anzeige
anzeige
Spaziergang nach Syrakus

Spaziergang nach Syrakus

D 2026, R: Lars Jessen, D: Charly Hübner, Lina Beckmann, Thorsten Merten, 97 min

Sizilien sehen und sterben: Paul Gompitz sehnt sich nach Italien. Eigentlich nach der Welt insgesamt, nach Unabhängigkeit und Horizonterweiterung. Italien ist für ihn das Symbol dafür, wie für die Italienfahrenden vergangener Jahrhunderte. Das Problem: Gompitz wohnt in der DDR, seine Heldenreise ist also eine traurig-trotzige. Denn natürlich lassen ihn die Behörden nicht die Bildungsfahrt antreten, auch wenn er verspricht, wiederzukommen. Über viele Jahre plant er also seine Flucht, um die Italientour antreten zu können. Er sammelt als Kellner auf Hiddensee erworbenes Westgeld, lernt segeln – und verschweigt das seiner Frau. Irgendwann bricht er auf. Basierend auf der Erzählung von Friedrich Christian Delius, die wiederum zwei historische Vorbilder hat, realisierte Lars Jessen (»Mittagsstunde«) den Film. Dieser besticht bereits durch den Hauptdarsteller und die Hauptdarstellerin: Charly Hübner spielt den italiensüchtigen Gompitz, Lina Beckmann seine Frau Anne. Fantastisch ist der Umgang der beiden miteinander – man spürt, dass sie sich sehr gut kennen. Kleinste Nuancen in der Mimik, im Blick, drücken das aus. Das Filmtempo ist gelassen, fast spröde wird erzählt. Und doch ergreift das Publikum eine Wärme, wenn es einen Menschen dabei begleitet, Mensch zu sein und seinem Willen zu folgen. Zugleich versprüht der Film die Melancholie des Loslassens. Ohne Kitsch und Klischee schildert er auch DDR-Verhältnisse, um dann zur universelleren Reflexion übers Gehen oder Bleiben und die Sehnsucht nach Welt zu werden. Tobias Prüwer


Weitere Empfehlungen