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Kultur

»Es sollte eine Show-Show sein«

Mike Webster und Christian Sepp spielen nach 15 Jahren zum letzten Mal »Websters Pop Quiz« – Zugabe nicht ausgeschlossen

  »Es sollte eine Show-Show sein« | Mike Webster und Christian Sepp spielen nach 15 Jahren zum letzten Mal »Websters Pop Quiz« – Zugabe nicht ausgeschlossen  Foto: Mike Webster

Sie sind die Pop-Instanz in der Ilse. Seit 15 Jahren laden Showmaster Mike Webster und sein treuer Sidekick Christian Sepp zum Pop-Quiz. Nun geben die beiden im November ihr Abschiedskonzert und bestimmt noch mal alles. Denn das Feuer brennt nach wie vor.

Warum geht es jetzt zu Ende? 

MIKE WEBSTER: Wir haben im Laufe der letzten Jahre gemerkt, dass es immer schwieriger wird, neue Fragen zu basteln aus dem Bereich Popkultur. Wir wollen ja solche bringen, die die Leute entertainen, zu denen man auch schöne Bilder oder Videos zeigen kann. Es sollen eben keine stupiden Wissensfragen sein. Und ja, in der unterhaltsamen Richtung ist es in den letzten Jahren immer ruhiger geworden. Man bekommt zwar immer mal Skandale mit, also wenn Kanye West sich wieder rassistisch oder pro Trump oder antisemitisch geäußert hat. Die ganze Xavier-Naidoo-Scheiße genauso. Aber ich will solchen – ich sag mal – Arschgeigen nicht auch noch eine Bühne bieten. Und wir wollen uns auch nicht wiederholen. Wenn ich da an unsere Stammgäste denke: Die haben teilweise Elefantengehirne. 

CHRISTIAN SEPP: Es gibt ja schon so lustige kleine Geschichten wie letztes Jahr Kraftklub, die beim Reeperbahn-Festival an einem Abend zehn Shows mit drei Songs in allen Reeperbahn-Lokalitäten gespielt haben. Das ist natürlich eine witzige Geschichte, aber auch eine krasse Social-Media-Installation, nicht spontan, sondern einfach gut geplant. Und Dinge wie unser Plattencover-Raten: Das ist so ein Aspekt, den die Leute gar nicht mehr richtig wahrnehmen.

WEBSTER: Es werden ja immer weniger physische Alben gekauft und bei den Streamingdiensten wird nur irgendwo klein das Cover angezeigt. Das guckt sich ja nicht mehr wirklich jemand an. 


Als ich das erste Mal bei »Websters Pop Quiz« war, dachte ich: Ich schaue mir das mal an, ohne Ambitionen. Mein Name ist dann natürlich prompt gezogen worden und ich musste auf die Bühne. In der letzten Runde kam eine Frage zum Kuschelrock-Sampler und da war ich raus. Das zeigt doch die Schwierigkeit ganz gut, dass man bei so einem allgemeinen Thema wie Pop-Musik einfach eine riesengroße Bandbreite abdecken muss.

SEPP: Das Quiz findet ja in der Ilse statt, das setzt natürlich schon mal so einen kleinen Rahmen. Das ist einfach der Ort für Indie und Pop. Metal-Fragen haben wir da auch nicht viele gehabt. Es ist schon schwer, eine Balance zu finden, einen Rahmen zu setzen. Sonst wird es halt auch schnell nerdig.


Höre ich da auch ein bisschen Wehmut raus – nach 15 Jahren ist der Abschied sicher nicht leicht, oder? 

WEBSTER: Genau, das war wirklich eine tolle Zeit. Aber spätestens seit Corona, als nicht so viel passierte, habe ich schon auch immer wieder darüber gegrübelt, wie lange wir das noch machen. Wir wollen auch nicht ausschließen, dass wir das punktuell mal wieder machen – zu irgendeinem Jubiläum oder weil wir plötzlich doch wieder eine Menge tolle Fragen angesammelt haben.

SEPP: Wir hatten ja auch mal eine monatliche Frequenz. Da lagen manchmal, wenn es unglücklich lief, nur drei Wochen zwischen den Veranstaltungen. Es ist einfach ein großer Aufwand. Vielleicht wäre viermal im Jahr langfristig besser gewesen … 


Wobei 15 Jahre ja auch nicht kurzfristig sind. Welche Erinnerungen sind nach der Zeit besonders präsent?

WEBSTER: Was ja inzwischen zu so einem Klassiker geworden ist, ist der Konsum von Schnapspralinen – explizit »Edle Tropfen« – während der Show. Wir hatten irgendwann mal vor Ewigkeiten eine Quizfrage, da ging es um Günter Pfitzmann, der ja früher mal Testimonial für »Edle Tropfen« war, und ich hatte selber zu Hause eine Packung rumliegen und hab die einfach aus Jux mitgenommen. Und so hat dann zur nächsten Show immer jemand aus dem Publikum eine Packung »Edle Tropfen« mitgebracht. Seitdem futtern wir immer diese Schnapspralinen und werden das Zeug nicht mehr los.

SEPP: Die erste Show war natürlich auch einfach extrem gut. Wir wollten nicht noch ein Kneipenquiz machen, bei dem man zusammen am Tisch sitzt und gemeinsam Fragen beantwortet. Es sollte einfach eine Show-Show draus werden. Einer unserer Gäste, der nennt sich einfach Hase, ist zum Beispiel seit der ersten Show dabei, ohne Bezug zur Ilse. Der hat das, glaub ich, damals im kreuzer gesehen und ist seitdem einfach immer hingekommen. Das Familiäre unter den Leuten vor und auf der Bühne, die zusammen eine gute Zeit haben, das macht es aus.

WEBSTER: Was für mich natürlich immer noch legendär ist, war die dritte Show im Dezember 2011: An dem Abend davor ist meine erste Tochter Elba auf die Welt gekommen. Wir hatten Backup-Pläne und meine Frau hat damals gesagt: Wenn sie noch nicht auf der Welt ist, macht halt die Show. Und wenn sie schon auf der Welt ist, kannst du mir nachts sowieso nicht helfen – dann machst du die Show halt auch. Die Frage war also nur, was wäre, wenn genau an dem Tag die Geburt ist. Sie ist also einen Tag vorher auf die Welt gekommen, also sind wir auf die Bühne – und dort habe ich gemerkt, dass ich noch komplett mit Endorphinen geflutet war. Und dann hat Sepp was sehr Fatales gemacht: Er hatte jahrelang in der WG einen mit Whisky gefüllten gläsernen Fußballschuh stehen und ihn nun zum feierlichen Anlass mitgebracht. Also habe ich mit allen Kandidaten und Kandidatinnen, die auf die Bühne kamen und Bock hatten, einen Whisky getrunken, und wenn die keinen Bock hatten, dann habe ich den halt alleine getrunken. Ende vom Lied war, dass wir uns tierisch verquatscht haben und natürlich auch immer besoffener wurden im Laufe des Abends. Damals haben wir noch 21 Uhr angefangen, die Show war halb drei oder so zu Ende … Es ist komplett ausgeufert und es saßen am Ende auch nur noch zehn Leuten im Publikum, die am nächsten Tag sonst nichts weiter zu tun hatten. 


Was ist denn bei der letzten Ausgabe zu erwarten? Ein Best-of-Album oder einfach Quizness as usual?
 

SEPP: Das Best-of kommt erst bei der Möbelhauseröffnung. 

WEBSTER: Wir haben uns das schon kurz überlegt, aber wir machen an sich erst mal Quizness as usual, das heißt neue Fragen oder besser gesagt noch schöne alte Fragen, die einfach mal rausgehauen werden müssen. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass das Publikum mit irgendeiner Überraschung um die Ecke kommt. Mit Schnapspralinen ist auf jeden Fall zu rechnen. 


Aber am Ende läuft schon »Niemals geht man so ganz«?

WEBSTER: Eher »Never can say goodbye«, das wäre besser.

SEPP: Solange es noch gute Bandnamen gibt, die man übersetzen kann, und die ein oder andere gute Story abfällt, sind das schon gute Voraussetzungen, um noch mal wiederzukommen.


> Websters Pop Quiz: 3.11., 20 Uhr, Ilses Erika


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