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Jede Woche stellt die kreuzer-Musikredaktion neue Musik vor – zum Hören, Tanzen, Schwelgen, Spazieren, Joggen, Arbeiten und mehr. In dieser Woche mit: Lily Allen, Alva Noto und Situation Leclerq

Jede Woche stellt die kreuzer-Musikredaktion neue Musik vor – zum Hören, Tanzen, Schwelgen, Spazieren, Joggen, Arbeiten und mehr. In dieser Woche mit: Lily Allen, Alva Noto und Situation Leclerq


Lily Allen – »It’s not me, it’s you«

Lily Allen – »It’s not me, it’s you« (EMI)

Ein Album wie ein gutes Bonbon: zuckersüß und mit einem Kern, den man nicht vermutet hat. Beim ersten Hören kommt nämlich noch der Verdacht auf, Fräulein Allen singe weiterhin nur über schlichte Alltagsthemen, wie das Take-Away-Gericht zu zweit vor dem Fernseher zu essen, dem Partyfeiern oder über Drogen, die eh jeder nehme. Das wäre ja schon genug für ein Popalbum, wenn es dazu auch noch so gut klingt wie »It’s not me, it’s you«.
Doch genau wie richtig leckere Bonbons, verstecken die Songs das Besondere im Kern. Was bei beiläufigem Hören nicht auffällt, textlich geht es richtig zur Sache: Die junge Britin teilt bissig aus. Da kriegen unverbesserliche Typen, Rassisten oder Leute, die andere wegen ihres Alters diskriminieren, eine Abreibung. Längst wippt man zu den fluffigen Takten von »It’s not fair«, bevor auffällt, welch witzig-fiesen Text diese niedliche Melodie verschleiert: Das geringe Standvermögen des Partners, der doch eigentlich so perfekt sei, wird bemängelt. Warum schafft er bloß es nicht, die Erzählerin zum Schreien zu bringen?! Genaues Hinhören macht das Album also sehr unterhaltsam. Schon die Single »The Fear« zeigt in perfekter Weise, warum Lily Allen eben keine Myspace-Eintagsfliege ist. Schließlich macht sie das Beste, was ein Popsternchen machen kann, von dem die Skandalpresse täglich erwartet, dass ihm wieder mal eine Brust aus dem Shirt rutscht: Sie singt darüber. »I’ll take my clothes off an it will be shameless / ’Cuz everyone knows that’s how you get famous«. Ironisch begegnet Lily Allen den Leuten, die schon lange auf ihren Fall warten und zeigt ihnen, dass sie noch immer da ist – am Pophimmel. Nicht sie ist das Problem, die Medien sind es: »It’s not me, it’s you«. Lässt man all die hintergründige Ironie und die lustigen Texte außen vor, dann ist das Album noch immer perfekte Popmusik – sauber produziert, tanzbar und einprägsam. Mehr von solcher Musik im Radio wäre der Ausweg aus dem Sumpf der »besten Songs der 80er, 90er und dem besten von heute«. Das erste leckere Popbonbon 2009 ist da.
Holger Günther

Alva Noto – »Xerrox Vol.2«

Alva Noto – »Xerrox Vol.2« (Raster-Noton)

Xerrox ist die aktuelle Serie des Chemnitzer Labels Raster-Noton, die insgesamt fünf Veröffentlichungen von Carsten Nicolai alias Alva Noto featuren wird. Nummer 2 ist bereits vor einem Monat erschienen. Mit einem eigens entwickelten Sampler werden – wie auch bei den anderen Ausgaben – Elemente von Werbe-, Film- und Kaufhausmusik kopiert, verfremdet und zu einem neuen Original geformt. Klar, das ist typisch für Sampling-Methoden, allerdings wird sich selten so konzeptionell mit der Frage nach Original und Kopie auseinandergesetzt. Die Grenzen zwischen Kunst und Klangforschung sind bei Alva Noto seit jeher fließend. Dennoch ist »Xerrox Vol.2« auch ganz unprätentiös als Electronica-Album zu verstehen, das während der letzten US-Tour entstand. Im Gegensatz zu der ersten Ausgabe sind die elf Stücke musikalischer und zugänglicher. Bis auf einen höchst dissonanten Ausflug, bestimmen langsam schwebende Sounds das Album. In ihrer hymnisch aufgeladenen Ästhetik erinnern sie teilweise an Wolfgangs Voigts Projekt »Gas«. Mal sehen, welche Nuancen Alva Noto in den drei folgenden Teilen betonen wird.
Jens Wollweber


Situation Leclerq – »Glaxø«

Situation Leclerq – »Glaxø« (Alison Records/Cargo)

Lasst uns tanzen! Die Musik dazu liefert Situation Leclerq. Die vier Musiker wollen uns mit ihrem ersten Album »Glaxø« dazu verführen, ausschweifende Bewegungen im Discokugellicht zu machen. Und das wird die Band aus Hannover und Hamburg auch schaffen – wenn wir nicht schon auf dem heimischen Tanzflur die Hüften schwingen und Arme kreisen, dann doch spätestens im Ilses Erika. Auf ihrem Album wimmelt es nur so von Clubhits. »Shiny Boots«, »Ride on time«, »Hey Lawyer« »Elevator Boy« etc. sollten schnellstmöglich keine Geheimtipps mehr sein. Für Vergleichsfetischisten: Situation Leclerq erinnern an alle zeitgenössischen Bands, die ebenso der Instrumentierung mit Synthesizern sowie Gitarren frönen, dazu noch Midi frickeln und mit zarter Stimme singen. Dennoch ist der Sound des seit 2003 miteinander musizierenden Quartetts ein frischer, unverbrauchter und extrem mitreißender. Situation Leclerq, wir tanzen gern nach eurer Pfeife!
Ines Weissbach

20.2., Alva Noto, Hinterbühne Centraltheater
Musik

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