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Gegen das Vergessen

Eine Kunstinstallation in Abtnaundorf gedenkt der Opfer des Nationalsozialismus

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Am 18. April 1945 wurde in Abtnaundorf eine Baracke mit 300 eingeschlossenen KZ-Häftlingen von der Gestapo und der SS in Brand geschossen. Dabei starben insgesamt 80 Menschen. An dieses »Massaker von Abtnaundorf« erinnert seit 60 Jahren ein steinerner Obelisk. Nun soll eine modernere Kunstinstallation der Opfer gedenken.

Es ist nur ein kleiner Weg an der Theklaer Straße, der zur Gedenkstätte Abtnaundorf führt. Am Ende dieses Weges steht der Obelisk – und nun auch eine Kunstinstallation von dem Leipziger Künstler Harald Alff. Anlässlich des Jahrestags der Befreiung des KZ Auschwitz wurde die Installation am 27. Januar eingeweiht. »Gedenken und Erinnerungen verändern die Erinnerungsorte«, betonte Oberbürgermeister Burkhard Jung bei der Einweihung. Der Obelisk sei nicht mehr zeitgemäß, also kam die Idee für eine Kunstinstallation, die als Ergänzung der Gedenkstätte diene. Die Installation ist ein Dickicht aus 208 Stahlwinkeln. Neun Meter lang und einen Meter hoch soll sie an Stacheldraht erinnern. In 205 Stelen sind die Lebensdaten der Menschen eingeschnitten, die in der Zeit von 1943 bis 1945 in der Außenstelle des KZ Buchenwald in Abtnaundorf gestorben sind, drei leere Stahlwinkel erinnern an die unbekannten Opfer. Alff wolle damit die Opfer mit ihren individuellen Schicksalen deutlich machen. Die Installation wurde bewusst mittig auf dem Weg platziert, um die »Opfer in die Mitte zu nehmen«, sagte Jung. »Die Installation gibt den Toten Namen und macht sie an öffentlichen Orten sichtbar.« Zu hoffen ist, dass die Installation auch die Gedenkstätte sichtbarer macht, denn bisher wirkte das Denkmal unscheinbar, so dass es beim Vorbeifahren schnell übersehen werden konnte. Neben der Vergangenheit ging es bei der Eröffnung auch um die Gegenwart. Burkhard Jung verwies auf das aktuelle gesellschaftliche Klima – Diskriminierung, Rassismus, Hass. »Nichts wäre fataler, als sich nicht mit aller Kraft dagegen zu stemmen« sagte Jung, das Beste gegen den Hass sei das Erinnern.

Durch die Installation wird das Gedenken persönlicher, es ist keine anonyme Masse, die dort gestorben ist, sondern 205 Menschen, die alle einen Namen hatten und durch das Dickicht der Stelen, ihren Namen wieder zurückbekommen haben.

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