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Musik in der Vertikalen

Das Festival Hof Klang 2011 spielt neue Klänge in alten Innenhöfen

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Ist es der Gegenstand oder seine Erscheinung? Und liegt es wirklich nur an der Neuen Musik, wenn sich die Einstellung ihr gegenüber in vorsichtiger Distanz übt? Sind es nicht ebenso häufig die Verpackungen, die abschrecken? Mit architektonischem Vokabular gesprochen: Der Eingangsbereich fällt mangelhaft aus.

»Wie gelingt es, die Barrieren einzureißen?«, fragte sich Steffen Kühn, als er die Stadt 2007 um eine Veranstaltungsreihe für zeitgenössische Musik an eher ungewöhnlichen Aufführungsorten bereicherte. Kühn holte die Neutöner in die Passagen und Höfe der Innenstadt.

Der Leiter des Hof Klang-Festivals ist eigentlich Architekt, sein Interesse am Neuen machte ihn zum Liebhaber Neuer Musik. Sein Architektur-Background sensibilisiert ihn für die Räume, in denen Musik entsteht und gespielt werden kann. »Der aktuelle Klang, der für heute gut ist, soll nicht in Schuhkästen des 19. Jahrhunderts sitzen«, sagt er und meint die Salons und Konzertsäle jener Zeit.

Kühns Vision war und ist es, Räume zum Arrangeur der Musik zu machen und damit nebenbei das reiche Erbe der Höfe und Passagen in der Innenstadt zu erschließen. In einer Art »Versuchsaufbau« geht es ihm darum zu probieren, »welche Musik hier gut funktioniert und gut klingt«. Hauptaustragungsort des Festivals ist folglich kein Kammermusiksaal, sondern der blau gekachelte Innenhof in Selters Haus in der Nikolaistraße 47. Kontrabassist und Hof-Klang-Interpret Tobias Lampelzammer unterstützt dieses Jahr außerdem die künstlerische Leitung, und die Soundkünstlerin Cornelia Friederike Müller verantwortet die sogenannte Blue Lounge am Ende des ersten Konzertabends mit live erzeugter elektronischer Musik. Weitere beteiligte Musiker sind die Sopranistin Claudia Herr, der Schlagzeuger Gerd Schenker und das Sonar Quartett aus Berlin.

Doch natürlich wird ein Raum nur halten, was die Musik verspricht. Motto des aktuellen Hof-Klang-Programms ist das Streichquartett, die meisten Stücke entstammen dem 2010 ausgeschriebenen Kompositionswettbewerb. Dieser Ausschreibung lag zusätzlich ein Bauplan des Hofes bei, wodurch der Aufführungsort bereits zum integralen Bestandteil der Komposition wird. Und wie erscheint der Gegenstand? Kühn: »Wir stapeln die Musik vertikal, auf vier Balkonen«. Erfreulicher Nebeneffekt: die GEMA-Gebühren, für die nur die Grundfläche zählt, fallen günstiger aus.

Hof Klang 2011: 7./8.7., 20.30 Uhr, Selters Haus, 9.7., 11 Uhr, Bosehaus, http://www.hofklang.de

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