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Menschen als Werkzeug

Die Freitagstipps fürs Dok

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360 Filme aus 62 Ländern zeigt das Dok Leipzig in dieser Woche. »Da ist für jeden was dabei«, hat die Festivalleitung gesagt. Für alle, die sich nicht entscheiden können, hier unsere Tipps für Freitag.

»Mama Illegal« (Internationales Programm)

Was macht man in einem Land, das eine Arbeitslosenquote von 80 Prozent hat? Man versucht die Emigration. Moldawien ist so ein Land, und der Film begleitet Frauen, die dem dortigen Elend entwichen sind und illegal in Italien und Österreich leben. Sie haben Mann und Kinder zu Hause gelassen, um hier Geld für sie zu beschaffen. Als Putzkräfte oder Altenpflegerinnen für Privatleute dienen sie wie freiwillige Sklavinnen. Sie haben weder medizinische Versorgung noch Urlaubsanspruch. Der Film ist dicht an ihnen dran, er begleitet sie in der »westlichen« Welt, wo sie ein Leben sehen, das sie auch gern führen würden, und auch beim Heimatbesuch nach vielen Jahren. Der fällt meist konfliktreich aus – so ist der Film über die individuelle Tragödie hinaus das Dokument einer ganzen zerrütteten Generation. TOBIAS PRÜWER

AT 2011, 95 min, R: Ed Moschitz, 17.30 Uhr, naTo

»Overtime« (Internationaler Wettbewerb für kurzen Dokumentarfilm)

Grobkörnige Schwarzweiß-Bilder zeigen ratternde Maschinen bei der Arbeit, dazwischen Menschen, ebenfalls bei der Arbeit, ebenfalls nur Werkzeug. Sie befinden sich in kargen Räumen, in hässlichen Zweckbauten in einer lieblosen Industrielandschaft mit schwarz rauchenden Schloten. Schuhe, Schmuck oder T-Shirts werden hier gefertigt. Dies ist nicht das Bild, das man für gewöhnlich von Istanbul hat, und die hier arbeiten, stellen den kaum wahrgenommenen Rand der Gesellschaft, an dem das Arbeitsrecht keine Rolle spielt. Schwenk in die Innenstadt: ein Stricher, der Touristen bedient. Auch er am Rand, auch er ein unsichtbares Gesicht. Die ungewöhnlichen Aufnahmen erzeugen eine eigene Poesie und Eindringlichkeit – es entsteht die Frage, was »Made in Turkey« eigentlich bedeutet. FRANZISKA REIF

TR 2012, 20 min, R: Gürcan Keltek, 20 Uhr, CineStar

»The Wait« (Internationaler Wettbewerb für kurzen Dokumentarfilm)

Wenn jemand plötzlich ohne irgendwelche Erklärungen verschwindet, hinterlässt er bei den Menschen, die mit ihm gelebt und ihn geliebt haben, eine riesige Lücke. Filmemacherin Inka Achté porträtiert drei Familien, die so einen Verlust erfahren haben. Der Sohn eines Ehepaares kehrt von einer Party nicht zurück. Eine Frau wartet mit ihrem Sohn vergebens, dass der Mann nach einer kurzen Runde mit dem Auto wieder durch die Haustür kommt. Wir erfahren nicht viel über die Hintergründe des Verschwindens. Lediglich aus dem Off berichten die Hinterbliebenen von jenem letzten Tag. Sie wenden sich an die Vermissten, fragen nach dem Warum und fürchten zugleich die Wahrheit. Eindrucksvoll bebildert Achté diesen Schwebezustand des Wartens, in dem sich die Familien befinden. Am Ende wartet auch der Zuschauer darauf, dass wenigstens einer von ihnen zurückkehrt. EILEEN REUKAUF

FI/GB 2012, 25 min, R: Inka Achté, 14.30 Uhr, zudem Sa, 22.30, CineStar

 

 Auch empfehlenswert:

Another Night On Earth (Internationaler Wettbewerb)

Sie kommen und gehen: Jede Nacht sitzen andere Menschen im Taxi, erzählen von ihren Ängsten und Nöten und fluchen, als gäbe es kein Morgen. 11 Uhr, CineStar

Mother’s Day (Wettbewerb für junges Kino)

Nur Weniges scheint so widernatürlich wie eine Mutter, die ihr Kind verlässt. Die Mutter des Regisseurs tat es dennoch. Mit detektivischem Elan vollzieht er die Suche nach ihr vor der Kamera. Berührend! 14.30 Uhr CineStar

Heino Jaeger – Look Before You Kuck (Deutscher Wettbewerb)

Der Maler und Kabarettist Heino Jaeger war im Nachkriegsdeutschland ein gefeierter Radiostar, doch seine Karriere endete abrupt. Verwirrender Film über einen Gescheiterten zwischen Genie und Wahn. 20 Uhr Passage Kinos

When Hari Got Married (Internationales Programm)

Der 30-jährige Taxifahrer Hari soll heiraten, doch er hat seine Braut noch nie gesehen. Die Nerven liegen blank. Bollywood-Flair mit sympathischen Helden. 22:15 Uhr Cinémathèque in der naTo

PINK elephants

Neben skurrilen Filmen aus der jungen Animationsfilmszene und der Verleihung der Pink Peanut sorgen Live Acts und DJs für Unterhaltung. 22 Uhr Moritzbastei

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