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Verpatzter Bootsausflug

Viele Veranstaltungen der ISW waren sehr gut besucht, bei einigen fehlten aber die Organisatoren

Sicher haben einige die ISW – die Internationale Studentische Woche – in der vergangenen Woche mitbekommen. Letzten Montag schrieb ich eine Ankündigung zu den vielfältigen Veranstaltungen der ISW für kreuzer online und stolperte über den Programmpunkt: »Internationale Bootsfahrt durch den industriellen Wandel Leipzigs«.

Sicher haben einige die ISW – die Internationale Studentische Woche – in der vergangenen Woche mitbekommen. Letzten Montag schrieb ich eine Ankündigung zu den vielfältigen Veranstaltungen der ISW für kreuzer online und stolperte über den Programmpunkt: »Internationale Bootsfahrt durch den industriellen Wandel Leipzigs«. Super!, dachte ich, das ist was für mich und zog am Sonntagnachmittag um 14.30 Uhr zum Treffpunkt am Bootshaus im Klingerweg 2.
Binnen einer Viertelstunde wuchs die Gruppe der mit mir Wartenden auf 35 Personen an. Doch von dem Veranstalter war keine Spur. Im Programmheftchen der ISW war der Akademische Börsenverein angegeben. Vielleicht ein Druckfehler? Kurz vor 3 Uhr drängelten sich die Studis bereits vor dem Steg zu dem Mannschaftsboot, das gerade hergerichtet wurde, in der Erwartung, es handle sich hierbei um jenes Gefährt, das die wartenden Tourgäste aufnimmt. Der Bootsmann kam an Land und rief: »14 Uhr 50 Familie Schumann?!«

Betretendes Schweigen, verwirrtes Kopfdrehen und »Häh«-Rufe. Passend zur Situation, fing es auch noch an zu regnen. Was ist das denn für eine Nummer hier? Keine Familie Schumann und weit und breit niemand, der sich der Studentengruppe annahm. Endlich die Frage von dem mittlerweile ebenso irritierten Bootsmann: »Wer sind Sie denn?«
Na, die und die, wir wollen hier die Bootstour machen. Sehen Sie, hier das Programmheft der ISW.
»ISW? Akademischer … was? Börsenverein? Nein, um 15 Uhr wurde bei uns keine Bootstour angemeldet.
Zu guter Letzt bot uns Bootsmann Otto Dietrich an, für 4,50 statt 9 Euro pro Person durch die Weiße Elster und den Karl-Heine-Kanal zu schippern. Den Umsatz konnte er sich nicht entgehen lassen und über die ans Wasser angrenzenden Industriebauten erzählt er ohnehin den ganzen Tag.

Außer mir entschieden sich noch 20 weitere Leute, die Tour nun aus eigener Tasche zu bezahlen. Auf dem Boot »Sturmvogel« saß mir die Kolumbianerin Marcella gegenüber. Ungläubig schüttelte sie den Kopf und meinte, dass Katrin vom Akademischen Auslandsdienst ihr noch versichert hatte, zwei Leute hätten diesen Ausflug organisiert. Trotz der Pleiten und Pannen seitens der Organisatoren erfuhren wir bei Kaffee und Brause an Bord des »Sturmvogels« vom Bootsführer Dietrich, die Geschichte von Leipzig und was sich in Plagwitz am Ende des 19. Jahrhunderts zugetragen hat. Wie die Stadt durch den unerschütterlichen Dr. Karl Heine aus dem Sumpf gestampft wurde und zur Industriemetropole emporstieg.

Als ich am späteren Nachmittag am afrikanischen Kinderfest der ISW im Clara-Park vorbeiradelte, traf ich auf amüsierte Kinder und zufriedene Eltern. Andere Programmpunkte der ISW scheinen besser zu laufen. Aber auch der halb verpatzte Bootsausflug kam mir nun nicht mehr so tragisch vor. Diesen ominösen Akademischen Börsenverein allerdings wollte ich mir trotzdem vorknöpfen. Telefonisch habe ich noch niemanden erreicht, wenn nichts hilft, fahr ich einfach in der Marschnerstraße vorbei.


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