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Bang Bang, they shot them down

Der Film »The Bang Bang Club« zeigt das Leben und Arbeiten von vier Kriegsfotografen

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Vier junge Männer auf der Jagd nach dem besten Foto. Nach dem Skandal, nach dem Erschreckenden, nach dem menschlichen Drama, dem sie ein Gesicht geben wollen. Es ist wie ein Spiel. Bang, bang, auf geht’s.

Ein Kind, das fast nur noch ein Skelett ist, sich vor Hunger in der Wüste krümmend, ein paar Meter weiter ein Geier der nur darauf wartet, dass es stirbt. Mit diesem Foto gewann Kevin Carter den Pullitzer-Preis. Ein paar Monate später brachte er sich um.

Carter war Kriegsfotograf, er und seine drei Kollegen wurden der »Bang Bang Club« genannt. Ihre Geschichte erzählt der gleichnamige Film. Bang Bang wie Schüsse, die ständig neben ihnen einschlagen. Bang Bang wie Partys, die krachen. Und all das mitten in den Apartheidskämpfen Südafrikas Anfang der Neunziger. Sie sind weiß, sie sind unantastbar, sie schießen nur Fotos.

Greg Marinovich ist neu in dem Business, ein Talent, wie ihm bescheinigt wird, nachdem sein Foto eines brennenden, sterbenden Mannes um die Welt ging. Er zögerte: »Hört auf zu töten.« – »Hör du auf, Fotos zu machen.« Am Ende hört niemand auf. Die Kämpfe gehen weiter, die Fotografen machen weiter ihre Bilder. Der Krieg ist ihr Glück, ihr Job, ihr Adrenalinbeschaffer. Tagsüber ziehen sie in den Krieg, nachts um die Häuser. Zum Runterkommen.

Der Film des südafrikanischen Regisseurs Steven Silver zeigt die zwiegespaltene Welt der Kriegsfotografen. Zeigt die vier als sensationsgeile Arschlöcher, als zynische Ignoranten, aber auch als leidende, daran zu Grunde gehende Charaktere, denen auch Partys, Sex und Drogen nicht mehr helfen können. Er stellt Fragen nach der Moral der Geschichte. Müsste man den Menschen nicht helfen? Mehr für sie tun? Oder reicht es, die Welt darauf aufmerksam zu machen? Nur das zu tun, was man wirklich kann, also Fotos machen? Er beantwortet sie nicht. Auch der Film zeigt nur.

Zeigt das Leben, die Konflikte, den Antrieb des Bang Bang Clubs. Geht nicht darauf ein, was sich in den Townships von Südafrika wirklich abspielt, erklärt nicht den Hintergrund der Kämpfe, lässt Nelson Mandela nicht vorkommen. Der Film unterhält im besten Hollywood-Stil. Die Hauptdarsteller sind schön anzusehen, die Szenen voller Action, die Handlung voller Spannung. Und doch bleibt nach dem Sehen ein ungutes Gefühl. Nicht nur, weil erst im April in Libyen die beiden Kriegsfotografen Tim Hetherington und Chris Hondros ums Leben kamen.

Auch Bang Bang Club Fotograf Ken Oosterbroek wurde beim Arbeiten im Gefecht tödlich getroffen. Kollege Kevin Carter ging daran zugrunde: »Ich werde verfolgt von Erinnerungen an das Morden, an die Leichen, an die Wut, an den Schmerz, an verhungernde und verwundete Kinder, an schießwütige Irre«, schrieb er in seinem Abschiedsbrief 1994. Auf die Frage, ob er dem verhungernden Kind geholfen hat, antwortet er nichts.

»The Bang Bang Club«
R: Steven Silver; D: Ryan Phillippe, Taylor Kitsch, Frank Rautenbach, CAN/SA 2011, 107 min
ab 23.6., Schauburg

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