B/SWE 2024, R: Leonardo Van Dijl, D: Tessa Van den Broeck, Ruth Becquart, Koen De Bouw, 97 min
Sich als Mädchen durch die Pubertät zu navigieren, ist nicht leicht. All die neuen Eindrücke und Erlebnisse, die zum Erwachsenwerden dazugehören, können einen ganz schön verwirren. Vor allem, weil es noch keine Erfahrungswerte gibt, um Erlebtes einzuordnen. Für Julie gibt es in diesem Chaos zwei feste Anker: Die Schule und das Tennisspielen. Hier wie da ist sie überdurchschnittlich gut. Doch als sich eine junge Spielerin aus dem Tennisverein das Leben nimmt, gerät Julies Konzentration ins Wanken. Denn plötzlich steht der Trainer des Mädchens im Mittelpunkt einer internen Ermittlung. Der Trainer, der auch Julie unterrichtet hat, und von dem alle wissen, dass er sie immer bevorzugt behandelte. In dieser Situation nimmt die Kamera die Perspektive von Julies Umfeld ein: beobachtend, aufmerksam für die Stimmungen der jungen Frau. Aber auch abwartend, ohne die Frage jemals direkt zu stellen, die im Raum steht. Und Julie hat beschlossen, sich nicht weiter zu äußern. »Julie bleibt still« ist ein langsam erzählter Film, der sich behutsam mit den möglichen Auswirkungen von psychischer und physischer Gewalt auseinandersetzt, ohne sie unmittelbar in den Fokus zu nehmen. Das gelingt eindrücklich, aber genauso wie auf ein Zeichen von Julie zu warten, ist es auch zermürbend. Denn manchmal muss man erst die Gedanken sortieren, bis man die richtigen Worte für Unaussprechliches findet.