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Janice P. Nimura

Janice P. Nimura

Die Blackwell-Schwestern. Wie die ersten Ärztinnen der USA die Frauen in die Medizin brachten. Aus dem amerikanischen Englisch von Katrin Harlaß. München: Nagel & Kimche 2021. 463 S., 26 €

Janice P. Nimura.

Heute erinnert in Manhattan nur eine kleine Gedenktafel an die Sensation, die sich dort 1857 ereignete: Elizabeth und Emily Blackwell eröffneten das erste von Frauen geleitete und ausschließlich mit weiblichem Personal besetzte Krankenhaus für Frauen. Elizabeth hatte 1849 als erste Frau in den USA den Abschluss in Medizin erhalten, Emily es ihr 1854 gleichgetan. Janice P. Nimura zeichnet die Lebenswege der Schwestern en détail nach. Sie zeigt, mit welchen Widrigkeiten beruflich ambitionierte Frauen im 19. Jahrhundert konfrontiert waren, erlaubt Einblicke in das medizinische Establishment und macht daraus spannende Lektüre. In einer chronologischen Nacherzählung, ergänzt durch Briefe, arbeitet Nimura die Überzeugungen und Ängste der Vorreiterinnen heraus. Heraus sticht die Erkenntnis, dass die Blackwell-Schwestern keineswegs daran interessiert waren, die Frauenbewegung als solche voranzubringen. Es ging ihnen nicht um Gleichberechtigung. Für Elizabeth war Medizin eher Mittel zum Zweck. Sie glaubte, dass jedes menschliche Wesen danach streben sollte, nach seinen Möglichkeiten den besten Dienst an Gott zu tun. Als Hausweibchen hinter dem eigenen intellektuellen Potenzial zurückzubleiben, kam also für sie nicht in Frage. Ebenso wenig der Besuch eines Frauencolleges. Die Schwestern setzten sich unermüdlich dafür ein, dass Frauen eine ebenso fundierte medizinische Ausbildung zuteilwerden konnte wie Männern. Durch ihren lebenslangen Einsatz wurden sie von ambitionierten jungen Frauen zu öffentlichen Personen, die bedeutenden Anteil daran hatten, dass der Bereich der medizinischen Ausbildung für Frauen weitgehend geöffnet wurde. Nele Thiemann


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