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Von der bayerischen Provinz zur Beat-Generation

Die Filmstarts der Woche

»Eine ganz heiße Nummer« Größeres Bild

Neues auf der Kinokarte: Drogenexzesse, erotische Telefonhotline, ehemalige Klassenfeinde und die zarten Knospen der ersten Liebe. Die Filmstarts diese Woche bergen eine bunte Themenvielfalt. Da müsste doch für jeden etwas dabei sein.

Marias (Bettina Mittendorfer) Lebensmittelladen in einem kleinen katholischen Dorf mitten im Bayerischen Wald steht vor dem finanziellen Aus. Die Bank hat den Kredit gekündigt und die Stammkundschaft fährt lieber in den nahegelegenen Supermarkt, um den Wocheneinkauf zu erledigen. Da kommt Maria eine Idee: Mit einer erotischen Telefonhotline will sie genug Geld verdienen, um die Schließung des Ladens zu verhindern. Auf selbstgedruckten Handzetteln wirbt sie mit ihren Kolleginnen Waltraud und Lena für ihren neuen Service. Nach ersten Anlaufschwierigkeiten à la »Was sagt man denn da so?« sorgen die drei als Maja, Sarah und Lolita für Furore in der niederbayerischen Provinz. Doch die gewinnbringende Idee hat auch ihre Tücken. Nach einer Drehbuchvorlage von Andrea Sixt (»Workaholic«) hat Regisseur Markus Goller seinen warmherzigen Heimatfilm »Eine ganz heiße Nummer« mit viel Lokalkolorit umgesetzt. Die Geschichte um das erfinderische Damen-Trio startet heute in der Kinobar Prager Frühling.

»Liebe? Was ist das? Das natürlichste Schmerzmittel überhaupt«, hat der 83-jährige William S. Burroughs am 2. August 1997 kurz vor seinem Tod als letzten Gedanken in sein Tagebuch geschrieben. Burroughs war Kultfigur der Beat-Generation, Pionier der Gegenkultur und Drogenpapst: Ausgemerkelt wandelt er durch die Bilder des ihm gewidmeten Dokumentarfilmes »William S. Burroughs – A Man Within« und versammelt Wortmeldungen seiner Freunde, Weggefährten und Bewunderer um sich herum. Während Iggy Pop nach Burroughs-Zitaten kramt, gesteht ihm Patti Smith noch einmal ihre Liebe. Regisseur Yony Leyser startet in seinem Film den Versuch, den Menschen zu ergründen, der aus Versehen seine Frau erschoss und dessen Werk den Konservatismus seiner Zeit bis ins Mark erschütterte. »William S. Burroughs – A Man Within« ist das intime Porträt eines extremen Grenzgängers und ab heute in der Schaubühne Lindenfels zu sehen.

Darüber hinaus startet in der Schauburg Leipzig der Wirtschaftsthriller »Das System – Alles verstehen heißt alles verzeihen« von Marc Bauder (Kritik von unserem Autoren Dieter Osswald gibt es hier). Die Passage Kinos eröffnen die neue Kinowoche unter anderem mit dem Kinderfilm »Anne liebt Philipp« über die zarten Knospen der ersten Liebe. Unser Autor Martin Schwickert hat den Film bereits gesehen.

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