Startseite / Sport / »Dass die Mannschaft aufgelöst wird, hat uns beflügelt«

»Dass die Mannschaft aufgelöst wird, hat uns beflügelt«

Fridolin Wagner über das Ende der U23 bei RB, Spiele gegen Lok und Zuschauerzahlen

Größeres Bild

Fridolin Wagner spielt am Samstag letztmals für die U23 von RB Leipzig in der Regionalliga. Im Januar gab der Sportdirektor Ralf Rangnick bekannt, dass sich RB künftig auf die U17- und U19-Mannschaften konzentriert zur Förderung von Talenten für die Profimannschaft und meldete die zweite Mannschaft zum Ende der Saison ab. Ein Gespräch über Lok Leipzig, ältere Fußballer und die Auflösung der U23.

kreuzer: Wann haben Sie mit Fußball angefangen?

FRIDOLIN WAGNER: 2002, damals noch beim VfB Leipzig.

kreuzer: Hatten oder haben Sie ein Vorbild?

WAGNER: Anfangs nicht, ich habe nicht so viel Fernsehen geguckt. Vielleicht Toni Kroos, der wurde später mein Lieblingsspieler, aber nicht direkt mein Vorbild. Ich mag einfach seinen Spielstil.

kreuzer: Sie wechselten 2011 zu RB. Was waren die Unterschiede zu Lok?

WAGNER: Am Anfang gab es keine Unterschiede. Da war Lok von den Anlagen her noch viel professioneller als RB. Es hat sich dann mit dem Trainingszentrum stark gewandelt. Aber so ist es nun mal, dass du als Verein eine Entwicklung gehen musst und wenn du die Möglichkeiten hast, solltest du die beste Infrastruktur schaffen. Hier ist mehr Personal, aber es ist auch ein größerer Verein. Es ist alles professioneller.

kreuzer: Als Sie 2014 mit der U17 im Finale der Deutschen Meisterschaft bzw. ein Jahr mit der U 19 im Final Four standen, gab es das heutige Trainingszentrum am Cottawag mit all seinen Möglichkeiten noch gar nicht. Seit dessen Eröffnung spielte weder eine U17 noch U19 um die Meisterschaft. Ist das ein Widerspruch?

WAGNER: Ich glaube, das ist kein Widerspruch. Wir hatten damals unseren Trainer Frank Leicht schon drei Jahre und der kannte die Mannschaft perfekt. Wir hatten gezielt auf einzelnen Positionen gute Verstärkung bekommen und wir hatten das nötige Glück. Aber ich glaube, dass es in den nächsten vier bis fünf Jahren mindestens zwei RB-Nachwuchsmannschaften ins Final Four schaffen werden bzw. die Deutsche Meisterschaft holen. Weil hier so unfassbar viel Qualität in den Mannschaften steckt. Auf kurz oder lang werden es auch Nachwuchsspieler in die erste Mannschaft schaffen.

kreuzer: Wie war das erste Jahr im Männerfußball der Regionalliga?

WAGNER: Das erste Jahr war sehr spannend. Ich bin schon als U19-Spieler in die U23 gekommen, und da hat man den Unterschied zwischen Junioren- und Männerfußball deutlich gemerkt.

kreuzer: Der da wäre?

WAGNER: Der Leistungsdruck im Männerbereich ist höher und es ist sehr interessant, dass auch ältere und gestandene Regionalligaspieler noch an ihre Grenzen gehen, die natürlich auch für ihre Prämien und für ihre Familie spielen. Die älteren Spieler wollen es den Jüngeren zeigen. Das sind Widerstände, die man zuerst einmal überwinden muss. Das ist etwas anderes als wenn du gegen einen 17-Jährigen spielst, der nicht in erster Linie an die Prämie denkt. Das musste ich auch erst einmal lernen. Aber jetzt bin ich im Männerfußball angekommen.

kreuzer: Spielte die höhere Zuschauerzahl eine Rolle?

WAGNER: Also bei unserem Zuschauerschnitt ist das kein großer Unterschied. (lacht)
(Die Mannschaft spielt im 5.500 Zuschauer umfassenden Stadion am Bad in Markranstädt. Bei den letzten Heimspielen sahen ungefähr 140 Menschen zu. Der Heimrekord in dieser Saison lag beim Spiel gegen Lok Leipzig mit über 2.500 Zuschauern, d. Red.)

kreuzer: Aber gegen Lok war es doch schon etwas anderes als gegen Optik Rathenow…

WAGNER: Aber Spiele gegen Lok sind sogar einfacher als gegen Optik Rathenow, weil du nochmal eine andere Motivation hast.

kreuzer: Die zweite Regionalligasaison spielte sich einfacher?

WAGNER: Nein, nicht einfacher. Unser Trainer hatte von Anfang an einen guten Plan und die Mannschaft war natürlich gut zusammengestellt, zudem hatten wir in der Rückrunde einfach einen Lauf. Der Druck war einfach nicht mehr so groß als feststand, dass die Mannschaft zum Ende der Saison aufgelöst wird. Das hat uns teilweise sogar noch beflügelt. Weil sich jeder zeigen wollte und zum Teil an sein Optimum gekommen ist.

kreuzer: Guckt man dann vor dem Spiel hoch auf die Tribüne – wie viele und welche Scouts da sind?

WAGNER: Ich habe da nie hoch geguckt, sondern mich auf das Spiel konzentriert. Mir war egal, wer da war.

kreuzer: Kam die Auflösung der U 23 Mannschaft für Sie überraschend?

WAGNER: Klar, ein Auge trauert und das andere lacht. Es gibt immer mehrere Aspekte. Man muss seine eigene Leistung richtig einschätzen und einordnen, ob die mal für die Erste reichen könnte. Natürlich hätte man gern noch zwei – drei Jahre hier gespielt, aber, ich glaube, dass es für den größten Teil der Mannschaft viele positive Auswirkungen hat. Fast alle Spieler werden in die 2. oder 3. Liga wechseln und können sich dann wieder für höhere Aufgaben empfehlen, und RB hat irgendwie auch sein Nachwuchsziel erreicht – Spieler in die höheren Ligen zu bringen. Vielleicht wird ja in drei Jahren ein Spieler, der jetzt zu einem neuen Verein geht, irgendwo in der Bundesliga zu sehen sein, wer weiß.

kreuzer: Sie haben sich dann sofort umgeschaut und gedacht »Zwickau ist schön« oder hat Alexander Sorge nachgeholfen?

WAGNER: Ja, mit Alexander Sorge habe ich gesprochen, der hat es mir auch schmackhaft gemacht. Ich hatte mehrere Angebote, ich bin aber ein Mama-Kind und Zwickau ist sehr nah und die Gespräche mit dem Verein waren sehr gut. Der FSV ist sehr entwicklungsfähig. Da hat vieles gepasst, auch die Entfernung – anstatt 500 Kilometer in den Westen zu fahren.

kreuzer: Was machen Sie neben dem Fußball?

WAGNER: Ich absolviere ein Studium an der Fernuniversität Hamburg in Wirtschaftspsychologie. Das ist auch optimal mit Zwickau, weil ich in Leipzig meine Prüfungen schreiben kann und die Hausarbeiten kann ich auch in Zwickau erledigen. Einen Laptop kann ich überall mit hinnehmen.

kreuzer: Wie sehen Sie Ihre Perspektive in Zwickau?

WAGNER: Die 3. Liga ist Roulette. Schaffen wir es nächstes Jahr, eine schöne Saison zu spielen? Dann können wir zumindest im Mittelfeld landen. Den Rest wird man sehen.

kreuzer: In welcher Liga sehen Sie sich perspektivisch?

WAGNER: Momentan denke ich 2., 3. Liga, erst einmal. Ich bin ja noch jung und kann mich verbessern und ich denke schon, dass ich bis 33 Fußball spielen kann – wo genau das sein könnte, ist dann die andere Frage.

kreuzer: Wer war Ihr prägender Trainer?

WAGNER: Frank Leicht und Alexander Blessin waren vier Jahre meine Trainer, von der U16 bis zur U19 und haben mir viel beigebracht. Unter ihnen bin ich auch zum U-Nationalspieler geworden. Ihnen habe ich viel zu verdanken. Aber auch bei Robert Klauß habe ich viel gelernt. Und bei Lok natürlich auch…

Fridolin Wagner, 1997 in Leipzig geboren, begann 2002 beim VfB (später Lok Leipzig) mit dem Fußballspiel und wechselte 2011 zu RB Leipzig. In der nächsten Saison spielt er – wie auch sein Teamkollege Anthony Barylla und der ehemalige Kapitän der U 23 Alexander Sorge – in der Dritten Liga beim FSV Zwickau.

Anzeige

Kommentieren

Dein Kommentar

Keine Kommentare

Kommentare sind deaktiviert.