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Die Kinderbuch-Ecke

Jeden Monat stellt die kreuzer-Kinderredaktion neue oder neu aufgelegte Bücher für große und kleine Leser vor. In diesem Monat mit: »Being«, »Piggeldy wollte wissen … « und »Leute«

Jeden Monat stellt die kreuzer-Kinderredaktion neue oder neu aufgelegte Bücher für große und kleine Leser vor. In diesem Monat mit: »Being«, »Piggeldy wollte wissen … « und »Leute«.


Kevin Brooks: »Being« (dtv)

Ein genialer Streich: »Being« von Kevin Brooks

In England gilt Kevin Brooks als einer der Stars der Jugendbuchszene.
Typisch für ihn sind seine dramaturgisch brillante Erzählweise, seine actiongeladenen Handlungen und seine hintergründig ausgeleuchteten Charaktere. Brooks Bücher sind einprägsame Porträts von Jugendlichen in Grenzsituationen. »Candy« und »Lukas« sind preisgekrönt, und »The Road of the Dead« ist gerade nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2009. Im kürzlich erschienenen »Being« macht sich der Autor an existentielle Fragen wie »Wer bin ich?« oder »Kann ich jemand anderer sein?« – und er tut dies, indem er sich von seiner realistischen Erzählweise entfernt und, sich bester Science-Fiction Manier bedient. Bei dem 16-jährigen Protagonisten des Buchs stellen Ärzte fest, dass dessen Inneres nicht aus Fleisch und Blut, sondern aus Drähten, Schläuchen und Dioden besteht. Spannend für die Mediziner, beängstigend für Robert, der trotz Narkose alles mithört und schließlich mitten in der OP – mit aufgeschnittenem Bauch – vom OP Tisch springt, eine Pistole klaut, den Anästhesisten kidnappt, und flüchtet. Das rasante Tempo, das dieser surreale Thriller bereits in den ersten 30 Seiten aufnimmt, gewinnt weiter an Fahrt. Robert wird verfolgt, auf ihn sind 50.000 £ ausgesetzt. Einzig bei Eddi, die ihm neue Papiere verschafft, kommt er zur Ruhe, hier geht die Handlung für einige Atemzüge vom Tempo runter. Brooks erzählt dramaturgisch ausgefeilt bis zur letzten Seite, aber der Versuch, diese surreale Story mit den Fragen des Lebens aufzuladen, wirkt oft gekünstelt.
Zwar brechen Gedankenansätze des Protagonisten immer wieder die Handlung und das Tempo, aber es bleibt bei diesen Ansätzen, die eher irritieren. Und: Brooks lässt bis zuletzt auf Antworten hoffen. Das ist ein genialer Streich und schade zugleich. Claudia Lindner

→ »Being«, Kevin Brooks, dtv, 397 S., 12.95 €, ab 14 J.


 Elke und Dieter Loewe: »Piggeldy wollte wissen ... «

»Nichts leichter als das« – ein Hörbuch mit Piggeldy und Frederick

Schon seit mehr als 30 Jahren schlendern die beide Schweinebrüder Piggeldy und Frederick über den Deich und erörtern bei ihren Spaziergängen die wichtigsten philosophischen Fragen des Lebens. Die Geschichten von Piggeldy und Frederick, die ab den 70er Jahren als Legetrickfilm für die westdeutsche Sandmännchenproduktion ausgestrahlt wurden, gibt es jetzt vom Jumbo-Verlag neu aufgelegt als Audio-CD. Über 69 Minuten lang löchtert der kleine wissbegierige Frederick seinen großen Bruder Piggeldy mit Fragen wie »Was ist Lachen?«, »Was ist Natur?« und »Ist Laute vielleicht das Gegenteil von Stille?«. Und immer, wenn Frederick fragt, antwortet Piggeldy: »Nichts leichter als das«. Dann gehen sie und gehen sie, beobachten ihre Umgebung und suchen nach Antworten. Manchmal kommt die Antwort, manchmal gibt es auch keine. Auf eines ist jedoch immer Verlass: Piggeldy geht immer irgendwann mit Frederick nach Hause. Kinder lieben Rituale, Wiederholungen und das Vorhersehbare. Nicht verwunderlich also, dass die Geschichten der Schweinebrüder daher auch noch heute hochaktuell sind. Besonders charmant und ein echter Gewinn für die Hörbuchversion ist die Sprecherstimme von Robert Missler, vielleicht einigen bekannt als »Grobi« aus der Sesamstraße. Seine facettenreiche Interpretation der Dialoge ist daher nicht nur für die kleinen Zuhörer ein wahrer Ohrenschmaus. Miriam Schultze

→ »Piggeldy wollte wissen … «, Elke und Dieter Loewe, gesprochen von Robert Missler, mit Musik von Ulrich Maske, Gesamtspielzeit 62 min., 10,95 €, ab 3 J.


Blexbolex: »Leute« (Verlagshaus Jacoby & Stuart GmbH)

Für Leute von heute

Konventionell gestaltete Titel mit stereotypen Motiven, an die Sehgewohnheiten der Kinder angepasst, künstlerisch wenig anspruchsvoll – so könnte man die Masse der im Buchhandel erhältlichen Bilderbücher für Kinder beschreiben. Mit »Leute« erschien letzten Herbst im Berliner Verlag Jacoby & Stuart ein Bildband des Franzosen Bernard Granger, grafisch Interessierten besser bekannt als »Blexbolex«, der diesem Klischee damit ganz entschieden entgegen tritt. Der Künstler verweigert sich eindeutig der Ansicht, Kinder sähen die Welt mit andern Augen, also ganz anders, als Erwachsene sie betrachten. Piktogrammartig stellt Blexbolex 200 verschiedene Leute mit verschiedenen Berufen, Hobbies, Familienverhältnissen und aus unterschiedlichen Lebenswelten dar. Alle erzählen mit ihrem Aussehen, ihrer Kleidung, ihrer Mimik und Gestik ihre ganz eigene Geschichte. Dabei stehen die auf einer Doppelseite abgebildeten Personen immer in irgendeiner Beziehung zueinander – ein Fußballprofi am Ball und ein Papierknäuel kickender Junge beispielsweise. Die Zeichnungen des Illustrators sind dabei voller Ausdruckskraft, hochspannend und erfordern genaues Hinschauen. Sie regen die Fantasie, sowohl vom Kind als auch vom erwachsenen Betrachter, an. Sie verführen, eigene kleine Geschichten um diese Leute herum zu spinnen. Umschlag-, Einband- und Papierauswahl runden dieses zauberhafte Bilderbuch perfekt ab, und so ist es sehr wohl nachvollziehbar, dass »Leute« von der Jury des Deutschen Jugendliteraturpreises 2009 in der Kategorie Bilderbuch nominiert wurde. Yvonne Strankmüller

→ »Leute«, Illustriert von Blexbolex, Verlagshaus Jacoby & Stuart GmbH, 208 S., 14,95 €, ab 3 J.


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