Startseite / Filmkritik / Made in Middlegermany

Made in Middlegermany

Die Kinostarts im Überblick und was sonst Filmisches in der Stadt geschieht

erfindungderwahrheit Größeres Bild

In Leipzig und Umgebung entstehen Filme, von denen man auf den ersten Blick gar nicht vermuten würde, dass sie irgendwas mit der Region zu tun haben. Und doch sind sie nur zustande gekommen, weil sich eine Produktionsfirma aus der Region daran beteiligte. »Die Nile Hilton Affäre« ist ein Politthriller vor dem Hintergrund des arabischen Frühlings in Ägypten. Co-produziert wurde er von Ostlicht Film in Weimar und gewann in diesem Jahr den World Cinema Award beim Sundance Filmfestival. Am 5. Oktober kommt er in die Kinos. »Centaur« (Kinostart im Herbst) erzählt vom Wandel in Kirgisistan, produziert von Pallas Film aus Halle, und »Shalom Italia« ist ein charmanter und berührender Dokumentarfilm der israelischen Regisseurin Tamar Tal (»Life in Stills«), den die Celluloid Fabrik in Leipzig mitproduzierte. Darin machen sich drei Brüder auf der Suche nach der Höhle, die ihnen einst das Leben rettete, als die Nazis in ihr Dorf kamen und die Juden fortschleppten. Mit einem Schmunzeln begleitet die Regisseurin die betagten Herren bei der Spurensuche. Nach einem erfolgreichen Kinostart ist der sehenswerte Film nun noch einmal im Sommerkino zu sehen.

»Shalom Italia«: 8., 15.7.21.30 Uhr, 2cl Sommerkino auf Conne Island

Film der Woche: Für die meisten ihrer männlichen Kollegen ist Miss Sloane ein Enigma. Als Lobbyistin wickelt sie ihre Gegner um den Finger und ist der Konkurrenz immer einen Schritt voraus. Als Privatperson lässt sie sich jedoch ebensowenig in die Karten schauen wie in ihrem Job. Umso mehr überrascht es die Kollegen ihrer Kanzlei, als sie einen lukrativen Auftrag der Waffenlobby ablehnt. Sie soll eine Gesetzesänderung verhindern, die stärkere Kontrollen bei der Ausgabe von Schusswaffen zur Folge hätte. Stattdessen spaziert Elizabeth Sloane aus dem Büro und nimmt gleich einige ihrer Kollegen mit in eine kleine Kanzlei, mit der sie fortan einen aussichtslos erscheinenden Krieg gegen übermächtige Windmühlen führt. Ihre unberechenbare Skrupellosigkeit in einer morallosen Branche macht einen großen Reiz des Drehbuchdebüts von Jonathan Perera aus. Der studierte Anwalt reicherte den Politthrillerplot mit Spannungselementen des klassischen Courtroom-Dramas an. Einen großen Anteil an der Sogwirkung dieser 132 Minuten hat Hauptdarstellerin Jessica Chastain. Ihre komplexe Darstellung der eiskalten Karrierefrau, die unter der Last zu zerbrechen droht, sobald sie die Deckung fallen lässt, erinnert an ihre sensationelle Leistung in »Zero Dark Thirty« und brachte ihr die vierte Golden Globe Nominierung ein. Ausführliche Kritik im aktuellen kreuzer.

»Die Erfindung der Wahrheit«: ab 6.7., Passage Kinos

Catrin Cole erhält einen Job in der Drehbuchabteilung eines britischen Filmstudios. Im Jahr 1940 braucht die Bevölkerung dringend einen optimistisch stimmenden Stoff, der die Gräuel des Krieges überwinden und am besten noch die USA auf Seite der Briten in den Zweiten Weltkrieg eintreten lassen soll. Catrin soll im Drehbuch den weiblichen Blick auf die Dinge einbringen, soll für das Schmalz sorgen und damit die Britinnen in ihren Ansichten in die gewünschte Richtung manipulieren. Dabei verliebt sie sich in den Chefautor Buckley, zumal zu ihrem bisherigen Freund immer größere Differenzen entstehen. Lone Scherfig (»The Riot Club«) schlägt mit ihrem neuen Film in eine ähnlich nostalgische Kerbe wie zuletzt Biopics aus dem Filmbusiness wie »Hitchcock« oder »Trumbo«, allerdings als reine Fiktion. Trotz der Gefahr, dass das Ergebnis deswegen ein wenig banal ausfällt, weiß Scherfig um die Stärken des Stoffes und setzt ihre Akzente in der Schauspielführung und in den liebenswerten Details, die die frühen 1940er Jahre vor der Kamera wieder auferstehen lassen. Ausführliche Kritik von Frank Brenner im aktuellen kreuzer.

»Ihre beste Stunde«: ab 6.7., Passage Kinos

Mit dem Leichenhallenthriller »Nightwatch« legte der Däne Ole Bornedal 1994 ein vielbeachtetes Kinodebüt nach eigenem Drehbuch vor, das auch international erfolgreich war. Das von ihm selbst inszenierte, obligatorische US-Remake »Freeze – Albtraum Nachtwache« geriet jedoch zum Flop und auch die nachfolgenden Filme konnten Publikum und Kritik nur teilweise überzeugen. Nach einem Ausflug ins Fernsehen mit der Historienserie »1864« soll es »Small Town Killers« nun nach fünf Jahren Kinopause richten und Bornedals Karriere wieder in die Spur bringen. Dumm nur, dass die humorvoll gemeinten Schüsse dieser schwarzen Komödie in den allermeisten Fällen ihr Ziel nicht finden. Dabei klingt die Grundidee der Geschichte zunächst gar nicht mal so übel: die beiden Handwerker Edward und Ib haben mit Schwarzarbeit viel Geld beiseite geschafft. In den Augen ihrer Ehefrauen Ingrid und Gritt sind sie jedoch nur zwei unattraktive Loser. Die Flammen der Leidenschaft sind schon lange erloschen. Weil eine Scheidung teuer werden oder sie sogar in den Knast bringen könnte, setzen Edward und Ib den russischen Auftragsmörder Igor auf Ingrid und Gritt an. Die Frauen bekommen davon jedoch Wind und heuern ihrerseits die britische Killerkannibalin Miss Nippleworthy an, die die Männer ins Jenseits befördern soll. Was dabei den Genrekonventionen entsprechend so alles schief läuft, ist nur leider eines nicht, nämlich überraschend oder gar witzig. Ausführliche Kritik von Peter Hoch im aktuellen kreuzer.

»Small Town Killers«: ab 6.7., Kinobar Prager Frühling, Regina Palast

Flimmerzeit_JUNI_2017

 

Weitere Filmtermine

Lost Highway
Ein Jazzmusiker wird wegen des Mordes an seiner Frau verurteilt, nimmt aber im Gefängnis die Gestalt eines anderen an. Meisterhaft kryptischer Alptraum von David Lynch. Sommerkino
9.7., 21.30 Uhr, 2cl – Sommerkino auf Conne Island (OmU)
CSD Leipzig
Der CSD lockt im Juli vor allem auf die Straße und zu den Partys. Aber in Diskussionen wird auch über Mobbing und Gleichstellung geredet und die Cinémathèque in der Nato lädt zu einer Filmreihe …

Klänge des Verschweigens
»Klänge des Verschweigens« ist ein Dokumentarfilm von Klaus Stanjek über den wegen Homosexualität im KZ inhaftierten Musiker Wilhelm Heckmann.
R: Klaus Stanjek, BRD 2012, Dok, 90 min
11.7., 19.30 Uhr

Bones of Contention
Der mit dem Teddy-Award zur Berlinale ausgezeichneten Dokumentarfilm »Bones of Contention« erzählt von Verfolgung Homosexueller unter der Diktatur Francos. Mit einer Einführung und Diskussion mit Dr. Ulrike Capdepón,.
13.7., 19.30 Uhr (OmeU)

Dream Boat
Der Dokumentarfilm begleitet 3.000 Männer auf eine Kreuzfahrt für Schwule. Am 26.7. in Anwesenheit des Regisseurs.
14.7., 19.30 Uhr

Office for Monument Construction
Eine verwitternde Stadt irgendwo auf dieser Welt. Die Farbe in den verlassenen Gebäuden blättert langsam von den Wänden, alles atmet den Geist des Verfalls. Die wenigen verbliebenen Einwohner fortgeschrittenen Alters taumeln durch die trostlosen Ruinen der Moderne und gehen dabei kryptischen Tätigkeiten nach. Surreale Geschichte über das langsame Verschwinden von Bekanntem, Orientierungsverlust und die Furcht vor einem Neuanfang. Film Polska reloaded.
12.7., 20 Uhr, Cinémathèque in der Nato (OmU)

Surf Film Nacht – La Primera Ola
Leere Strände und Wellen die in der Surferszene zum Mythos werden sollten – die Dokumentation fokussiert sich auf die Anfänge des Surfens an den spanischen Küsten in den 70ger Jahren. Selbstgebaute Bretter, wilde Wellen, wildes Leben.
12.7., 21.30 Uhr, Sommerkino auf der Feinkost

Die Sehnsucht nach dem Meer
Der Traum vom Anschluss Leipzigs an das Meer: In Gesprächen mit Experten, Bewohnerinnen und Bewohnern, mit Archivmaterial sowie in poetischen Bildern, genau gesetzten Tönen und jazzigen Klängen lotet Puder sie aus: die Sehnsucht und den Wahn. Premiere in Anwesenheit der Regisseurin Ute Puder
13.7., 15 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei

Anzeige

Kommentieren

Dein Kommentar

Keine Kommentare

Kommentare sind deaktiviert.