Startseite / Kultur / Gut aufgelegt

Gut aufgelegt

Die Musik-Rezensionen der Woche

Jede Woche stellt die kreuzer-Musikredaktion neue Musik vor – zum Hören, Tanzen, Schwelgen, Spazieren, Joggen, Arbeiten und mehr. In dieser Woche mit: Daniel Stefanik, »bip-hop generation vol. 9«, »Famous When Dead 6«, Extrawelt, Gotan Project

Jede Woche stellt die kreuzer-Musikredaktion neue Musik vor – zum Hören, Tanzen, Schwelgen, Spazieren, Joggen, Arbeiten und mehr. In dieser Woche mit:


Daniel Stefanik – »Reactivity«

Daniel Stefanik – »Reactivity« (Statik Entertainment)

Seit einigen Wochen ist es draußen, das erste Daniel Stefanik-Album. Und es hätte tatsächlich so kurz vor Jahresende die Chance auf einen vorderen Platz in der Rubrik »Bestes elektronisches Album« zu gelangen. Denn »Reactivity« entfaltet derart gekonnt verschiedene Nuancen, die jedoch alle unter einem warmen Dub-Mantel zusammen gehalten werden. Zwischen Dub-Techno und Electronica lassen sich die acht Tracks grob verorten. Der Basic Channel-Einfluss ist einigen Stücken dabei nicht abzusprechen. Dennoch entsteht nie das Gefühl, dass sich hier ein Fan an dem Sound seiner Helden abarbeitet. Die abgefederten Beats sind immer tief mit deepen Dub-Sounds verwoben. »Reactivity« ist nur bedingt ein Club-Album, dafür ist es umso charaktervoller. Oder anders gesagt: es ist das Album, das zeigt, dass Techno und House nicht ausschließlich auf den Party-Aspekt ausgerichtet sein müssen.Jens Wollweber

V. A. »Famous When Dead 6«

V. A. »Famous When Dead 6« (Playhouse) & V. A. »bip-hop generation vol. 9« (Bib-Hop)

Zwei Compilation-Reihen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: einmal vom Offenbacher Label Playhouse und von Bip-Hop aus Marseille. House versus Electronica-Freistil könnte man die Gegenüberstellung überschreiben. Was beide eint ist die Kontinuität und Qualität, die mit der jeweiligen Compilation-Reihe verbunden ist. Während »Famous When Dead« den Nicht-Vinyl-Käufern von Playhouse die Möglichkeit gibt, das musikalische Profil des Labels auf CD zu verfolgen, bietet »bip-hop generation« exklusive Stücke von Künstlern, die einen ähnlichen musikalischen Ansatz wie das Label verfolgen. Auf der neunten Ausgabe sind dies durch bekannte Namen: Kammerflimmer Kollektief, Hauschka oder Spaceheads. Einen echten Mehrwert bietet die Compilation indem von den meisten Künstlern mehr als ein Stück enthalten ist und indem sie mit ein paar Zeilen im Booklet auch vorgestellt werden. So wünscht man sich eine Compilation.
»Famous When Dead 6« besticht wiederum durch seine Konzentration auf die Hits des letzten Playhouse-Jahres. Wer das nicht immer begleitet hat, wird noch einmal in dem vagen Gefühl bestätigt, das Playhouse eines der eigensinnigsten und spannendsten deutschen House-Labels ist. Jens Wollweber

Extrawelt – »Schöne Neue Extrawelt«

Extrawelt – »Schöne Neue Extrawelt« (Cocoon Recordings)

Mit Cocoon werde ich einfach nicht warm. Sven Väth spielt in einer eigenen Liga, Cocoon letztendlich auch. Dieser ungebrochene, stark geglättete Rave-Appell, der bei fast allen Platten mitschwingt, zieht einen zwar schnell mal mit, doch wirklich viel lässt sich daraus nicht ziehen. Beim Debüt-Album des Hamburger Duos Extrawelt hält sich dies allerdings die Waage. Zwar ist der Sound vieler Tracks auch ordentlich auf Rave gebürstet, doch die Art, wie Extrawelt einen Oldschool-Techno-Vibe mit dem verbindet, was derzeit in den Clubs funktioniert, hat doch ein paar sehr schöne Tracks hervorgebracht. Erstaunlich ist auch, wie viele verschiedene Facetten das Album hat. Laut Info-Text war dies so gewollt: es sollten quasi alle wichtigen Strömungen der elektronischen Musik aus den letzten fünfzehn Jahren aufgegriffen werden. Das klingt überambitioniert. Und leider ist es das auch immer wieder. Irgendwie passen Extrawelt zu Cocoon, irgendwie auch nicht. Jens Wollweber


Gotan Project – »Live«

Gotan Project – »Live« (Ya Basta)

Wer braucht eigentlich Live-Alben? Der Weihnachtsmann? Damit er ein gutes Geschenk für alle Daheimgebliebenen und alle Dabeigewesenen verteilen kann? Hier sind zwei CDs mit dem Gotan Project live in concert, in schöner Papp-Verpackung. Damit kann eigentlich nichts schief gehen. Überhaupt kann mit dem Gotan Project nichts schief gehen. In vielen Kreisen ist das Pariser Trio Konsens. Nicht zu Unrecht, die Mischung aus traditioneller Tango-Instrumentierung und elektronischem Programming hat durchaus ihren Reiz. Und auch der Live-Moment scheint sehr authentisch eingefangen zu sein. Man hört das Publikum klatschen und der Sound ist typisch live, ohne blechern zu klingen. Dennoch bleibt das Grundproblem: Album ist Album, Konzert ist Konzert. Vor einer Bühne die Band zu erleben wird einfach immer etwas anderes sein, als ein Konzert beim Abendbrot oder beim Abwaschen zu hören. Jens Wollweber


Musik

Anzeige

Kommentieren

Dein Kommentar

Kommentare sind deaktiviert.