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Boards of Canada

Boards of Canada

Inferno

Inferno

Ja, das Wunder ist geschehen: Boards of Canada veröffentlichen nach »Tomorrow’s Harvest« von 2013 erstmals neues eigenes Material. Die treuen und dürstenden Fans können ihr Glück kaum fassen und sehnen »Inferno« als prophetisches Geschenk herbei. Im Netz wird verstorbener Freundinnen, Freunde und Familienmitglieder gedacht, die das neue Album nicht mehr erleben. Menschen, die einzig die Hingabe zur Band verbindet, teilen zutiefst persönliche Geschichten miteinander. Musik als kollektive Erfahrung und Katalysator zum Austausch. Das Miteinander bildet die Antithese zum apokalyptischen Albumtitel und tut der geschundenen 2026er-Seele gut. Und die Musik? Boards of Canada bieten auf »Inferno« 70 Minuten ihres bekannten Stils – nicht weniger, aber auch nicht mehr. Ihre vielschichtigen Drum-Synth-Collagen und die mehr oder minder kryptischen Sprachsamples sind reichlich vorhanden. Gerade die Letzteren sind aber häufig zu ausladend und zu bestimmend für die Songs, wodurch Titel wie »The Word becomes Flesh« oder »Father and Son« bei mehrmaligem Hören an Reiz verlieren. Überraschend ist die Beschaffenheit der Produktion: Sie kommt satter, glatter und digitaler daher, hebt sich dadurch irritierend von der verrauschten analogen Patina der bisherigen Diskografie ab. Eindrückliche Momente schafft das Album vor allem in seinen reduzierten Momenten: am Ende von »Age of Capricorn« etwa oder in »Memory Death«. Das bewegende Miteinander der Fans rund um das Album hallt länger nach als die Musik selbst und macht kurz Hoffnung, dass das Inferno noch etwas auf sich warten lassen möge. Jakob Semmer


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