Dokblog 2026

Preisträger*innen Dok Leipzig 2026

»Letters from the Silenced Country« von Andrei Kutsila gewinnt Goldene Taube im Internationalen Wettbewerb Dokumentarfilm von DOK Leipzig

  Preisträger*innen Dok Leipzig 2026 | »Letters from the Silenced Country« von Andrei Kutsila gewinnt Goldene Taube im Internationalen Wettbewerb Dokumentarfilm von DOK Leipzig  Foto: Susann Bargas Gomes

Die Preisträger*innen der 69. Ausgabe von DOK Leipzig stehen fest. Die sieben Goldenen und zwei Silbernen Tauben sowie zahlreiche Partnerpreise wurden am Samstag in der Leipziger Schaubühne Lindenfels vergeben. 

Im Internationalen Wettbewerb Dokumentarfilm ging die Goldene Taube Langfilm an Andrei Kutsila für »Letters from the Silenced Country« (Listy | PL, LT, DE). Der Film zeichnet ein erschütterndes Bild der Verbrechen im heutigen Belarus und verwandelt den privaten Briefwechsel politischer Gefangener in ein filmisches Zeugnis. »Durch die packenden, einander abwechselnden Erfahrungen von Männern und Frauen, von denen einige sprechen, andere zeichnen, wieder andere kämpfen, verwandelt der Film Zeugenschaft in Widerstand«, hieß es in der Jurybegründung. Die Goldene Taube ist mit 10.000 Euro dotiert und wird gestiftet vom Mitteldeutschen Rundfunk. Überreicht wurde der Preis durch Boris Lochthofen, Programmdirektion Halle und Leipzig.

Die Goldene Taube Kurzfilm, verbunden mit 3.000 Euro, erhielten Laura Poitras und Rachel Lauren Mueller für »They’re Here« (US). In einem dystopischen Winter in Minneapolis kämpfen die Bewohner*innen gegen die paramilitärischen Übergriffe durch ICE, deren gewaltige Dimension Poitras und Mueller als Horrorfilm sichtbar machen. »Ein drängender und allumfassender Film, meisterhaft gemacht als organischer Teil einer Gemeinschaft, die sich zusammenschließt, um der staatlichen Gewalt, die sich gegen die Schwächsten unserer Gesellschaft richtet, gemeinsam entgegenzutreten, Widerstand zu leisten und sie zur Verantwortung zu ziehen«, so die Jury.

Die Gewinnerfilme der Goldenen Tauben im Internationalen Wettbewerb Dokumentarfilm qualifizieren sich für die Nominierung der jährlich vergebenen ACADEMY AWARDS®, vorausgesetzt sie erfüllen die Vorgaben der Academy.

Die Silberne Taube Langfilm, gestiftet von 3sat für den besten langen Dokumentarfilm eines Regietalents im Nachwuchsbereich, erhielt Asmahan Bkerat für »Concrete Land« (Tiyaha | JO, PS). Aus der Dringlichkeit des Augenblicks heraus entstanden, befasst sich der Film mit dem Alltag einer palästinensischen Beduinenfamilie in Jordanien, während um sie herum Luxusvillen entstehen, die ihr Zuhause bedrohen. »Der Film einer talentierten jungen Filmemacherin, die weiß, wo und wie sie ihre Kamera aufstellen muss, in respektvoller, intimer Entfernung zu ihren Protagonist*innen. Sie lässt uns hinter die Barrieren von Hautfarbe, Klasse und Vorurteil blicken und verstehen, was es bedeutet, wenn man seine Wurzeln unter Zwang aufgeben muss«, hieß es in der Jurybegründung. Natalie Müller-Elmau, Senderchefin bei 3sat, überreichte den mit 6.000 Euro dotierten Preis an die Filmemacherin.

Die mit 1.500 Euro dotierte Silberne Taube Kurzfilm für den besten kurzen Dokumentarfilm eines Regietalents im Nachwuchsbereich, gestiftet von der Sächsischen Landesmedienanstalt (SLM), ging an »in memory of« (BE) von Florinda Ciucio. Zu sehen ist darin eine Hand, die wissend ein Gaza nachzeichnet, das nur noch in der Erinnerung existiert. »Hier wird Zeichnen zum Akt aktiven Widerstands«, so die Jury. Den Preis überreichte Katja Röckel vom Medienrat der SLM.

Über die Preisträger*innen im Internationalen Wettbewerb Dokumentarfilm entschieden Diana El Jeiroudi, Ivan Ramljak und Raul Niño Zambrano.

Im Internationalen Wettbewerb Animationsfilm ging die Goldene Taube Langfilm, dotiert mit 3.000 Euro, an Chris Sullivan für »The Orbit of Minor Satellites« (US, JP). Im Mittelpunkt steht darin eine faszinierende animierte Geschichte über einen Psychiater und seine Patientin, die auf eine verlassene, halluzinatorische Raumstation aus der Zeit des Kalten Krieges entführt. »Der Film bewegt sich fließend zwischen Realität und Imagination und legt eine fragmentierte innere Welt frei, wo Einsamkeit und Verzweiflung neben außerordentlicher Zärtlichkeit existieren«, so die Juror*innen Waltraud Grausgruber, Edmunds Jansons und Matea Radic.

Die Goldene Taube Kurzfilm in Verbindung mit 1.500 Euro erhielt Alexandre Siqueira für »Terminal« (PT, FR, ES). Darin kehrt ein Piratensohn nach jahrelanger Funkstille bluthustend mit einem Koffer voller Geheimnisse und jeder Menge Tattoos zu seiner Mutter zurück. So erzählt der Film von der bedingungslosen Liebe zum erwachsenen Kind. Die Juror*innen lobten die »außerordentliche visuelle Zartheit und poetische Sensibilität«.

Eine Lobende Erwähnung erhielt der Kurzfilm »When the Sea Was Calm« (GE) von Mamuka Tkeshelashvili.

Der Gewinnerfilm der Goldenen Taube Kurzfilm im Internationalen Wettbewerb Animationsfilm qualifiziert sich für die Nominierung der jährlich vergebenen ACADEMY AWARDS®, vorausgesetzt, er erfüllt die Vorgaben der Academy.

Im Deutschen Wettbewerb Dokumentarfilm ging die Goldene Taube Langfilm an »Übergang« (DE) von Peter Badel und Chris Wright. Darin läuft die Kamera auch nach dem Tod eines Menschen weiter. Der Film erweckt Thomas Heises unveröffentlichte Archive und Fragmente seines geplanten, wenn auch nie vollendeten »Heimatfilms« zum Leben. »Die Filmemacher greifen die subjektiven Perspektiven von Thomas Heise auf und komponieren daraus eine filmische Ode über Zeit und Vergänglichkeit«, lobte die Jury. Der Preis ist dotiert mit 10.000 Euro, gespendet von Doris Apell-Kölmel und Michael Kölmel.

Die Goldene Taube Kurzfilm, in Verbindung mit 1.500 Euro, erhielt Rosa Gocht für »Hallo Debus« (DE) über einen Vater, der auf dem Anrufbeantworter des Sohnes Bestellungen aufgibt, der wiederum zu einem Stillleben erstarrt. Überforderung und Ohnmacht münden hier in eine absurde Verwandlung. Der Film »erschafft eine surreale, ironische Bilderwelt für einen Schmerz, der uns allen vertraut ist«, so die Juror*innen David Bernet, Stefanie Eckert und Adele Kohout. 

Eine Lobende Erwähnung erhielt der Kurzfilm »Der Kern« (DE) von Rebecca Zehr.

Mit der Goldenen Taube im Publikumswettbewerb wurde der Dokumentarfilm »Nicole Nicole« (CH, FR) von Lauren Dällenbach ausgezeichnet. Die titelgebende Protagonistin (55), lebt noch bei ihrer Mutter am Genfer See. In der familiären Symbiose stellt sich die Frage nach mehr Eigenständigkeit. Der Film erzählt eine zärtliche Geschichte über Bindung und Emanzipation. Das Leipziger Publikum stimmte im Kinosaal per Voting für den Gewinnerfilm ab. Der Preis ist dotiert mit 3.000 Euro und wird gestiftet von der Leipzig Stiftung.



Die Preisträgerfilme der Goldenen und Silbernen Tauben in der Übersicht:

Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm

Goldene Taube Langfilm: »Letters from the Silenced Country« (R: Andrei Kutsila | PL, LT, DE 2026)

Goldene Taube Kurzfilm: »They’re Here« (R: Laura Poitras, Rachel Lauren Mueller | US 2026)

Silberne Taube Langfilm: »Concrete Land« (R: Asmahan Bkerat | JO, PS 2026)

Silberne Taube Kurzfilm: »in memory of« (R: Florinda Ciucio | BE 2026)  



Internationaler Wettbewerb Animationsfilm

Goldene Taube Langfilm: »The Orbit of Minor Satellites« (R: Chris Sullivan | US, JP 2026)

Goldene Taube Kurzfilm: »Terminal« (R: Alexandre Siqueira | PT, FR, ES 2026)



Deutscher Wettbewerb Dokumentarfilm

Goldene Taube Langfilm: »Übergang« (R: Peter Badel, Chris Wright | DE 2026)

Goldene Taube Kurzfilm: »Hallo Debus« (R: Rosa Gocht | DE 2026)



Publikumswettbewerb

Goldene Taube: »Nicole Nicole« (R: Lauren Dällenbach | CH, FR 2026)



Partnerpreise für Dokumentar- und Animationsfilme aus den Wettbewerben

Bereits am Samstagnachmittag wurden in der Schaubühne Lindenfels zehn Partnerpreise des Festivals verliehen.

Mit dem ver.di-Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness, verbunden mit 2.000 Euro, wurde Jasmine Alakari für »Free Zone« (DE) ausgezeichnet.

Den DEFA-Förderpreis in Verbindung mit 4.000 Euro, gestiftet von der DEFA-Stiftung, erhielt Tete Hoffmann für »Mein genialer Vater« (DE).

Den MDR-Filmpreis in Höhe von 3.000 Euro für einen herausragenden osteuropäischen Dokumentarfilm erhielt Andrei Kutsila für »Letters from the Silenced Country« (Listy | PL, LT, DE).

Der Preis der Interreligiösen Jury, dotiert mit 2.000 Euro, ging an Kamila Serwicka für »Blossoming« (A teraz wiosna | PL). Der Preis wird gestiftet vom Hotel Michaelis (VCH-Hotels) in Leipzig sowie dem Interreligiösen Runden Tisch und dem Oratorium Leipzig. Die Jury sprach zudem eine Lobende Erwähnung an Helena Třeštíková für »Bára – Diary of a Rockstar« (Bára Basiková | CZ) aus.

Mit dem Young Eyes Film Award wurde »Moving Sisters« (GR) von Christos Stefanou ausgezeichnet. Der Preis ist dotiert mit 2.000 Euro, wird gestiftet von der Europäischen Stiftung der Rahn Dittrich Group für Bildung und Kultur und vergeben von der Jugendjury des LFD - Fachstelle für Medien und Bildung

Mit dem Preis der Internationalen Filmkritik (FIPRESCI Preis) wurde »Auber 89« (FR, IT) von Giuseppe Schillaci geehrt.

Den mephisto 97.6 Preis erhielt der kurze Animationsfilm »When the Sea Was Calm« (GE) von Mamuka Tkeshelashvili.

Die Jury aus Strafgefangenen der Jugendstrafvollzugsanstalt Regis-Breitingen vergab den Preis Gedanken-Aufschluss an »Haus der Trinker« (DE) von Janis Westphal.

Den film.land.sachsen-Preis für Filmkultur im ländlichen Raum, verliehen in Kooperation mit dem Filmverband Sachsen e. V., erhielt Dieter Schumann für »Garten der Hoffnung« (DE). 

Der Filmpreis Leipziger Ring ehrt einen hervorragenden Dokumentarfilm über Menschenrechte, Demokratie oder bürgerschaftliches Engagement, wird gestiftet von der Stiftung Friedliche Revolution und ist versehen mit einem Preisgeld von 2.500 Euro. Der Preis wurde am Samstagmittag in den Passage Kinos (Filmeck) an Barbara Kopple für »Union Town« (US) vergeben.

Im Rahmen der Branchenplattform DOK Industry wurden 14 Preise bereits in der Festivalwoche verliehen (siehe Pressemitteilung vom 29.10.).

Insgesamt wurden bei DOK Leipzig 33 Preise vergeben. Bei der 69. Festivalausgabe waren 217 Filme und Extended-Reality-Arbeiten aus 61 Ländern in den Leipziger Spielstätten zu sehen.


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