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Jede Woche stellt die kreuzer-Musikredaktion neue Musik vor – zum Hören, Tanzen, Schwelgen, Spazieren, Joggen, Arbeiten und mehr. In dieser Woche mit Bibio, The Airborne Toxic Event und Inlove

Jede Woche stellt die kreuzer-Musikredaktion neue Musik vor – zum Hören, Tanzen, Schwelgen, Spazieren, Joggen, Arbeiten und mehr. In dieser Woche mit Bibio, The Airborne Toxic Event und Inlove.


Bibio – »Ambivalence Avenue« (Warp Records)

Bibio – »Ambivalence Avenue«

Warp Records aus London überrascht in den letzten Monaten immer wieder mit frischen Künstlern. Die neueste Entdeckung ist hierbei Stephen Wikinson alias Bibio. Zu seinen Fans zählen selbst renommierte Warp-Stars wie Boards of Canada oder Chris Clark, was das Londoner Label auf dem Promozettel selbstredend geschickt einsetzt. Allerdings mehr als zu Recht. Auf seinem Warp-Debüt »Ambivalence Avenue« zeigt sich Bibio nicht als zweitklassiger Nachahmer der Labelkollegen – vielmehr schafft er es locker, die unterschiedlichsten Stile zu verbinden. Seine musikalische Mixtur entsteht aus den Zutaten Singer/Songwriter-Folk, Hip-Hop und Latin-Pop im Stile der 70er Jahre. Natürlich haben sich schon einige begnadete Musiker – und das durchaus erfolgreich – daran abgearbeitet. Hier könnte man Beck oder den Warp-Labelkollegen Scott Herren (als Prefuse 73 oder Savath & Savalas) nennen. So lässig und konsequent wie bei Bibio war dieser Style bislang aber nur in Ansätzen zu hören. Das Faszinierende an »Ambivalence Avenue« liegt insbesondere in der traumwandlerischen Vielseitigkeit Wilkinsons, der keiner Idee zu lange nachhängt. So entsteht ein nahezu perfekter Soundtrack für schwülwarme Sommerabende auf dem Balkon. Dieser wird dann durch das Stück »Sugarette« unterbrochen – ein wahnwitziges, instrumentales Clubstück, welches einige staunende Gesichter zurücklassen dürfte und dabei die zweite Club- und Hip-Hop-orientierte Hälfte des Albums einläutet. Mit »Dwrcan« findet das Album einige Stücke später – nach gerade mal 43 Minuten – einen denkwürdigen Abschluss, der die »Ambivalence Avenue« zu einer verdammt coolen Straße macht. Michael Wallies


The Airborne Toxic Event – »The Airborne Toxic Event« (Island/Universal)

The Airborne Toxic Event – »The Airborne Toxic Event«

Hier leidet jemand. Sitzt in einer überfüllten Bar und ruft nachts um zwei das Mädchen an, dem er das Herz gebrochen hat. Steht an der Bushaltestelle und wird sich heute Nacht noch kloppen. Jemand, dem es egal ist, wo er die Nacht verbringt. Der dir erzählt, dass alles okay ist, während er den zehnten Schnaps runter schüttet. Die Geschichten dieses Lebens erzählen The Airborne Toxic Event. Und sie klingen dabei so, wie sich Indierocker aus L.A. anhören, die sich die Gitarren umhängen, ordentlich auf die Kacke und das Schlagzeug hauen, und der Welt ihren Schmerz entgegen schreien. Vier junge Männer und eine Frau spielen auf ihrem selbst betitelten Debütalbum genau die Songs, zu denen man in der Indiedisko nass geschwitzt herum springen kann. Wo vorher The Killers liefen und dann Modest Mouse. Oder mit denen man auf dem Nachhauseweg taumelnd leiden kann, während Sänger und Gitarrist Mikel Jollet ins Mikro heult, dass er lügt, wenn er sagt, alles sei okay. Happiness is Overrated. Weil das so überzeugend ist und alles andere als schlimm. Juliane Streich


Inlove – »Stories« (Inflamable Records)

Inlove – »Stories«

Eigentlich spricht alles dagegen, dieses Album gut zu finden. Der Name geht nicht, die Geschichte von wegen »Ex-Model verwirklicht sich nun als Musikerin«, kuschelige Pop-Musik. Klar, die Chauvinismus-Falle ist nahe, aber irgendwie ist bei »Stories« alles so schön und geglättet, dass Stoner Rock plötzlich zur Erleuchtung wird. Ein bisschen House, ein bisschen Soul, viel Pop natürlich, Balladen und Sonnenscheinnummern – alles komplett, alles perfekt für teure Lounges mit schönen, geglätteten Menschen. Aber zwischen all der Glätte gibt es doch ein paar gelungene Stücke. »Real« zum Beispiel, ein zurückgenommener Pop-Song, wie ihn Moloko wohl auch nicht besser hätten spielen können. Überhaupt erinnert Inloves Stimme immer wieder latent an Roisin Murphy – allerdings ohne die raue Energie, die Moloko neben dem ganzen Pop-Appeal so liebenswert machten. Jens Wollweber


Musik

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