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Die Rasselböcke sind los

Zwei Leipziger Köche bringen mobile Gastlichkeit und Fernweh auf den Teller

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Rasselbock – da geht es nicht wirklich um einen gehörnten Hasen aus dem Thüringer Wald, sondern um Anna König, die vor ein paar Jahren von dort nach Leipzig zog, und den Leipziger Moritz Mönnich. Die beiden haben sich 2015 in der Küche des Leipziger Restaurants B10 kennengelernt und schnell gemerkt, dass Sympathie und Humor sie selbst in Stressmomenten verbinden. Das war die Geburtsstunde von Rasselbock: Catering – das erste eigene Projekt für beide und Bühne ihrer Philosophie vom Essen.

Die Leidenschaft fürs Kochen und die Neugier auf andere Esskulturen begleiten sie auf Reisen durch viele Länder dieser Welt, wie zum Beispiel Vietnam. Mal jeder für sich, mal gemeinsam sammeln sie Eindrücke, die sie hier als Fernweh auf den Teller bringen wollen und eine neue Bandbreite an Unbekanntem auf die Speisekarte setzen. Ob gegrillter Schweinebauch in einer typischen Bun Cha Suppe aus Hanoi oder ein Seafood Boil, bei dem verschiedene Zutaten mit diversen Meeresfrüchten in einem Topf gekocht und gemeinsam am großen Tisch mit den Fingern gegessen werden – die Devise lautet: Was der Bauer nicht kennt, soll er bei ihnen probieren können. Die Gerichte haben sie sich zum Teil direkt von Straßenständen abgeschaut oder authentischen Rezepten experimentell eine eigene Note beigefügt.

Seit April gehen Anna und Moritz nun mit vielseitigen Caterings und internationalem Streetfood ins Rennen. Sie wollen neben ihrem ehrlich zubereiteten Essen vielmehr die gemütliche Gelassenheit der besuchten Straßenküchen vermitteln, statt Lifestyle-tauglich oder allgemeingültig zu sein. Gekocht wird, was begeistert, ohne auf Krampf jeden erreichen zu wollen. Anstelle eines Foodtrucks oder der Eröffnung eines schicken Restaurants mit eigener Küche, starteten sie eine Crowdfunding-Aktion für einen Anhänger, um ihr Hab und Gut zu transportieren. Getreu dem Motto der mobilen Gastlichkeit klappern die kulinarischen Nomaden mit ihrem liebevoll gestalteten Stand und immer wieder neuen Leckereien im Gepäck seitdem Straßenfeste, Streetfood-Märkte und andere Veranstaltungen in der Stadt ab. Das Arbeiten klappt Hand in Hand, so bleibt auch Platz für Spaß.

Die Rasselböcke greifen dankbar auf ein großes Netzwerk an Freunden und Unterstützern aus der Leipziger Gastronomieszene zurück. Ob mit einem Topf oder gleich einer ganzen Küche auf Zeit, viele helfen den beiden gern aus. »Wir sind untereinander keine wirkliche Konkurrenz. Jeder hat sein Business, aber man gönnt dem anderen auch was.« Öfter konkurrieren müssen die internationalen Speisen auf dem Markt eher mit der »Wie viele Döner könnte ich mir für den Preis kaufen«-Vergleichsattitüde der Leute, sagen die beiden. Gutes Essen muss nicht teuer sein, um zu schmecken – wer aber frische Zutaten verwendet und alles von Grund auf in Handarbeit zubereitet, der muss zwangsläufig über den günstigen Preisen eines schnellen Imbisses liegen.

Die beiden sind aber auf dem Boden der Realität geblieben und haben ihr zweites Standbein als angestellte Berufsköche behalten. Das sichert ihnen das Brot und gibt Spielraum für überlegte geschäftliche Entwicklungen. »Wir sind schön und langsam gewachsen«, sagt Anna. »Jetzt am Anfang haben wir kaum etwas für uns rausgenommen, sondern nach und nach erst einmal unsere Ausstattung verbessert.« Aber schon nächstes Jahr hoffen sie, von ihren Kreationen leben zu können, und knüpfen fleißig Kontakte, um künftig vielleicht ihre eigene Küche zur Verfügung zu haben. Allzu weit in die Zukunft planen wollen beide aber nicht, die Freiheit soll schließlich auch bleiben.

Rasselbock auf dem Streetfoodmarkt: 18.11., 12-21 Uhr, Feinkost

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