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Fingerübungen, Geballer, surreale Trips

Die Kinostarts im Überblick

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Wie viel ein Mensch ertragen kann, das Ende zahlreicher DDR-Betriebe, die Träume eines krebskranken Jungen, ein liebestoller Kubaner und die Leben des Monsieur Oscar – die Kinostarts erzählen heute Geschichten aus aller Welt, verhelfen greisen Actionhelden zu alter Prügelkraft und schicken den kleinen Falken Kai auf eine wilde Abenteuerreise.

Roman Polanski ist ein international gefeierter Filmemacher, der auf ein bewegtes Leben zurückblickt und nicht minder für seine privaten Talfahrten bekannt ist. In dem Dokumentarfilm »Roman Polanski: A Film Memoir« gewährt der Regisseur im Gespräch mit seinem langjährigen Freund und Weggefährten, dem Produzenten Andrew Braunsberg, einen sehr persönlichen Einblick – er erzählt davon, wie seine Eltern im Zweiten Weltkrieg deportiert und andere Menschen vor seinen Augen ermordet wurden, vom Mord an seiner Ehefrau Shannon Tate und von den Kontroversen um seine Verhaftung im Jahr 1977. Unweigerlich stellt man sich als Zuschauer die Frage – und das nicht nur ein Mal –, wie ein Mensch das alles aushält. Doch Polanski blickt auch auf die guten Momente, erzählt von seinem umfangreichen Schaffen und den Zufällen, die ihn zum Filmemachen geführt haben. »Roman Polanski: A Film Memoir« ist ein intimes Porträt, ein Blick auf ein Leben mit vielen Berg- und Talfahrten und eine Hommage an einen großartigen Filmemacher. Der Film ist in der Schaubühne Lindenfels zu sehen, die darüber hinaus im »Polanski Spezial« weitere Filme des Regisseurs zeigt.

Mal ist er ein Industriekapitän, mal ein Killer, mal ein Bettler, mal ein böser Kobold und manchmal auch ein besorgter Familienvater. Monsieur Oscar (Denis Lavant) schweift von einem Leben ins nächste und schlüpft in verschiedene Rollen. Einen Tag lang begleiten wir ihn auf seinem surrealen Trip durch die französische Hauptstadt auf der Suche nach Identität und Wahrheit. »Holy Motors« von Leos Carax läuft in den Passage Kinos.

Nach London, Barcelona und Paris hat sich Woody Allen auf seiner cineastischen Reise durch die europäischen Metropolen nun von der italienischen Filmförderung nach Rom locken lassen. Der frisch pensionierte Musikproduzent Jerry und seine Frau reisen nach Rom, weil sich ihre Tochter mit dem italienischen Rechtsanwalt Michelangelo verlobt hat. Derweil bekommt das amerikanische Studentenpaar Jack und Sally Besuch von der extrovertierten Schauspielerin Monica, deren oberflächlichem Wesen alle Männerherzen zufliegen. Und der harmlose Büroangestellte Leopoldo wird auf unerklärliche Weise über Nacht berühmt. »To Rome With Love« ist eine Fingerübung eines Regisseurs, der sein Metier beherrscht und augenzwinkernd auf das eigene Schaffen verweist. Die ganze Kritik finden Sie im September-kreuzer. »To Rome With Love« läuft in den Passage Kinos und im CineStar.

Um die volkseigenen Betriebe der ehemaligen DDR zu privatisieren, wurde 1990 die Treuhandanstalt gegründet. Der Gewinn sollte unter den Bürgern der DDR gerecht aufgeteilt werden, doch es kam anders. Ganz nach Manier der globalisierten Marktwirtschaft verkaufte die Treuhand rasant Firmen, Fabriken und Immobilien an größtenteils westdeutsche Investoren. 4.000 volkseigene Betriebe wurden geschlossen und zweieinhalb Millionen Menschen verloren ihre Arbeit. Die Treuhandanstalt verschuldete sich bis zu ihrer Schließung 1994 mit insgesamt 256 Milliarden Mark. Sehr detailreich rekonstruiert der Dokumentarfilm »Goldrausch – Die Geschichte der Treuhand« das größte wirtschaftspolitische Ereignis im Nachkriegsdeutschland. Der Film lässt Zeitzeugen zu Wort kommen wie den ehemaligen Direktor der Treuhand Klaus Klamroth (1990 bis 1992), Politiker oder DDR-Bürgerrechtler. Archivaufnahmen zeigen wütende und verzweifelte Menschen, die vor den Fabriken stehen, in denen sie einst gearbeitet haben, und nun ihre Rechte einfordern. Der Film wirft Fragen auf, die heute noch aktuell sind und zur weiteren Thematisierung dieses Wirtschaftsskandals beitragen könnten. Nach Querelen mit der Produktionsfirma – sie sah Mängel im erzählerischen Duktus – zog sich der Regisseur aus dem Projekt zurück. Das zeigt, wie brisant der Fall ist. »Goldrausch« läuft ab heute in der Schaubühne Lindenfels und vom 6. bis 12. September in der Cinémathèque in der naTo. NATALIE SCHAAF

Havanna, 1948. In einem Nachtclub trifft der junge Jazzpianist Chico auf die Sängerin Rita. Doch schon in der ersten Nacht kommt es zu Reibereien und ihre Wege trennen sich. Ein Musikwettbewerb führt sie wieder zueinander, bevor ein weiterer Streit die beiden zunächst in unterschiedliche Richtungen schickt. Rita geht nach New York, um dort Karriere zu machen. Chico verkauft sein Klavier und folgt ihr. Das Zeichentrick-Musical »Chico & Rita« ist eine bittersüße Liebesgeschichte und ab heute in den Passage Kinos und ab dem 27. September in der Kinobar Prager Frühling zu sehen.

Alte-Herren-Treffen: Die Fortsetzung des Blockbusters »The Expendables« versammelt erneut eine Handvoll altbekannter und auch neuer Action-Schauspieler. Der Trupp um Barney Ross (Sylvester Stallone) wird von Mr. Church (Bruce Willis) für einen Job angeheuert, der zunächst nach leicht verdientem Geld aussieht. Doch der Plan läuft schief und die Expendables begeben sich auf einen Rachefeldzug – mit viel Geballer, bösen Widersachern und noch mehr Testosteron. »The Expendables 2« startet im CineStar und Regina Leipzig.

Der kleine Falke Kai liebt das Abenteuer und als er von der sagenhaften Stadt Zambezia erfährt, die am Rande eines majestätischen Wasserfalls tief im Herzen Afrikas liegt, gibt es für den Falken kein Halten mehr. Gegen den Willen seines Vaters macht Kai sich auf die Suche nach dem titelgebenden Vogelparadies »Zambezia«. Ab heute im CineStar und im Regina Leipzig zu sehen.

Als Emily nach Miami kommt, hat sie nur einen Traum: Sie will professionelle Tänzerin werden. Schon bald verliebt sie sich Hals über Kopf in Sean, der Anführer einer Tanzgruppe ist, die aufwendige Flashmobs veranstaltet. Kein besonders origineller Plot: »Step Up – Miami Heat« läuft im CineStar.

Von einer schweren Krankheit gezeichnet, träumt sich der junge Donald in eine Welt jenseits von Chemotherapie und Schwächeanfällen. Unsere Autorin Anna Wollner hat sich für uns »Am Ende eines viel zu kurzen Tages« angesehen.

Weitere Filme finden Sie hier und im aktuellen kreuzer.

Viel Spaß im Kino!

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