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Lass es spritzen, Baby

Die Kolumne aus dem Heft: Der Bitprofessor

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Der Bitprof beschäftigt sich mit Blut und anderen Körpersäften sowie dem Sperma Jesu.

Blut ist der einzige Körpersaft, der in Videospielen vorkommt. Spucke, Schweiß, Tränen, Sperma, Muschisaft, Paraurethraldrüsensekret, Urin, Erbrochenes, Popelmasse, Durchfall, Ohrenschmalz und Pickelinhalt – all das wird nahezu ignoriert in der elektronischen, audiovisuell-interaktiven Unterhaltung. Und nicht nur dort. Kleine Ausnahmen bestätigen die Regel.

Doch warum wird gerade dem Blut gehuldigt, also jenem Körpersaft, der zumindest bei der zentralen Zielgruppe von Computerspielen nur unter Gewalteinwirkung aus dem Körper tritt? Die Antwort ist einfach und gilt auch für andere Medien: Alle Körpersäfte, außer Blut, sind tabuisiert und werden als eklig eingestuft. Offenbar ist die Darstellung von Blut (als Symbol für Gewalt und Tod) weniger gesellschaftlich geächtet als die der anderen Sekrete, die doch viel eher ein Zeichen von Lebendigkeit sind. Was zum Beispiel ist so schlimm an einer ordentlichen Ladung Sperma oder besagtem Paraurethraldrüsensekret? Immerhin stehen diese Substanzen für Liebe, Freude, Glück und Leidenschaft.

Vermutlich sind, wie immer, die unseren Kulturkreis bestimmenden monotheistischen Religionen schuld an diesem Phänomen. Es soll ja selbst hierzulande Menschen geben, die regelmäßig das Blut Jesu trinken. Das stumpft natürlich ab. Würden sie auch sein Sperma schlucken oder das Ejakulat der heiligen Maria?

Natürlich nicht. Was bleibt, ist ein Akt der Sublimierung im freudschen Sinne, nach dem mit der Hinwendung zu Blut und Tod von dem abgelenkt wird, worum es wirklich geht: dem Austausch von mehr lebensbejahenden Körperflüssigkeiten.

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