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Gut aufgelegt!

Die Musik-Rubrik

Jede Woche stellt die kreuzer-Musikredaktion neue Musik vor – zum Hören, Tanzen, Schwelgen, Spazieren, Joggen, Arbeiten und mehr. In dieser Woche mit Icarus, The XX und Mos Def

Jede Woche stellt die kreuzer-Musikredaktion neue Musik vor – zum Hören, Tanzen, Schwelgen, Spazieren, Joggen, Arbeiten und mehr. In dieser Woche mit Icarus, The XX und Mos Def.


Icarus – »Sylt Remixes« (Rump Recordings)

Irgendwie ist es toll, wie überschaubar die Electronica-Nische letztendlich ist. Es gibt eine Reihe von Musikern und Bands, die einfach zum Inventar des weitläufigen Genres gehören bzw. bald
gehören dürften. Und ein Teil davon versammelt sich auf dem Remix-Album des Duos Icarus. Vor zwei Jahren erschien ihr Album »Sylt«, nun also 14 Remixe einiger Tracks des Albums – unter anderem von Opiate, Frank Bretschneider, Isan, Xela und Ital Tek. Wie so oft bei Remix-Alben funktioniert die Zusammenstellung auch, wenn man die Original-Tracks nicht kennt. Die Handschriften der einzelnen Remixer sind meist deutlich herauszuhören und so wird »Sylt Remixes« neben der Remix-Intention eine wunderbare Compilation über den Status Quo elektronischer Musik abseits der Dancefloors. Es sind ruhige, harmonische bis arg gebrochene und dissonante Stücke, verdichtet mit vielen Details. Interessant auch, wie bei Ital Tek ein Anknüpfungspunkt von Electronica hin zu Dubstep geschaffen wird. Klassisch und voller
wohlklingender Indie-Romantik hingegen Isan. Die Fülle fein getrennter Nuancen macht diese Sammlung wirklich wertvoll. Jens Wollweber


The XX – »XX (XL Recordings/Beggars)

Hier kommen die neuen NME-Lieblinge: The XX. Der Hype im Heimatland der Briten überrascht durchaus, denn eigentlich sind The XX zu leise und zu cool für mediale Hypes. Wer allerdings sein Debüt auf XL Recordings – dem Label, auf dem auch The White Stripes, Dizzee Rascal oder The Prodigy beheimatet sind – heraus bringt, kann der Aufmerksamkeit kaum entfliehen. Oliver, Romy, Baria und Jamie sind Sandkastenfreunde, und dabei gerade mal 19 oder 20 Jahre alt. Trotzdem ragen sich bereits einige kleine Legenden um das blutjunge Quartett: Ihre Songs entstünden in Chat-Rooms und nicht im Proberaum, ihre Instrumente hätten sie erst bei den Aufnahmen erlernt, trotzdem hätten sie das Album komplett selbst eingespielt. Wer dies glauben will, soll es glauben. Das selbst betitelte Debüt klingt dafür allerdings zu ausgereift. Die jungen Briten schnappen sich frech einige Harmonien von Bowie bis Isaak und machen daraus Stücke, die mehr sind als ein mittelprächtiger Abklatsch. Als Vorbilder nennen sie The Cure genauso wie Aaliyah oder Mariah Carey, trotzdem präsentieren sie sich nicht nur beim Cover stilvoll. Bei der Instrumentierung zeigt sich das Quartett ganz bescheiden, denn Bass, Gitarre und Schlagzeug klingen eher spärlich als bombastisch. So singen Romy und Jamie im Opener »VCR«, welches überdeutlich an Bowies »Heroes« erinnert: »I think we are superstars«. Mal abwarten, ob sie Recht behalten. Auf jeden Fall ist ihnen ein exzellentes Debüt gelungen. Michael Wallies


Mos Def – »The ecstatic« (Downtown Music)

Dante Smith meldet sich zum Dienst an der Hip-Hop-Front zurück, um im Kampf um die wahren Werte der Kultur seinen Beitrag zu leisten. Auf dem 16 Tracks umfassenden Album wird scharf geschossen; das wird eingangs schon in »Supermagic« deutlich. Der New Yorker schraubte nie bewusst am Hit, doch ein würdiger Nachfolger von »Ms. Fat Booty« ist »Twilite speedball«, bei dem er die Antwort auf Pharaoh Monch (»Simon says«) gibt. Intelligente und hypnotisierende Soundschleifen werden in »Auditorium« gebunden; garniert mit einem Gastauftritt von Slick »Ladi Dadi« Rick, der in seiner unnachahmlich schnoddrigen Art über den Irakeinsatz erzählt. »Wahid« besticht ebenfalls durch Soundschleifen, die ähnlich denen in »Auditorium« ihre Wirkung entfalten. Leider ist der Song mit eineinhalb Minuten viel zu kurz geraten. Mit einem treibenden Hand-Clap versehen wird »Quiet dog« dafür auf Hitkurs beschleunigt. In der Mitte des Albums dann solide Arbeit, die jedoch nicht die Qualität der ersten Stücke der LP hat. Erst mit »Roses« kann der Mann aus Brooklyn wieder über die Latte springen, die er eingangs sehr hoch gelegt hat: In diesem Stück befruchten sich Soul, Rap und Jazz gegenseitig und verschmelzen zu einer organischen Einheit. Die Wiedervereinigung von Black Star wird in »History« gefeiert, wenn Talib Kweli und Mos Def wie früher gemeinsame Sache machen. »Casa Bey« ist ein standesgemäßer Ausstieg aus der Platte, der durch einen rollercoaster rhythm an Gang Starr’s »Full clip« erinnert. Schluss-Rapport: Mos(t of the tracks are) Def! Torsten Williamson-Fuchs


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