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Der Lifestyle-Exot

András Laube ist ein Leipziger Underground-Modemacher auf dem Weg nach vorn

Ich bin absolut für Schuluniformen«, sagt András Laube, und man nimmt ihm diesen Satz sofort ab. Diszipliniert und gleichzeitig leger sitzt er an einem der kleinen Tische im »barfusz«, trinkt seinen Milchkaffee, ordert noch eine Schachtel f6 und erzählt dann, wie das alles so weit gekommen ist, mit ihm und der Mode.

Ich bin absolut für Schuluniformen«, sagt András Laube, und man nimmt ihm diesen Satz sofort ab. Diszipliniert und gleichzeitig leger sitzt er an einem der kleinen Tische im »barfusz«, trinkt seinen Milchkaffee, ordert noch eine Schachtel f6 und erzählt dann, wie das alles so weit gekommen ist, mit ihm und der Mode.

Denn eigentlich erwartet man von einem, der sein Architekturstudium abgebrochen hat, um gleich darauf eine Bar zu eröffnen, keine Lobeshymnen auf uniformiertes Auftreten. »Die wilden Zeiten sind vorbei«, sagt er, »ich bin nun auch mal erwachsen geworden.« Erwachsen. Das heißt bei ihm: Er hat für sich den Bereich gefunden, in dem er kontinuierlich arbeiten kann. Auch wenn es sich dabei um einen recht unruhigen handelt.

Mit dem 1999 aus der Taufe gehobenen Streetwear Label »Capone« hat er zu seinen besten Zeiten knapp eine Million Euro Umsatz im Jahr gemacht. Doch diese Zeiten schienen, nach immer wieder auftretenden Finanzproblemen und Insolvenzen von Geschäftspartnern, erst einmal weit entfernt zu sein. »Capone« liegt vorerst auf Eis. »Es gibt uns aber noch. Wir strukturieren uns neu und entschlacken vieles. Für den Markt und die Klientel sind wir sowieso nie weg gewesen.«

Aber Leipzig und Mode, passt das überhaupt zusammen? Ganz automatisch kommen einem Städte wie Mailand, London oder Paris in den Sinn, wenn man an die Laufstege der Welt und das dicke Geschäft dahinter denkt. »Ein bisschen gefährlich ist es schon in Leipzig, denn es hat etwas von einem Gefängnis. Man muss sich ständig von der Frosch- in die Storchperspektive erheben, um über den Tellerrand hinausblicken zu können«, erzählt Laube.

Ganz andere Gefahren als kreative Zauderei und Provinzlertum hatte Laube unterdessen in seinem turbulenten Leben schon zu überwinden. Seit seiner frühen Jugend in der Graffiti- und HipHop-Szene aktiv, kam er viel rum in der frisch wiedervereinigten Republik. »Ein fahrender Zug gehört schon unbedingt mit zu den Grundlagen«, sagt er und setzt einen Beat-Street-mäßigen Blick auf. Es blieb jedoch nicht beim bloßen Sprühvergnügen, zumindest nicht für verschiedene Leute aus seiner Crew. Einige von ihnen wurden verhaftet. Laube bekam zwar keine zehn Jahre, wie ein Crewmitglied, saß aber trotzdem sechs Monate in Untersuchungshaft. »Dann musste ich drei Jahre auf mein Urteil warten und wurde freigesprochen. Alles andere hat auch niemanden zu interessieren.« Die Zeit im Knast nutzte er, der einer Leipziger Gastronomenfamilie entstammt, um die ersten Entwürfe für »Capone« zu zeichnen. Initiationserlebnisse ergeben sich in den abwegigsten Situationen.

Vom Gangmitglied also zur Haute Couture? Ganz so weit ist es für den Mittdreißiger noch nicht. »Laufstegmode zu machen, das ist nicht nur ein Traum, das ist ein Ziel.« Laubes aktuelles Projekt nennt sich »Meisterstueck« und im Untertitel »Klein Paris.« Ein wenig Heimatverbundenheit muss sein. »Ich hatte schon immer einen Hang zum Edlen und Feinen, den ich bei ›Capone‹ nicht richtig ausleben konnte.« Und so entwirft und stellt er nun Maßgeschneidertes her, in kleinsten Auflagen und handgearbeitet, und er geht dabei Kollaborationen mit anderen Künstlern ein. Wirklich zufrieden wird András Laube aber womöglich erst sein, wenn er es geschafft hat, die Schuluniform wieder hoffähig zu machen. Er hat noch einiges vor sich.

http://www.meisterstueck-leipzig.com
aus dem kreuzer-Heft 04.10

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