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Jede Woche stellt die kreuzer-Musikredaktion neue Musik vor – zum Hören, Tanzen, Schwelgen, Spazieren, Joggen, Arbeiten und mehr. In dieser Woche mit Graham Coxon, Clark und Elster Club

Jede Woche stellt die kreuzer-Musikredaktion neue Musik vor – zum Hören, Tanzen, Schwelgen, Spazieren, Joggen, Arbeiten und mehr. In dieser Woche mit Graham Coxon, Clark und Elster Club.


Graham Coxon – »The spinning top« (Transaggressive / Rough trade)

Graham Coxon – »The spinning top«

Im Windschatten der Reunion des großbritischen Schlachtschiffs »Blur« veröffentlicht Gitarrist Graham Coxon sein neues Soloalbum … und kommt damit ein wenig zu spät. Denn eigentlich gehört »The spinning top« in den Frühling, gerahmt von wiedererwachender Flora und Wiesenkultur. Musikalisch frohlockt das inzwischen siebte Album Coxon’s nämlich an allen Ecken und Enden. Und immer ist die Akustikgitarre mittendrin. Ob treibend klampfig wie im wunderbar schmissigen »Sorrow’s army«, oder dem Lagerfeuer verbunden wie in dem achtminütigen Glanzlicht »In the morning« – der Sechssaiter hält das Album zusammen und bestimmt dessen Atmosphäre. Und so erschafft Coxon sein mit Abstand luftigstes Werk, fernab der Noise-Punk-Raufereien der frühen Soloalben, aber auch weitaus weniger poppig als die Rückkehr zu Harmonie in Form des 2004er Albums »Happiness in magazines«. Folk, wie er folkiger nicht sein könnte. Ein wenig Verquerästhetik darf natürlich trotzdem nicht fehlen. So freut sich das groovige »Dead bees« über die eigene Komplettierung in Form von quertreibender Quietsch-Riffs und »Caspian sea« nölt dann doch wieder in altbekannter Schnoddrigkeit. Den versoffenen 90er Jahre-Slacker bekommt er eben doch nicht ganz raus. Und das ist auch wunderbar so. Oder wie Coxon selbst es ausdrückt: »But it’s good to feel dirty … when you feel alright.« Mario Helbig


Clark – »Totems Flare« (Warp)

Clark – »Totems Flare«

Eigentlich toll, dass sich Warp nach den Pop-Alben von Jamie Lidell, Maximo Park & Co nicht zu schade ist, ein Album wie »Totems Flare« von Chris Clark zu veröffentlichen. Denn Pop ist bei ihm höchstens in Spurenelementen vertreten. Überhaupt lassen sich die elf Tracks nicht auf ein Genre festlegen. Da ist viel Elektro im klassischen Sinne mit derben Bass- und Synthie-Akkorden dabei, ein wenig Breakcore, Acid, Ambient und dezenter Techno. Permanent werden die Richtungen gewechselt, selbst innerhalb eines Tracks. Und dennoch schimmern immer wieder auch melodiöse, ja fast poppige Sounds durch, die dann umso überraschender wirken. Dramaturgisch hält Chris Clark die Fäden aber so dicht beieinander, dass es nicht zum Sound-Overkill ausartet. Und so könnte »Totems Flare« auch der Soundtrack für ein Computerspiel sein – schnelle Schnitte, leicht düster und komplett rastlos. Nicht gerade ein Sommeralbum, aber was soll’s. Das nächste Gewitter kommt bestimmt schon morgen. »Totems Flare« ist übrigens der Beginn einer Trilogie aus drei Alben. In nächster Zeit dürfte also wieder was von Clark zu erwarten sein. Jens Wollweber


Elster Club – »Club your hands« (tetmusik)

Elster Club – »Club your hands«

Was schlechte Wortspiele angeht, da kann man bei Elster Clubs »Club your hands« schon mal ordentlich in die Hände klatschen. Aber auch sonst. Treffen doch bei der ersten EP der Leipziger Band die Synthesizer der Achtziger auf den Electropop der Nuller (oder wie auch immer man dieses namenslose Jahrzehnt betiteln mag) und erfüllen damit die Vorstellung eines Dancefloorknallers. Ein simples Konzept, das gerade durch seine Einfachheit leicht aufgeht. Ein paar unvollständige Sätze (»fourty days, fourty nights«) oder wohlklingende Mädchennamen (»Marie-Anne«) ins Mikro gebrüllt, ein paar rhythmische Bummbummbeats druntergelegt, ein bisschen Gitarre, ein bisschen Bass – und schon kann eigentlich keiner mehr nicht mitklatschen. Herausgebracht haben die drei Jungs ihre sechs Songs jetzt auf dem teilweise selbst mit gegründeten Label tetmusik, das Anlaufstelle für zeitgenössische, relevante Musik sein möchte, wie auch immer man die definieren möchte. Elster Club dürfte auf jeden Fall dazugehören. In diesem Sinne, schön die Hände clubben. Juliane Streich


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