Dokblog 2026

Im Weltraum hört dich niemand murren

»We are Aliens« von Kohei Kadowaki

  Im Weltraum hört dich niemand murren | »We are Aliens« von Kohei Kadowaki  Foto: We are aliens

Gyotaro ist ein Junge wie jeder andere. Wird er gefragt, was er mal werden will, antwortet er, sein Traum sei es, Fußballspieler zu sein. Dass Gyotaro Fußball eigentlich gar nicht so gerne mag, das spielt keine Rolle. Seine beiden Banknachbarn haben schließlich auch geantwortet, sie wollen Fußballspieler werden, und soziale Akzeptanz, die ist ein hohes Gut in der Pubertät. Das sehen alle so. Nur Tsubasa, dem scheint es egal zu sein, was andere von ihm denken. Er wäre lieber Archäologe, ist ziemlich laut, ein bisschen grob und richtig nervig. Als Tsubasa Gyotaro fragt, ob sie Freunde sein wollen, antwortet der aus einer Laune heraus trotzdem mit einem »Ja«. Und schließt ihn in Rekordgeschwindigkeit ins Herz, diesen Raufbold. Die beiden Jungen verbringen jede freie Minute miteinander, lachen so viel und so ausgelassen, dass man beim Zusehen gar nicht anders kann als mitzulachen. 
Irgendwas ist trotzdem komisch. Manchmal macht sein Freund Dinge, die Gyotaro sich nicht so ganz erklären kann, spricht mit Wesen, die gar nicht da sind. Als es dann auch noch zu einem Missverständnis kommt, da geht die fröhliche Grundstimmung, dieses behütete Aufwachsen in »We are Aliens« auf einmal verloren. Die vielen schönen, in warmes Licht getauchten Bilder, die Regisseur Kohei Kadowaki vorher gewählt hat, müssen düstereren Szenen weichen. Stellenweise werden sogar Horrorelemente eingesetzt, die überraschend gruselig sind. Sowieso sind alle Zeichnungen, alle Animationen so detailreich, so liebevoll, dass man immer wieder staunend im Kino sitzt. Und staunen kann man lange, denn der Animationsfilm dauert zwei ganze Stunden. Er nimmt sich ausgiebig Zeit, um die Geschichte der beiden Jungen aus ihren ganz eigenen, sehr unterschiedlichen Perspektiven zu erzählen. Was auf den ersten Blick wie eine kluge Taktik für einige Wendungen wirkt, ist allerdings schnell auserzählt. Spätestens nach der Hälfte zieht sich »We are Aliens«. Der Film macht Exkurse und verläuft sich dabei immer wieder in der eigenen Erzählung, die zunehmend absurder wird. Die vielen Details, die anfangs zu einem möglichst realistischen Porträt zweier heranwachsender Jungen beigetragen und eine ganz besondere Nahbarkeit geschaffen haben, sorgen nun dafür, dass die Geschichte überladen, die Charaktere anstrengend und das Ende forciert wirken. Und damit sind wir dann vielleicht doch alle Aliens, bleiben außen vor und können uns nur wundern, wo unser Raumschiff falsch abgebogen ist. ELLEN DREYER

»We are Aliens« 
Kohei Kadowaki
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm
Japan, Frankreich 2026
117 Minuten
Japanisch
Untertitel:  Englisch
Deutsche Premiere


01.11.2026 20:00 CineStar 5

https://www.dok-leipzig.de/film/we-are-aliens/programm​


Kommentieren


0 Kommentar(e)