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Expandieren, einsparen, entlassen

Bei der LVZ wechselt nicht nur der Chefredakteur

Es wird noch leerer im Peterssteinweg. Größeres Bild

Der Leipziger Volkszeitung wird der Geldhahn zugedreht. Bis 2013 möchte der Verlag Madsack in Leipzig zwei Millionen Euro einsparen, dabei wächst der Konzern seit Jahren kräftig.

Der Stellenabbau bei der Leipziger Volkszeitung (LVZ), über den schon seit Langem Gerüchte kursierten, ist beschlossene Sache. Es gehe um 53 Arbeitsplätze, bestätigte eine Sprecherin des Verlagshauses Madsack, das die LVZ herausgibt, auf Anfrage. Bis zu 30 Arbeitsplätze sollen bis 2013 in der Redaktion wegfallen, weitere 23 Stellen stehen im Verlag zur Disposition. Nach Angaben des Betriebsrates sind bei der LVZ 116 Redakteure beschäftigt. Doch so genau scheint das niemand zu wissen. So spricht beispielsweise der Geschäftsführer der Leipziger Verlags- und Druckereigesellschaft von 140 Stellen.

Die Arbeit der Mantelredakteure, die für den überregionalen Teil zuständig sind, solle künftig von der gemeinsamen Berlin-Redaktion des Madsack-Konzerns übernommen werden, erklärte der LVZ-Betriebsratschef Jens Heeg. Die Zahl der Korrespondenten in Berlin werde sich dafür leicht auf 20 bis 25 Stellen erhöhen. Der Korrespondenten-Pool existiert bereits seit März 2010. Seitdem gehen dessen Berichte an alle Madsack-Blätter, zum Beispiel an die hochauflagigen Tageszeitungen Hannoversche Allgemeine und Lübecker Nachrichten. Die Redakteure der einzelnen Blätter brauchen nur noch Bestellungen über einzelne Texte aufzugeben.

Damit werden kaum noch Mantelredakteure in Leipzig gebraucht. Wie viele von ihnen in Leipzig verbleiben und wie viele Stellen abgebaut werden, sei noch nicht entschieden, sagte die Madsack-Sprecherin. Die LVZ-Geschäftsführung schließt betriebsbedingte Kündigungen nicht aus, sollten sich nicht genügend Freiwillige für Altersteilzeit und Abfindungen finden. Die Gespräche mit Redakteuren, die in Altersteilzeit gehen könnten, haben begonnen, heißt es.

Das Vorgehen des Medienkonzerns kommt nicht überraschend. Ähnlich wie bei anderen Regionalzeitungen in Ostdeutschland ist die Auflage der LVZ seit der Wende massiv zurückgegangen – allein zwischen 2003 und heute von 285.000 auf rund 209.000 verkaufte Exemplare. Darum wurde der Druck immer größer, die personelle Ausstattung anzupassen.

Dazu kommt, dass der Madsack-Verlag schon länger einen harten Sparkurs fährt – trotz voller Kassen. Der Konzern expandiert massiv, vor allem im Osten. Kürzlich wurde bekannt, dass Madsack zum Jahresende die Märkische Allgemeine, die größte Abonnementzeitung Brandenburgs, ins Verlagsimperium aufnehmen will. Bislang gehörte sie zum Verlag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Madsack wuchs schon in den vergangenen beiden Jahren sprunghaft, als er einen Großteil der Regionaltitel aus dem Hause Springer aufkaufte. Kostenpunkt: 310 Millionen Euro. Madsack sei bis an die Grenze des finanziell Machbaren gegangen, glaubt Branchenexperten Horst Röper. Die Folge: Die neuen Erwerbungen müssen alsbald zurechtgestutzt werden. Zum Deal mit Springer gehörten auch LVZ und Dresdner Neueste Nachrichten (DNN), an denen Springer Anteile von 50 Prozent hielt. Madsack besitzt nun Regionalzeitungen in acht Bundesländern und konnte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 608 Millionen Euro sowie einen Überschuss von mehr als zehn Millionen Euro verbuchen.

Unterdessen ist klar, wer die Nachfolge des ehemaligen LVZ-Chefredakteurs Bernd Hilder antritt. Jan Emendörfer, bis jetzt Chefredakteur der Ostseezeitung, wird am 1. April 2012 die unbesetzte Stelle an der Spitze übernehmen. Die größte Regionalzeitung für Mecklenburg-Vorpommern gehört wie die LVZ zum Madsack-Konzern. Der 48-jährige gebürtige Hallenser arbeitet seit 1990 bei der Ostseezeitung. Bernd Hilder verließ den LVZ-Chefposten nach seiner gescheiterten Kandidatur für die Wahl zum MDR-Intendanten. Er leitet in Zukunft das Brüsseler Korrespondenten-Büro von Madsack.

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