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Wege aus der Armut

Der Dokumentarfilm »El Sistema« berichtet von einem sozialem Projekt der anderen Art in Venezuela

Korruption, Entführungen, Bandenkämpfe und politische Gewalt beherrschen den Alltag in Venezuela. Die Hauptstadt Caracas, eine der gefährlichsten Städte der Welt, spiegelt die landestypischen Verhältnisse wider: Das Stadtbild wird vor allem von »Barrios«, den illegalen Vorstadtsiedlungen, geprägt.

Korruption, Entführungen, Bandenkämpfe und politische Gewalt beherrschen den Alltag in Venezuela. Die Hauptstadt Caracas, eine der gefährlichsten Städte der Welt, spiegelt die landestypischen Verhältnisse wider: Das Stadtbild wird vor allem von »Barrios«, den illegalen Vorstadtsiedlungen, geprägt.

Millionen Menschen leben hier in sozial, ökonomisch und hygienisch katastrophalen Verhältnissen, mehr als die Hälfte davon sind Kinder und Jugendliche. In diesen Barrios, die nach Einbruch der Dunkelheit von Einheimischen wie Touristen gemieden werden, begann 1975 eine wahre Geschichte, die sich wie ein Märchen anhört: José Antonio Abreu gründete mit 12 Kindern aus sozialen Brennpunkten in Caracas das erste nationale Jugendorchester Venezuelas. Die Kinder sollten den Respekt voreinander und der Gemeinschaft des Orchesters lernen, und die Freude an der Musik entdecken. Der venezolanische Musiker und Wirtschaftswissenschaftler
hoffte, ihnen so einen Weg aus der Armut weisen zu können.

So genannte »Nucléos« (Orte, an denen Kinder und Jugendliche nach der Schule üben und sich gegenseitig unterrichten) schossen vor allem in der Nähe der Barrios wie Pilze aus dem Boden. Aus dem ersten venezolanischen Kinder- und Jugendorchester entwickelte sich »El Sistema«. Bald wuchs das Projekt auf 270 Musikzentren, zahlreiche Musikhochschulen, Chöre für die Integration behinderter Kinder, und Orchester in Jugendstrafanstalten an. Aus ursprünglich 12 Schülern wurden bis heute über 300.000. Und für einige seiner Absolventen erfüllt sich Abreus’ Hoffnung: Junge Talente, wie der erst 28-jährige Dirigent Gustavo Dudamel, schaffen den Absprung aus dem Elend und sind inzwischen eine Sensation in der Musikszene.

Einen Einblick in diese unglaubliche Entwicklung gibt der neue Dokumentarfilm »El Sistema« des Wahl-Leipzigers Paul Smaczny und seiner Mitstreiterin Maria Stodtmeier. Anderthalb Jahre beschäftigten sich die beiden Regisseure mit dem Leben der Kinder, führten zahlreiche Interviews, nahmen an Proben teil und schufen so ein intimes Bild des Alltags im »El Sistema«. Der Blick bleibt dabei allerdings nicht nur in den Proberäumen hängen, auch das Leben der Kinder außerhalb der Musikschulen wird schonungslos dokumentiert. Denn viele von ihnen leben in den »Barrios« im ständigen Spagat zwischen der neuen Welt, die sich ihnen mit der Musik eröffnet und der bitteren Realität in ihrem Heimatland.

Beide Regisseure arbeiten bereits seit Jahren regelmäßig mit der Leipziger Produktionsfirma EuroArts Music zusammen. Paul Smaczny übernahm im Jahr 2000 sogar die Geschäftsführung der Firma, die mit jährlich etwa 20 Produktionen in Deutschland führend im Bereich der Musikdokumentation ist. Somit wird sich »El Sistema« in eine ganze Reihe bekannter und preisgekrönter Musikdokumentationen einfügen. Am 5. April findet die Premiere des gut anderthalb Stunden langen Filmes im Centraltheater statt. Anwesend sind hierbei auch die Regisseure Paul Smaczny und Maria Stodtmeier. Anna-Sophie Weil

Filmpremiere: 5.4., 19.00 Uhr (Achtung: wurde von 19.30 auf 19.00 Uhr verschoben!), Centraltheater (in Anwesenheit der Regisseure)
Weitere Informationen: http://www.el-sistema-film.com
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