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Rösten für eine bessere Welt

Kaffeesommelier Ronny Alber setzt auf exquisite Kaffeesorten und fairen Handel

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Alber und seine Kollegen arbeiten an einer langfristig ausgerichteten, fairen und transparenten Zusammenarbeit mit den Kaffeebauern aus Brasilien, Äthiopien, Mexiko, Guatemala, Ecuador und Kamerun. Einige Kaffeetrinker beginnen zunehmend, soziales und ökologisches Bewusstsein entwickeln. Deshalb können sich kleine Röstereien mit Anspruch wie die von Ronny Alber am Markt behaupten.

Kaffeebohnen rotieren in einer silbernen Metalltrommel und verströmen einen zarten Duft. »Anfangs riechen sie ein wenig wie Brot«, sagt Ronny Alber und lässt die Bohnen aus der Röstmaschine in einen Eimer prasseln. Hier ruhen sie noch ein bis zwei Tage, bis sie ihr volles Aroma entfaltet haben und abgepackt werden. Alber, der seit zwei Jahren seine Kaffeerösterei in Wiederitzsch betreibt, setzt auf langsame, schonende Verarbeitung. 15 bis 20 Minuten lang lässt er seinen Kaffee bis in den Kern durchrösten. »Auf diese Weise verliert der Kaffee an Säure und wird bekömmlicher als industriell verarbeiteter Kaffee«, erzählt Alber. Die industrielle Röstung arbeitet mit höheren Temperaturen und gönnt den Bohnen normalerweise nur wenige Minuten Hitze.

Jeden Morgen läuft seine traditionelle Trommel-Röstmaschine im hinteren Teil des Ladens. Er röstet jeweils nur eine Sorte Kaffee, denn »gute Kaffees sind so unterschiedlich, dass jede Sorte eine eigene Spezialität darstellt«, sagt Alber. Der 37-Jährige stammt aus einer Bäckerfamilie, was seine Affinität zum Handwerk geprägt hat. Seine Leidenschaft für den Kaffee tat ihr Übriges und brachte schließlich seinen ausgefallenen Berufswunsch hervor: In Wien ließ sich Alber zum Kaffeesommelier ausbilden.

Mindestens einmal im Monat fährt er nach Hamburg, um mit grünem Rohkaffee gefüllte Leinensäcke in einem Lager einzukaufen. Gemeinsam mit anderen Kaffee-Röstern kauft Alber die Bohnen von Kooperativen in den Anbauländern. Seine Kaffees stammen aus Brasilien, Äthiopien, Mexiko, Guatemala, Ecuador und Kamerun. Alber und seine Kollegen arbeiten an einer langfristig ausgerichteten, fairen und transparenten Zusammenarbeit mit den Kaffeebauern. Dazu gehört, angemessene Preise zu zahlen und Lösungen zu fi nden, wenn mal etwas schiefgeht. Gerade gibt es Probleme in Guatemala. Wegen Ernteausfällen wird vermutlich nur die Hälfte der vorbestellten und teilweise vorfi nanzierten Ernte geliefert. »Aber wenn wir die Kooperativen hängen lassen, dann gibt es sie womöglich irgendwann nicht mehr«, sagt Alber. Durch Besuche vor Ort verschaffen sich ein oder zwei seiner Kollegen regelmäßig Einblick in die sozialen und ökologischen Bedingungen des Kaffeeanbaus. Alber hat den Plan, eines Tages mitzufahren – wenn er genügend Zeit und Geld aufbringen kann. »Dafür muss ich aber noch viel Kaffee verkaufen «, sagt er und lacht. Ihm ist es wichtig, erzählen zu können, wo sein Kaffee herkommt. Seinen Kunden vermittelt er, wie viel Arbeit in ihrem täglichen Genussmittel steckt.

Mit der Kaffeeindustrie, die aufgrund großer Abnahmemengen die Preise drücken kann, können kleine Röstereien wie seine nicht mithalten. Deswegen kommt es Röstern wie Ronny Alber zugute, dass einige Kaffeetrinker zunehmend soziales und ökologisches Bewusstsein entwickeln. »Viele Kunden interessieren sich dafür, was hinter dem Produkt steht«, sagt er. Inzwischen zählen sowohl private Kaffeegourmets, die in seinem Laden oder über den Online-Shop kaufen, als auch Abnehmer aus dem Feinkost- und Gastronomiebereich zu seinen Kunden.

Kaffeerösterei Alber, Lindenstr. 31, 04158 Leipzig- Wiederitzsch, Tel. 2 00 80 22, Mo, Mi, Fr 14-18 Uhr, Sa 9-12 Uhr
Foto 1: dreamstime, Foto 2: Ander-Donath

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