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Heimatsuche, Leichenfahrt und das Leben der Maya

Die Filmstarts der Woche

Unterwegs mit einer Leiche: »Die Reise des Personalmanagers« Größeres Bild

Donnerstag ist der Montag der Kinowoche. Denn heute starten wieder die neuen Filme in den Lichtspieltheatern dieser Stadt. Eine Auswahl.

Den Weg in die Heimat einer verstorbenen Bäckereigehilfin treten in Eran Riklis neuem Film »Die Reise des Personalmanagers« der Personalmanager der Bäckerei, ein schräger Vizekonsul, ein nervtötender Reporter, ein trinkfreudiger Fahrer und der widerspenstige Sohn der Verstorbenen an – um die Tote in ihre Heimat zu überführen. Riklis (»Die syrische Braut«, 2005) erzählt in seinem neuen Film auf humorvolle Weise vom Überschreiten von Grenzen – ob nationaler, politischer, emotionaler oder persönlicher Natur. Sein Film gewann 2010 den Publikumspreis beim Filmfestival in Locarno und wurde von Israel für den Oscar in der Rubrik »Bester ausländischer Film« eingereicht (ab 1.12., Schauburg, Passage Kinos).

Das Kinodebüt von Samira Radsi »Anduni – Fremde Heimat« ist ein tragikomischer wie liebenswerter Film über das tiefe Bedürfnis nach einem festen Platz, nach Heimat und Verortung, und über die Wichtigkeit, sich plötzlichen Veränderungen im Leben zu stellen. In dem Fall muss sich die junge Belinda mit der skurrilen Welt ihrer armenischen Familie auseinandersetzen, vor der sie eigentlich Reißaus genommen hat – um in einer fernen Stadt ein selbst bestimmtes Leben zu genießen. Doch der plötzliche Tod ihres Vaters wirft die junge Frau in die ihr fremd gewordene Welt ihrer armenischen Großfamilie zurück. Belinda begibt sich auf die Suche nach ihrer eigentlichen Heimat (ab 1.12., Schaubühne Lindenfels).

Etwas esoterisch angehaucht geht es in der Kinobar zu, wo der Film »Herz des Himmels, Herz der Erde« startet, der sich ganz im Zeichen des 21. Dezember 2012 ansiedelt. Dem Ende des Maya-Kalenders sozusagen und jenem Datum, das seit Jahren unzählige Weltuntergangsfilme und Esoterikbücher umkreisen. Die Heimat der etwa neun Millionen heutigen Maya in Mexiko und Guatemala ist ein perfekter Mikrokosmos, um zu zeigen, wie die ungehinderte Ausplünderung die Erde zerstört. Der Film folgt sechs jungen Maya in ihrem Alltag, ihren Zeremonien und ihrem Widerstand gegen die Bedrohung ihrer Kultur und Umwelt. Nicht als unabwendbare Prophezeiung verstehen sie das Ende des Maya-Kalenders, sonders als Schließen eines Kreises und als möglicher Beginn einer neuen Zeit (ab 1.12., Kinobar Prager Frühling).

Außerdem laufen diese Woche eine wunderbare Version des zeitlosen Klassikers »Jane Eyre« an (ab 1.12., Passage Kinos, Kritik siehe kreuzer 12/2011) und »London Boulevard«, ein smarter Krimi in bester Tradition des britischen Gangster-Genres (ab 1.12., CineStar Leipzig). Unser Autor Martin Schwickert hat den Film schon vorab gesehen.

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