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Schwuler Hoffnungsträger

Berlinale 2009: Im »Panorama« begeistert Sean Penn als homosexueller Bürgerrechtler in Gus Van Sants »Milk«

Noch in der Bundesrepublik der frühen 1970er Jahre setzte der Paragraf 175 Schwule und Lesben der Strafverfolgung aus – bis er in den Neunzigern endgültig abgeschafft wurde. Erst 1978 konnte in San Francisco der landesweit erste bekennende Homosexuelle sein Amt als Abgeordneter im Stadtrat antreten – bis er im selben Jahr erschossen wurde. Sein Name: Harvey Milk. Eine Lebensgeschichte, der sich auf virtuose Weise nun Meisterregisseur Gus Van Sant angenommen hat.

Noch in der Bundesrepublik der frühen 1970er Jahre setzte der Paragraf 175 Schwule und Lesben der Strafverfolgung aus – bis er in den Neunzigern endgültig abgeschafft wurde. Erst 1978 konnte in San Francisco der landesweit erste bekennende Homosexuelle sein Amt als Abgeordneter im Stadtrat antreten – bis er im selben Jahr erschossen wurde. Sein Name: Harvey Milk. Eine Lebensgeschichte, der sich auf virtuose Weise nun Meisterregisseur Gus Van Sant angenommen hat.

Aus New York kommend eröffnet Milk 1973 mit seinem Lebenspartner im Arbeiterviertel Castro einen kleinen Fotoladen. »Castros Camera« wird zum Treffpunkt und zur Nachrichtenbörse und Milk zum politischen Fürsprecher der Interessen der kleinen Leute. Er mobilisiert Menschen, um gegen Diskriminierung auf die Straße gehen, und bestreitet mit großer Unterstützung schließlich drei Wahlkämpfe für den Stadtrat. Währenddessen gehen zwei Beziehungen in die Brüche.

Drehbuchautor Dustin Lance Black ließ sich vom oscarprämierten Dokfilm »The Times of Harvey Milk« von 1984 inspirieren und brachte das Kunststück fertig, eine zwischen politischer und privater Sphäre ausbalancierte Geschichte zu entwerfen, die nicht dem üblichen Schema einer Nummernshow historischer Ereignisse verfällt.

Gus Van Sant bestreitet mit berührenden Darstellerleistungen, allen voran von Sean Penn als Harvey Milk, den schmalen Grat zwischen der Freude am tänzelndem Gang und der Falle des Klischees. Er schafft fließende Übergänge von Archivaufnahmen zu inszeniertem Zeitkolorit und transportiert durch zahlreiche Gruppenszenen das überwältigende Gefühl des Aufbruchs. Es scheint, wolle Van Sant nicht bloß ein beflügelnd-lebendiges Porträt kreieren, sondern das Politische als Teil queerer Identität zurückerobern.


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