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Gegeneinander und miteinander reagieren

Das Festival Resonanzen gibt der akustischen Kunst Raum

Was ist eigentlich Hörkunst? Für die meisten ist dieser Begriff sicherlich abstrakt, denn wenn es um Künste geht, ist die erste Assoziation noch immer das klassische Gemälde. Dabei ist die bildende Kunst im Vergleich mit wachsenden Sektoren wie der Medien- oder eben akustischen Kunst zunehmend unwichtiger. Trotzdem erhält sie die meiste Aufmerksamkeit.

Was ist eigentlich Hörkunst? Für die meisten ist dieser Begriff sicherlich abstrakt, denn wenn es um Künste geht, ist die erste Assoziation noch immer das klassische Gemälde. Dabei ist die bildende Kunst im Vergleich mit wachsenden Sektoren wie der Medien- oder eben akustischen Kunst zunehmend unwichtiger. Trotzdem erhält sie die meiste Aufmerksamkeit.

Daran möchte Jens Heitjohann etwas ändern: »In den fünfziger und sechziger Jahren gab es starke Avantgarden in diesem Bereich, in den letzten Jahren aber ist das irgendwie wieder verloren gegangen. Zumindest ist es nicht in den Institutionen angekommen.« So kam ihm die Idee, ein Festival der Hörkunst zu initiieren und dort nicht nur Hörkunst aus- und vorzustellen, sondern vor allem auch darüber zu diskutieren, mit Künstlern, Wissenschaftlern und Laien.
Jens Heitjohann arbeitet als Künstler und Regisseur und entwirft selbst Klanginstallationen, er ist aber auch Dozent an der Hochschule für Musik und Theater (HMT). Nun will er die akademische und die künstlerische Seite der Hörkunst miteinander verbinden. Zusammen mit Barbara Büscher, Professorin der Dramaturgie an der HMT, bildet er die künstlerische Leitung des Festivals.

Akustische Kunst braucht Raum zur Entfaltung, sie beginnt aber erst einmal mit Klängen. Daher bildet sie für Heitjohann die perfekte Schnittmenge zwischen dem performativen Charakter des Theaters auf der einen Seite und der Musik, auf der anderen Seite. »Die HMT ist eine Musikhochschule, deshalb gibt es viele Ausbildungsbereiche, die sich mit Musik oder akustischer Kunst auseinandersetzen«, da liegt eine Kooperation quasi auf der Hand, findet der Dramaturg Heitjohann. Und so entstand langsam, aber stetig die Arbeit an der Festivalidee, in Kooperation mit Komponisten der eigenen Hochschule, aber auch mit Gastdozenten aus allen möglichen Bereichen, denn akustische Kunst ist ein weites Feld.

Das spiegelt sich auch auf dem Festival wider. »Wir haben Radioarbeiten, also vor allem Hörspiele, musikalische Arbeiten und natürlich klassische Klanginstallationen.« Für diese Fülle von verschiedenen Arbeiten und verschiedenen Darstellungsformen braucht man Raum, deshalb findet das Festival gleich an zwei Orten statt: dem Tapetenwerk und der Schaubühne Lindenfels. Im Tapetenwerk wird eine viertägige Dauerausstellung öffnen, während in der Schaubühne vor allem im Abendprogramm Vorträge und Performances zu besuchen sein werden. Besonders stolz sind die Veranstalter, neben dem Crossover verschiedenster Künste und Formen, auf die Vermischung von etablierter Kunst und Nachwuchs. So wird neben Größen wie Heiner Goebbels, Felix Kubin oder Peter Cusack auch eine ganze Reihe von Studenten verschiedener Hochschulen mitwirken. »Es war uns sehr wichtig, Räume zur Verfügung zu stellen, in denen die Künstler sich mit Material und Ort auseinandersetzen können und wo es eine Begegnung verschiedener Künstlergenerationen gibt«.

Das Konzept staffelt das Festival letztlich in drei Stufen: Da wären die Ausstellung im Tapetenwerk und die Performances in der Schaubühne. Zweitens die öffentlichen Diskussionen und Vorlesungen, bei denen Wissenschaft und Kunst gegeneinander gesetzt werden und so miteinander reagieren sollen. Als Drittes gibt es einen internen Bereich für Hochschullehrer, Studenten und Künstler, in dem in Workshops gearbeitet und gelehrt wird. Jens Heitjohann hofft auf ein breites Publikum und den Diskurs zwischen Fachleuten und interessierten Laien, durch die Vielschichtigkeit des Festivalprogramms könnte das tatsächlich gelingen.

15.-18.4., Schaubühne Lindenfels
alle Termine auf http://www.resonanzen-leipzig.de
Medien | aus dem kreuzer-Heft 04.10

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