen den Montag hassen. Menschen wollen arbeiten, aber sie wollen sich nicht ausnutzen lassen, nicht von ihren Mitmenschen und nicht vom Kapital. Der Job bringt für viele tatsächlich einen Sinn im Leben. Sie freuen sich, wenn der Tisch so schön gedeckt aussieht, die Mutter ist stolz, dass der Sohn einen schicken Anzug trägt und sie freuen sich auch, wenn die Gäste zufrieden sind. Logischerweise geht es ja nicht ohne sie.

In »Second Course« sieht man, wie Selbstwirksamkeit funktioniert. Ich tue etwas und es hat Konsequenzen. Mit diesen Konsequenzen muss ich dann umgehen. Um die 16 Jahre alt sind die Jugendlichen in der Hotelfachschule in Frankreich. In einem Alter voller Selbstzweifel und an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Mit Ehrfurcht sprechen sie über die, die einen akademischen Weg eingeschlagen haben. Die wüssten wohl, was sie machen wollen. Nur wenige sind auf der Hotelfachschule, weil sie es wollen. Sie wollen oder müssen Geld verdienen, wissen nicht, was sie sonst machen sollen. Wohl oder übel entwickeln sie sich weiter. Das ist schön zu sehen und ganz ohne dramatische Gesten geht beim Zusehen das Herz auf, wenn dann das Tablett nicht mehr wackelt und alle Gläser heile den Tisch erreichen. Die Ausbilderin ist streng und ohne falsche Herzlichkeit, aber nicht grausam. Sie weiß, worauf es ankommt in dem Beruf. Nur bei einer Sache irrt sie gewaltig: Sie misst den Wert der Arbeit daran, ob die Arbeitskraft gewinnbringend für den Unternehmer eingesetzt wird, das sei alles, was zählt. Der Junge, zu dem sie das sagt, wiegt nur seinen Kopf hin und her und scheint es nicht recht zu glauben. Glücklicherweise verfängt diese Erzählung nicht bei den Jugendlichen. Sie blühen auf in den Praktika und fangen an zu verstehen, dass es nicht das Geld und nicht die Chefs sind, die diesen Job wertvoll machen. Und die Akademiker? Die machen halt ihre Sache, wir machen unsere. Es gibt keinen Konflikt dazwischen. »Second Course« ist definitiv ein Plädoyer dafür, es auch mal im Handwerk oder im Gastgewerbe zu probieren. Wenn nur diese Gäste nicht wären. Aber auch das gehört zur Selbstwirksamkeit, sich davon nicht unterkriegen zu lassen. Und seinen Teil dazu beizutragen, dass wir alle noch ein bisschen besser miteinander umzugehen lernen. ALEXANDER BÖHLE

»Second Course«

À Votre Service

Julie Talon

Young Eyes

Dokumentarfilm

Frankreich 2026

59 Minuten

Französisch

Englische und deutsche Untertitel

30.10.2026 17:00 Uhr CineStar 2

​https://www.dok-leipzig.de/film/second-course/programm​



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