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Schöner wohnen im Tonelli’s

Nach Verkauf muss jetzt auch die Musikkneipe aus dem Kulturbundhaus raus

»Ich habe nichts dagegen, an einen Ort umzuziehen, an dem einem nicht die Toiletten um die Ohren fliegen!« Steffen Bux, Inhaber des Tonelli’s steht dem geplanten und trotzdem unfreiwilligen Umzug nicht gänzlich feindlich gegenüber: »Er bietet neue Möglichkeiten – und Tradition entsteht in den Köpfen der Menschen und nicht an einem bestimmten Ort!«

»Ich habe nichts dagegen, an einen Ort umzuziehen, an dem einem nicht die Toiletten um die Ohren fliegen!« Steffen Bux, Inhaber des Tonelli’s steht dem geplanten und trotzdem unfreiwilligen Umzug nicht gänzlich feindlich gegenüber: »Er bietet neue Möglichkeiten – und Tradition entsteht in den Köpfen der Menschen und nicht an einem bestimmten Ort!«

Nachdem schon im April 2008 die Schließung des Kulturbundhauses beschlossene Sache war, geht es jetzt auch dem Tonelli´s in seiner gewohnten Behausung an den Kragen. Die traditionsreiche Musik-Kneipe soll ausziehen, und zwar schon sehr bald. Grund dafür ist der Verkauf des Hauses durch den Kulturbund e. V. Berlin, der Besitzer der Immobilie in der Elsterstraße war. Mit Hilfe der Immobilienfirma KSW GmbH sollen nun acht Wohnungen im gesamten Gebäude entstehen. Im großen Saal zwei Lofts und weitere Wohnungen im Hauptgebäude. Damit dann alles wieder neoklassizistisch erstrahlen kann, wird der DDR-Anbau abgerissen.

Von einer weiteren Nutzung im kulturellen Bereich ist also keine Spur. »Wir sind generell nicht gegen eine Zusammenarbeit mit einem kulturellen Partner. Oft aber sollen Projekte unter non-profit laufen und es werden keine Verträge abgeschlossen. Im Kulturbundhaus gab es auch zu viel Party und zu wenig Kultur!«, sagt Herr Zochert von der KSW. Angesichts des vielfältigen Konzertprogramms kann man dies vom Tonelli´s nicht behaupten. Gerade die freie Kulturszene muss sich mit wenig und kurzfristigem Geld über Wasser halten, was es natürlich schwer macht, über größere Zeiträume zu planen. Offizielle Fördermaßnahmen sichern langfristig kulturelles Überleben jenseits des Profitgedankens, ohne das jede Kulturlandschaft verarmen würde.

Namensgeber Tonelli selbst sieht das Problem beim Eigentümer Kulturbund Berlin. Der Verein hatte Angebote von befreundeten Anbietern abgelehnt, die das Gebäude denkmalgerecht renovieren und weiterhin als Kulturhaus nutzen wollten. Stattdessen wurde dem Immobilieninvestor Vorrang gegeben. »Ich denke, die KSW hat beim Preis einfach gut aufgeschlagen. Man weiß es nicht genau!.« Tonelli bedauert die Umnutzung des Hauses. Er versichert aber, dass die Veranstaltungen, die für Anfang Februar anstehen, noch in der Elsterstraße stattfinden. Eine Auszugsparty soll es auch noch geben. »Von mir aus auch eine Abrissparty!« scherzt Steffen Bux. Wo genau das Tonelli´s in Zukunft seine Tore öffnet, steht noch in den Sternen. Fest steht hingegen, dass es im Zentrum bleibt.


aus dem kreuzer-Heft 02.10

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