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Wenn Werte vom Weg abkommen

Am 13.11. stellt Regisseur Christian Klandt seinen Film »Weltstadt« in der Kinobar vor

In »Weltstadt« erzählt Regisseur Christian Klandt auf erschütternde Weise eine Geschichte, die sich in seinem Heimatort, im brandenburgischen Beeskow, wirklich zutrug. Soziale Verwahrlosung und generationsübergreifende Zukunftsresignation spiegeln ehrlich und authentisch unsere Gegenwart dort, wo Perspektiven längst abhanden gekommen sind.

In »Weltstadt« erzählt Regisseur Christian Klandt auf erschütternde Weise eine Geschichte, die sich in seinem Heimatort, im brandenburgischen Beeskow, wirklich zutrug. Soziale Verwahrlosung und generationsübergreifende Zukunftsresignation spiegeln ehrlich und authentisch unsere Gegenwart dort, wo Perspektiven längst abhanden gekommen sind.

Trostlosigkeit schleicht durch die Stadt. Resignierte Jugendliche hängen vor den Häusern rum, klauen leere Bierkästen, um sich volle zu kaufen. Der Imbissbudenbesitzer kratzt Nazischmierereien von seinem Tor, bevor er den Laden sowieso dichtmachen muss, weil keiner mehr kommt. Poetisch bewegt sich die Kamera durch die Straßen. Hier hat früher mal ein Leben stattgefunden, an das sich die Menschen heute nur noch wehmütig erinnern.

Auch Till will eigentlich nach Berlin. Seine Malerlehre hat er geschmissen. Sein Kumpel Karsten muss, wenn er nicht gerade vorm Fernseher onaniert, Arbeitsstunden im Obdachlosenheim leisten. Er liebt Gewalt, genießt, wenn er anderen Angst einjagen kann. Immer auf der Suche nach ein bisschen Geld, überfallen die beiden Jungs in der Nacht einen Obdachlosen. Weil er keine Wertsachen bei sich trägt, schlagen sie ihn und stecken ihn in Brand.

»Weltstadt« erschüttert bis tief ins Mark. Vor allem, weil Regisseur Christian Klandt hier auf eindringliche Weise eine Geschichte erzählt, die sich vor fünf Jahren in seiner Heimatstadt Beeskow in Brandenburg wirklich zutrug. Gedreht wurde am Tatort selbst, dennoch ist »Weltstadt« kein Dokumentarfilm. Auch wenn die schauspielerische Leistung der Protagonisten und die Authentizität, die der Film versprüht, das im ersten Moment vermuten lassen. Denn die Tat ist für Regisseur Klandt exemplarisch und kann so überall dort passieren, wo kleinstädtische Banalität und Perspektivlosigkeit aufeinander treffen.

Wie entwickeln sich Biografien, wenn persönliche Ziele ins Leere laufen? Wenn moralische Werte vom Weg abkommen und zwischenmenschliche Verrohung zum Alltag wird? „Weltstadt“ ist ein wichtiger Film, der auf schmerzhafte Weise gesellschaftliche Realität aufdeckt, vor der wir gern die Augen verschließen. Auch urteilt er nicht, sondern kratzt an der Frage nach dem Warum, um irgendwann vielleicht zu verstehen. Claudia Euen

Kinobar Prager Frühling, 12.-18.11. (am 13.11. in Anwesenheit des Regisseurs)
Film

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