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Ein Leipzigmärchen

Nun ist es definitiv: Die Kinowelt geht nach Berlin

Es schien das perfekte Märchen zu sein für eine Stadt mit großen Träumen. Es war einmal im Jahre 2003, als der schillernde Held Michael Kölmel mithilfe von Krediten der Sparkasse Leipzig seinem insolven­ten Münchner Filmunternehmen an der Pleiße zu neuem Leben verhalf. Die Kinowelt gedieh in Leipzig prächtig. Doch dann griff Kölmel zu den Sternen und wollte der Firma noch größeren Erfolg bescheren, indem er sie nach Frankreich verkaufte. Aus Unternehmenssicht liegt er vermutlich richtig. Doch Canal Plus entpuppte sich als böse Hexe, die Kölmel und Leipzig das Happy End versaute, weil sie die Kinowelt nach Berlin verlegt.

Es schien das perfekte Märchen zu sein für eine Stadt mit großen Träumen. Es war einmal im Jahre 2003, als der schillernde Held Michael Kölmel mithilfe von Krediten der Sparkasse Leipzig seinem insolven­ten Münchner Filmunternehmen an der Pleiße zu neuem Leben verhalf. Die Kinowelt gedieh in Leipzig prächtig. Doch dann griff Kölmel zu den Sternen und wollte der Firma noch größeren Erfolg bescheren, indem er sie nach Frankreich verkaufte. Aus Unternehmenssicht liegt er vermutlich richtig. Doch Canal Plus entpuppte sich als böse Hexe, die Kölmel und Leipzig das Happy End versaute, weil sie die Kinowelt nach Berlin verlegt.

Noch im Januar berichtete der kreuzer von den Umzugsplänen des großen Filmunternehmens, während die Kinowelt beschwichtigte. Doch Pustekuchen, nun steht es fest: Mitte des Jahres zieht die Firma in die Hauptstadt um. Der Stadt gehen 129 Mitarbeiter und jährlich 1,6 Millionen € Gewerbesteuereinnahmen verloren. Vor allem ist der Umzug ein erheblicher Imageschaden für den Medienstandort Leipzig.

Die Entscheidung habe »strategische Gründe«, verkündete das Filmunternehmen im März. »Kinowelt wird damit näher an seine Geschäftspartner wie Fernsehsender, Filmproduzenten, Verlage, Dienstleister und Agenturen heranrücken.« Zudem sei Berlin die kommende europäische Filmmetropole. Warum die Nähe zur Hauptstadt nicht gereicht hat, bleibt ein Geheimnis der auf Metropolen geeichten Franzosen.

Neben vielen Mitarbeitern hat sich auch Michael Kölmel diesen Umzug nicht gewünscht. Während die Kinowelt ihre zwei angemieteten Villen in der Karl-Tauchnitz-Straße 4 und 10 verlässt, wird Kölmel nun allein in seinem Eigentum, der Nummer 6, ausharren. Ihm bleiben die Produktionsfirma Filmaufbau Leipzig, Zweitausendeins und das Zentralstadion, dem durch die Fußballer von Red Bull doch noch Erfolg beschieden sein könnte.

War der Umzug wirklich nicht zu verhindern? Der Wirtschaftsminister Uwe Albrecht »bedauert es zutiefst«. In einer Pressemitteilung gab er bekannt, dass die Kommune der Canal-Plus-Gruppe »eine Vielzahl an Maßnahmen, wie zum Beispiel attraktive Förderszenarien und Standortalternativen« offeriert habe. Trotzdem gehören die Instrumente der Wirtschaftspolitik auf den Prüfstand. Warum munkelt man in Filmfachkreisen, Sachsen sei wenig attraktiv für Medienunternehmen, während ihnen in Nord­rhein-Westfalen der rote Teppich ausgerollt werde? Und wieso glänzten die Stadtväter bei Veranstaltungen der Kinowelt stets durch Abwesenheit?

Aus Sicht der Verlassenen ist der Umzug schlichtweg traurig. Zu schön war es, diesen namhaften Filmrechtehändler, DVD-Anbieter und Kinoverleiher in Leipzig zu wissen. Zu schön war es, wenn Megaerfolge wie »Deutschland. Ein Sommermärchen« zugleich ein Teil des Leipzigmärchens waren. Der Traum ist aus. Die nächste Olympiade kommt bestimmt.


Film | aus dem kreuzer-Heft 04.10

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