anzeige
anzeige
Thomas Kunst

Thomas Kunst

Masleboi. Berlin: Suhrkamp 2026. 223 S., 25 €

Thomas Kunst.

Laut SWR ist Thomas Kunst ein Unikum in der deutschsprachigen Literaturlandschaft. Seine Lyrik und seine Romane, die er selbst als »explodierende Großgedichte« bezeichnet, düngen seit vielen Jahren die Gegenwartsliteratur. In Kritikerkreisen ist Kunst eine große Nummer, größere Leserkreise hat der knuffige Wüterich mit seiner Arbeit noch nicht erschlossen. Nun erschien sein neuer Roman »Masleboi«, der uns auf 223 Seiten vermutlich nach Mexiko entführt. Dort lebt Herr Masleboi, Sammler von (unter anderem) Konservenbüchsen und großer Freund der Konservenbüchsenkost. Mal schaut er von seiner Villa aufs Meer, mal tanzt er beim Stralsunder Abiball, mal bedrückt ihn der Schiffsfriedhof in North Carolina als bittere Metapher der schrecklichsten aller Welten. Immer dabei das geliebte Pinguinmädchen, alias seine Katze Wü, die wir aus Kunsts gleichnamigem letzten Gedichtband kennen: »In einem Krieg würde ich meiner Katze ein Geschirr anlegen.« Masleboi denkt oft und gern an seine Masahlena, die ihm Lebens=Komplizin ist. Denn es gibt viel zu berichten, von deutschen U-Booten und auch der Fritz Heckert, dem einstigen Urlauberschiff des FDGB. Und mit der hässlichen Gegenwart ist auch nicht zu spaßen: »Alle fünf, sechs Tage wurde die Überdecke des Ozeans hin zum Horizont verschoben.« Es herrscht buntes Treiben in Südamerika, in satten Farben tauchen wir ein in Kunstens anspielungsreiche Sprachgewitter und Wortkapriolen. Eine feinnervige Suade in Fetzen und Farben. Gelegentlich geraten wir in ostdeutsche Gefilde, dem Pinguinmädchen ist das egal, es lernt, sich im Garten der Villa ohne Geschirr zu bewegen. Frank Willmann


Weitere Empfehlungen