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»Och, hab keine Lust«

»Requiem«-Schauspielerin Sandra Hüller über ihre Rolle einer überforderten Mutter im Kinofilm »Madonnen«

Für ihr Kinodebüt »Requiem« heimste die 29-jährige Schauspielerin gleich die wichtigsten deutschen Kinopreise ein: Silbernen Bären und Deutschen Filmpreis. Nun kehrt Sandra Hüller mit »Madonnen« zurück auf die Leinwand. Sie spielt eine kleinkriminelle fünffache Mutter namens Rita, die selbst noch ein Kind ist und an ihrer Mutterrolle zu scheitern droht.

Für ihr Kinodebüt »Requiem« heimste die 29-jährige Schauspielerin gleich die wichtigsten deutschen Kinopreise ein: Silbernen Bären und Deutschen Filmpreis. Nun kehrt Sandra Hüller mit »Madonnen« zurück auf die Leinwand. Sie spielt eine kleinkriminelle fünffache Mutter namens Rita, die selbst noch ein Kind ist und an ihrer Mutterrolle zu scheitern droht.

KREUZER: Ist Rita eine Rabenmutter?
SANDRA HÜLLER: Nein. Ich habe sie gespielt. Dann muss ich sie auch mögen. Es gibt einen Grund, warum sie mit ihren Kindern so umgeht. Sie hat es in ihrer Kindheit selbst schon alles erlebt. Letztendlich geben wir alle nur das weiter, was wir selbst gelernt haben. Trotzdem glaube ich, dass jeder im Leben eine Wahl hat – oder ich möchte es zumindest glauben. Rita weiß das einfach nicht. Sie wählt immer die Sachen, die für sie am einfachsten sind oder die sie kennt: Sie lässt ihre Kinder zurück oder begeht irgendeine kriminelle Handlung und kommt dafür in den Knast, statt mit ihren Kindern in Ruhe Abendbrot zu essen.

Rita mit ihren vier von fünf Kindern

KREUZER: Wird sich ihr Schicksal bei der ältesten Tochter wiederholen?
HÜLLER: Das glaube ich nicht. Fanny durchschaut schon in jungen Jahren, was in ihrem Umfeld, mit ihrer Mutter und ihr selbst passiert. Sie erkennt die Zusammenhänge. Für mich ist sie eine hoffnungsvolle Figur. Sie hat die Möglichkeit, alles anders zu machen, wenn sie groß ist.

KREUZER: Was hat Sie an der Rolle der Rita gereizt?
HÜLLER: Rita hat eine unglaubliche Kraft, weil sie einfach immer alles hinter sich lässt, mit dem sie nicht umgehen kann. Das wünscht sich jeder ab und zu. Dass er sagen könnte: Och, ich hab jetzt keine Lust mehr, ich geh jetzt einfach weg. Rita macht das eben. Das finde ich sehr interessant.

KREUZER: Ist Rita eine Heldin?
HÜLLER: Sie gibt sich mit den Verhältnissen, in denen sie lebt, nicht zufrieden. Sie ist immer jemand, der kämpft und über Grenzen hinausgeht und sich nicht unterkriegen lässt. Andererseits ist sie auch jemand, der dafür bestimmte Verluste in Kauf nimmt. Sie bleibt zwiespältig.

ab 13.12., Cinémathèque in der naTo
Uhrzeiten: http://www.kreuzer-leipzig.de/film
Film

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