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»Bei Anzeigen spielen ästhetische Maßstäbe keine Rolle«

Zu einem Leserbrief von Daniela

An dieser Stelle beantworten KREUZER-Redakteure ausgewählte Leserbriefe. Aktuell reagiert Geschäftsführer Egbert Pietsch auf Kritik an einer Anzeige im Februarheft.

»KZ-Model / Rauchverbot«

Hallo KREUZER-Team,

was hat euch denn geritten, die Anzeige mit dem magersüchtigen Model von der Galerie Mangold abzudrucken? Ich finde das Mädchen sehr abstoßend, und der Anblick schockiert mich. Sie sieht so was von krank aus. Warum unterstützt ihr diesen ungesunden Mager-Trend?

Ungesund ist aber ohnehin anscheinend gerade »in«. Das böse, böse Rauchverbot. Könnt ihr euch vorstellen, dass alle meine Bekannten Nichtraucher sind und wir uns sehr auf rauchfreie Kneipenabende freuen? Ich finde die Berichterstattung zum Thema zu einseitig.

Über etwas mehr Gesundheitsbewusstsein freut sich also

Daniela

Liebe Daniela!

Danke für Deine Lesermail.

Grundsätzlich gilt, dass für den Inhalt von Anzeigen, und um eine solche handelt es sich hier, der Inserent verantwortlich ist. Nun mag man über die Ästhetik der abgebildeten Dame unterschiedlicher Meinung sein, aber es ist mindestens umstritten, ob dieses Bild abstoßend genannt werden kann. Ich zum Beispiel empfinde es keineswegs als »sowas von krank«. Aber wir sind ein freies Land, und jeder soll seine Meinung nicht nur haben, sondern auch äußern dürfen. Insofern veröffentlichen wir gern Deine Kritik und nehmen Stellung dazu.

Der KREUZER jedenfalls wird Anzeigen solchen Inhalts grundsätzlich drucken, weil er damit den wesentlichen Teil seiner Einahmen erzielt. Nur so können wir unsere Unabhängigkeit in politischer wie wirtschaftlicher Hinsicht erhalten. Allein Anzeigen verfassungsfeindlicher Organisationen würden wir ablehnen. Und so lange uns nicht nachgewiesen wird, dass das Model zum Hungern gezwungen wurde, wüsste ich nicht, warum wir ein solches Motiv ablehnen sollten. Ästhetische Maßstäbe spielen hier jedenfalls keine Rolle.

Zugespitzt gesagt: Wir drucken auch gern hässliche Anzeigen, solange sie bezahlt werden. Im übrigen finde ich Deine Bezeichnung »KZ-Model« hier wirklich unpassend.

Mit freundlichen Grüßen!

Egbert Pietsch
Geschäftsführung


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