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Bizarr oder herzlich? Egal, Hauptsache Kino

Sommer, Sonne, Fußball-EM – oder die Neustarts dieser Kinowoche

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Seit fast einer Woche rollt der Ball unablässig von einem Tor zum anderen, und die Projektoren in den Kinos dieser Stadt machen trotz Fußball-EM keine Verschnaufpause. All jene, die sich dieser Tage trotz Public Viewing nicht für den Rasensport begeistern können, sei das französische Teenagerdrama »17 Mädchen« ans Herz gelegt. Ein Film, der den Vermerk trägt, dass träumende Mädchen nicht aufzuhalten seien. Bleibt zu hoffen, dass der Traum vom Europameistertitel auch Jogis Elf Flügel verleiht.

Trostlos und karg wirkt der Alltag, den der griechische Regisseur Giorgos Lanthimos in seinem neuen Film »Alpen« vor dem Zuschauer ausbreitet. Unter dem Namen »Die Alpen« bieten darin vier äußerst bizarre Figuren eine ungewöhnliche Dienstleistung an: Gegen Bezahlung schlüpfen sie in die Rolle kürzlich Verstorbener, um deren Familien beim Trauern zu unterstützen bzw. die Trauer zu erleichtern. Lanthimos‘ Film ist eine Perle, die die kreative Kraft des jungen griechischen Filmschaffens zeigt. Die Schaubühne Lindenfels zeigt im Griechenland-Doppel vom 14. bis 21. Juni mit »Alpen« und »Attenberg« (eine Besprechung finden Sie im aktuellen kreuzer) zwei Filme, die stellvertretend für eine Generation von Filmemachern stehen, die ihrem krisengebeutelten Heimatland ein innovatives Filmschaffen entgegenstellt.

Ai Weiwei ist der prominenteste chinesische Gegenwartskünstler und schärfste Regimekritiker im eigenen Land. Er ist Teil der internationalen Kunstszene und der globalen Popkultur. Im April 2011 verschwindet Ai Weiwei spurlos. Weltweit regt sich Protest. Nach drei Monaten ist er plötzlich wieder da. Seit Juni 2011 steht Ai Weiwei unter politischem Hausarrest. Die junge Regisseurin Alison Klayman hat den international gefeierten Künstler und Aktivisten drei Jahre lang begleitet, mit langjährigen Wegbegleitern gesprochen und sehr persönliche Gespräche zwischen dem Künstler und seiner Mutter aufgezeichnet. Der Dokumentarfilm »Ai Weiwei – Never Sorry« gewährt einen persönlichen Einblick in das Leben und Schaffen Ai Weiweis. Ab heute in der Passage.

Salford, Nordengland 1976: Die geschrumpfte, aber darum nicht weniger wild bewegte Familie Khan schlägt sich mit Ach und Krach durchs Leben. Sajid, der jüngste Spross, schwänzt die Schule und probt den Aufstand gegen Papa Georges hinterwäldlerische Erziehungsideale. Der weiß zum Leidwesen seiner besseren Hälfte Ella nur noch einen Rat: Auf in die ferne Heimat, damit der Junge dort die guten alten Werte kennenlernt. »West Is West« erinnert nicht nur im Titel an seinen Vorgängerfilm »East Is East«. Auch inhaltlich knüpft der Film an die britische Erfolgskomödie von 1999 an. Schon damals war George vor ganz ähnliche Probleme mit seiner Nachkommenschaft gestellt. In beiden Geschichten hat Drehbuchautor Ayub Khan-Din seine Erfahrungen als Salforder Grenzgänger zwischen zwei Kulturen verarbeitet. »West Is West« ist ab heute in den Passage Kinos zu sehen.

Unser Autor Martin Schwickert hat sich für uns das wunderbare Spielfilmdebüt der französischen Filmemacherinnen Delphine und Muriel Coulin, »17 Mädchen«, angesehen. Zweifelsohne einer der gelungensten Filme dieses Kinosommers.

Weitere Neustarts und Filme finden Sie auf unserer Onlineseite und im aktuellen kreuzer.

Haben Sie viel Spaß im Kino!

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