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Jede Woche stellt die kreuzer-Musikredaktion neue Musik vor – zum Hören, Tanzen, Schwelgen, Spazieren, Joggen, Arbeiten und mehr. In dieser Woche mit einer Morr Music-Compilation, Jarvis Cocker und Boxcutter

Jede Woche stellt die kreuzer-Musikredaktion neue Musik vor – zum Hören, Tanzen, Schwelgen, Spazieren, Joggen, Arbeiten und mehr. In dieser Woche mit einer Morr Music-Compilation, Jarvis Cocker und Boxcutter.


Various Artists – »Not Given Lightly« (Morr Music)

Various Artists – »Not Given Lightly«

Konzeptionell aufgebaute Compilations können richtige Geschichten erzählen – sowohl historisch als auch poetisch gesehen. Das Berliner Label Morr Music ist bestens vertraut mit solcher Art von
Zusammenstellungen. Morrissey und Slowdive wurde bereits gehuldigt, indem Morr-Künstler deren Songs coverten. Mit »Not Given Lightly« geht es auf eine lange Reise, einmal nach Neuseeland und einmal in die Achtziger. Zu jener Zeit entstand am anderen Ende der Welt ein wahres Indie-Märchen. Kleine Labels brachten in Kleinauflagen Alben von Lo-Fi-Bands heraus. Label-Betreiber Thomas Morr hat viele dieser Bands für sich wiederentdeckt, und sich von der damaligen Aufbruchsstimmung anstecken lassen. Herausgekommen ist hierbei eine opulent besetzte und aufgemachte Compilation mit nahezu allen Morr-Bands, die in irgendeiner Weise dem Lo-Fi-Gedanken verhaftet sind. Jede dieser Band hat sich einem anderen Stück von damals angenommen und mit ihrem eigenen Glanz überzogen. Erstaunlich ist, wie zeitlos selbst diese neuen Versionen sind. Die Harmonien schwingen scheinbar wie von selbst, alles ist leichtfüßig und süß-melancholisch. Vielen Dank für diese Weltreise! Jens Wollweber


Jarvis Cocker »Further Complications« (rough trade/indigo)

Jarvis Cocker »Further Complications«

Jarvis Cocker ist zurück, mit Bart und mit Gitarre. Letztere verstört im ersten Moment ordentlich. Die stumpfen, aber absolut treffsicher gespielten Rockrhythmen vieler Songs überzeugen im ersten Durchlauf nicht unbedingt. Doch bereits im vierten Stück, »Leftovers«, scheint dann die Sonne aufzugehen. Der Gitarrennebel verzieht sich, Cocker umgarnt eine Angebetete, preist seine Liebe an. In Versen wie »I fall upon your neck like a vampire / A vampire who faints at the sight of blood« kommt sein Humor wieder voll zum Tragen. Unterstrichen wird dieser hier von pointiertem Schlagzeugspiel – und schon sind erste Zweifel wie weggeblasen. »I never said I was deep« haut in eine ähnliche Kerbe. Cocker erzählt hierin ironisch von den eigenen Schwächen in einer Beziehung: »And if every relationship is a two-way street / I have been screwing in the back whilst you drive«. Hier hebt der Songwriter, begleitet von sanfter Instrumentierung, in Höhen ab, die den Vorgänger »Jarvis« so hörenswert machten. Am Ende ist die Gitarre ist zurück, und ein Saxophon kommt hinzu. In »Homewrecker« und »Fuckingsong« lebt Cocker wieder seine neue Neigung zum druckvollen Losrocken aus. Letzterer ist das Schlechteste, das seit »Someone like the moon« aus des Künstlers Feder floss. Jener scheint sich im Gitarrenland wohl zu fühlen. Kürzlich schloss er sogar eine Pulp-Reunion aus. Doch gerade die Songs, die an seine Ex-Band erinnern, sind es, welche »Further Complications« hörenswert machen. Wer will nicht lieber ironische Texte von einer charismatischen Stimme ins Ohr gehaucht bekommen, als Stories mit Druckbeschallung entgegen geschmettert zu bekommen? Holger Günther


Boxcutter – »Arecibo Message« (Planet Mu)

Boxcutter – »Arecibo Message«

Dies ist schon das dritte Album des Nordiren Boxcutter innerhalb von drei Jahren. Dieses Mal ist alles analoger – die Gitarren und Bässe, ja sogar die Synthesizer und Effektgeräte. Das macht die Tracks trotz aller Spleenigkeit ziemlich organisch. Die nostalgischen Sounds strahlen außerdem jenen Futurismus aus, den man mit Zukunftsvisionen aus den 50er und 60er Jahren verbindet. Mit Retro-Kitsch hat »Arecibo Message« dennoch nichts zu tun. Die nostalgischen Elemente sind vielmehr in den Zwischentönen präsent; als latent mitschwingender Einfluss. Im Prinzip ist Boxcutter schon sehr weit in der Gegenwart verankert, und er dürfte mit seinem Dub- und Breaks-
Fundament gerade im Dubstep-Bereich für Freude sorgen. Wobei sich der Künstler sich auch vor HipHop- und Pop-Exkursen nicht scheut. Jens Wollweber


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